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Joyce DiDonato
In My Solitude

Werke von Duke Ellington, Georg Friedrich Händel, Gustav Mahler, Johann Adolf Hasse, Joseph Haydn und Louis Guglielmi

Aufführungsdauer: ca. 1h 30' (keine Pause)

Dienstag, 8. Juni 2021, 20.00 Uhr
Alfried Krupp Saal in der Philharmonie Essen

 



Philharmonie Essen
(Homepage)

Von der Arie über das Lied zum Chanson

Von Thomas Molke / Foto: Sven Lorenz (TUP)

Bereits 2017 hat Joyce DiDonato mit ihrem persönlich gehaltenen Programm In War and Peace - Harmony through Music in ihrer gewohnt charmanten und natürlichen Art das Anliegen vorgebracht, von den größtenteils düsteren Nachrichten der Welt abzulenken und mit Hilfe der Musik zu einer inneren Balance und Harmonie zu finden. Gefühlt war das lange Zeit vor der Corona-Pandemie, durch die die Welt auch für die Kulturschaffenden noch düsterer geworden ist. Nun kehrt die mehrfach mit dem Grammy Award ausgezeichnete Ausnahmekünstlerin, die 2018 den Olivier Award für herausragende Leistungen im Opernfach erhalten hat, in die Philharmonie zurück und bringt das Publikum bereits zum Jubeln, bevor sie den ersten Ton gesungen hat. Die Begeisterung darüber, dass endlich wieder Auftritte vor Publikum - wenn auch in reduzierter Form und ohne Pause - möglich sind, sieht man DiDonato auch mit Maske, die sie beim Auftritt noch trägt, noch an und überträgt sich sofort auf das Publikum, und zu Recht. DiDonato hat wieder ein genau auf die Zeit abgestimmtes Programm zusammengestellt, welches das Publikum trotz aller Melancholie einen Moment Ruhe und Harmonie in der Schönheit der Musik finden lässt.

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Joyce DiDonato (mit Craig Terry am Klavier) in ihrem Element

Eigentlich wollte DiDonato mit ihrem Programm Songplay in der Philharmonie Essen am 16.01.2021 barocke Musikperlen mit US-amerikanischem Musical und Jazz kombinieren. Aus diesem Vorhaben ist knapp fünf Monate später ein 90-minütiger Abend unter dem Titel In My Solitude geworden, der DiDonatos Gefühle und Empfindungen während der langen Zeit, in der sie nicht vor Publikum auftreten konnte, widerspiegelt und in dem sie nur von dem Pianisten Craig Terry begleitet wird. In Einsamkeit befinden sich die Opernheroinen, die in den vorgestellten Arien zu Wort kommen, und von Träumen und Erinnerungen, die die Sängerin während ihrer Einsamkeit heimsuchen, berichtet auch der Text, den Eddie DeLange und Irving Mills für Duke Ellingtons 1934 entstandene Jazz-Komposition geschrieben haben. Bevor sie aber mit dem eigentlichen Programm beginnt, bedankt sie sich mit Franz Schuberts Loblied "An die Musik" für die Kraft, die ihr die Musik in der schweren Zeit der Pandemie gegeben und das Hoffen auf eine bessere Zeit bewahrt hat. Treffender kann man einen Abend nach so langer Pause kaum beginnen.

Im weiteren Verlauf des Abends führt DiDonato mit ihrer begeisternden Art durch das Programm und erläutert kurz und sehr verständlich, wieso die Auswahl gerade auf diese Werke gefallen ist. Ein mythologisches Beispiel für Einsamkeit ist die Königstochter Ariadne, die von ihrem Geliebten Theseus auf der Insel Naxos zurückgelassen wurde, nachdem sie ihm geholfen hatte, den Minotaurus im Labyrinth von Kreta zu besiegen. Joseph Haydn hat zu diesem Thema eine Solokantate für Klavierbegleitung komponiert. Zu Beginn erwacht Ariadne auf der Felseninsel Naxos und träumt noch von ihrem Geliebten Theseus, unwissend, dass dieser sie bereits allein auf der Insel zurückgelassen hat. Ihre anfängliche Sorge und Angst verwandeln sich in unbändige Wut, mit der sie den untreuen Geliebten verflucht. DiDonato setzt mit großem Pathos die unterschiedlichen Emotionen der Figur um. So gestaltet sie die zärtlich liebende Frau mit warmen, weichen Tönen und entwickelt sich dann mit scharfen Koloraturen zu einer regelrechten Furie.

Im Anschluss berichtet DiDonato, dass sie während der Pandemie Interesse an Gustav Mahler gefunden habe. Vorher habe sie immer gedacht, Mahlers Lieder seien nur etwas für ihre Kollegin Christa Ludwig, aber dann habe sie erkannt, dass sie selbst diesen Liedern auch sehr viel abgewinnen könne. Mahler hat in der Zeit von 1901 bis 1902 insgesamt fünf Texte des Dichters Friedrich Rückert vertont, die im Gegensatz zu den Kindertotenliedern, die vom gleichen Autor stammen, keinen Zyklus bilden. DiDonato setzt den melancholischen Tonfall der Lieder mit intensiver Interpretation um und macht die Faszination, die sie gerade in dieser Zeit für diese Lieder empfunden hat, sehr deutlich. Leicht schelmisch fragt sie das Publikum im Anschluss, ob man nun einen Ausflug in die Oper machen wolle. Die Wahl ist dabei auf die ägyptische Königin Cleopatra gefallen, der zahlreiche Barockkomponisten ein Denkmal gesetzt haben und die ihre wichtigen Entscheidungen, so DiDonato, auch häufig in der Einsamkeit getroffen habe. So präsentiert DiDonato uns die Königin zunächst mit "Morte col fiero aspetto" aus Johann Adolf Hasses Oper Marc' Antonio e Cleopatra kurz vor ihrem Tod. Hier zeigt sich DiDonato mit sauber perlenden Koloraturen absolut kämpferisch und macht deutlich, dass die unterlegene Königin ihren Gegnern keinen Frieden gönnen wird. Eine andere Seite der Königin kommt in Händels bekannter Oper Giulio Cesare in Egitto zum Vorschein. Hier zeigt DiDonato in "Piangero la sorte mia" Cleopatra von einer ganz verletzlichen Seite, da sie gerade befürchtet, dass ihr Geliebter Caesar einem Attentat zum Opfer gefallen sei. DiDonato punktet hier mit weich angesetzten, fast zerbrechlichen Tönen, die sich im B-Teil der Arie noch einmal zu furiosen Koloraturen aufbäumen.

Nach der "schweren" Kost folgt der Ausflug in die "leichte" Muse. DiDonato präsentiert eine großartige Interpretation von Duke Ellingtons Jazz-Ballade "In My Solitude", die Craig Terry für diesen Abend bearbeitet hat. Terry erweist sich in allen Bereichen als kongenialer Begleiter am Klavier. Nach der ganzen Melancholie wünscht sich DiDonato, voller Zuversicht in die Zukunft zu blicken und mit Hilfe der Musik auch wieder die schönen Seiten des Lebens zu sehen, wenn Corona einmal vorbei sein wird. Deswegen schließt sie das Programm mit dem legendären Song "La vie en rose", dem sie ebenfalls eine ganz persönliche Note verleiht. Natürlich lässt das begeisterte Publikum DiDonato nicht ohne Zugaben gehen. Auch hier beweist DiDonato die gleiche Vielfalt wie im vorherigen Programm. Nach Mozarts Arie des Cherubino, "Voi che sapete" aus Le nozze di Figaro folgt noch Irving Berlins schmissiges "I Love a Piano", das DiDonato äußerst temperamentvoll zum Besten gibt. Sie verabschiedet sich dann mit einem verträumten Song aus ihrer Heimat: "Somewhere Over the Rainbow". Das Publikum dankt es ihr mit stehenden Ovationen, und DiDonato verspricht, bald wiederzukommen und dann ein umfangreicheres Programm zu präsentieren.

FAZIT

Joyce DiDonato macht deutlich, was man in den Konzertsälen monatelang schmerzlich vermisst hat. Es bleibt zu hoffen, dass sie bald wiederkommt und dann vor vollem Haus spielen darf.



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Ausführende

Joyce DiDonato, Mezzosopran

Craig Terry, Klavier und Arrangements


Werke

Joseph Haydn
Ariadne auf Naxos, Hob. XXVIb:2

Gustav Mahler
Fünf Lieder nach Texten von Friedrich Rückert
"Blicke mir nicht in die Lieder"
"Ich atmet' einen linden Duft"
"Liebst du um Schönheit"
"Ich bin der Welt abhanden gekommen"
"Um Mitternacht"

Johann Adolf Hasse
"Morte col fiero aspetto"
Arie der Cleopatra aus Marc' Antonio e Cleopatra

Georg Friedrich Händel
"È pur così in un giorno"
"Piangero la sorte mia"
Rezitativ und Arie der Cleopatra aus
Giulio Cesare in Egitto, HWV 17

Duke Ellington
"In My Solitude"
(bearbeitet von Craig Terry)

Louis Guglielmi
"La vie en rose"
(bearbeitet von Craig Terry)


Weitere Informationen
erhalten Sie von der

Philharmonie Essen
(Homepage)



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