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Elīna Garanča

Recital mit Malcolm Martineau, Klavier
Werke von Robert Schumann, Johannes Brahms, Henri Duparc, Isaac Albéniz, Manuel de Falla, Francisco Asenjo Barbieri,
Ruperto Chapí und Georges Bizet 

Aufführungsdauer: ca. 2h 05' (eine Pause)

Sonntag, 14. November 2021, 20.00 Uhr
Alfried Krupp Saal in der Philharmonie Essen

 



Philharmonie Essen
(Homepage)

Vom deutschen Lied zur Zarzuela und Carmen

Von Thomas Molke

Elīna Garanča zählt zu den Weltstars der Klassikszene. Nachdem der in Riga geborenen Mezzosopranistin schnell der Sprung vom ersten Festengagement am Südthüringer Staatstheater Meiningen an die ganz großen Opernhäuser der Welt  gelang, wurde sie 2013 an der Wiener Staatsoper, an der sie in mehr als 140 Vorstellungen 18 verschiedene Rollen interpretiert hatte, zur Kammersängerin ernannt und ist damit eine der jüngsten Titelträgerinnen. In der Philharmonie Essen war sie in den vergangenen Jahren bereits mehrfach zu Gast und hat unter Beweis gestellt, dass sie neben der Oper auch andere musikalische Genres beherrscht. So widmete sie sich mit ihrem Programm Meditation im November 2014 vor allem geistlicher und spiritueller Musik, und entführte das Publikum in Mai 2019 in das Reich der Zarzuela. Nun kommt sie mit dem Pianisten Malcolm Martineau und spannt den Bogen vom deutschen Lied bis zu ihrer Paraderolle Carmen.

Den ersten Teil des Abends beginnt sie mit dem Liederzyklus "Frauenliebe und Leben" von Robert Schumann. Schumann hat darin acht Gedichte von Adelbert von Chamisso vertont, die das Schicksal einer Frau von ihrer ersten Begegnung mit ihrem zukünftigen Gatten bis zu seinem Tod schildern. Garanča arbeitet dabei die unterschiedlichen Lebensstationen der Frau sehr emotional und mit einer wunderbaren Diktion heraus. In den ersten beiden Liedern zeigt sie sich als verliebtes junges Mädchen und preist ihren zukünftigen Mann in den höchsten Tönen. Kaum kann sie es fassen, dass dieser Mann sie zu seiner Gattin auswählt. Mit dem Mutterglück wird sie erwachsener, was Garanča großartig in der Intonation herausarbeitet, bevor dann im letzten Lied das Glück vorbei ist. Der Mann ist gestorben, und der Frau bleibt nur die Trauer. Hier steigt Garanča stimmlich in dunkle Tiefen herab, die ihr Leid spürbar machen. Nach einem kurzen Intermezzo von Johannes Brahms, das Malcolm Martineau sehr gefühlvoll am Klavier interpretiert, folgen insgesamt sechs Lieder von Johannes Brahms, die inhaltlich in keinem Zusammenhang stehen und auch zu unterschiedlichen Zeiten entstanden. Auch hier gelingt es Garanča, die unterschiedlichen Stimmungen mit großem, warmem Mezzo einzufangen.

Nach der Pause bleibt sie zunächst der Gattung des Liedes treu, wechselt aber von Deutschland nach Frankreich zu Henri Duparc, der 1871 mit Camille Saint-Saëns die Société Nationale de Musique gründete und vor allem im Bereich des Liedes das Musikleben des ausgehenden 19. Jahrhunderts beeinflusste. In dem Lied "Extase" lässt sich Duparcs Begeisterung für Richard Wagner erkennen, da dieses Stück auch Tristan und Isolde nach Einnahme des Liebestrankes in die Kehle gelegt sein könnte. Garanča gestaltet das Stück sehr intensiv. Eine ganz andere Farbe erklingt in dem folgenden Stück "Phidylé", das mit den verträumten Klängen bereits den Geist des Impressionismus atmet. Nach einem Tango für Klavier geht es dann weiter nach Spanien. Garanča präsentiert den Liederzyklus "Siete canciones populares españolas", den Manuel de Falla kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs für die Sängerin Luisa Vela komponierte. Die Texte der Lieder stammen aus alten spanischen Sammlungen und zeichnen musikalisch die verschiedenen Landstriche Spaniens in bunten Farben. Garanča fängt mit ihrem variablen Mezzosopran diese Vielfalt großartig ein und zeigt sich in ihrer goldglänzenden Robe mit dem schwarzen Cape genauso feurig wie die Musik.

Von diesen volkstümlichen Melodien ist es nur ein kleiner Schritt zur Zarzuela, einer spanischen Form der Operette. Obwohl die Gattung bereits im frühen 17. Jahrhundert als höfisches Festspiel entstand, gelangte sie erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu voller Blüte. Ein besonderer Verdienst gebührt dabei Francisco Asenjo Barbieri mit der 1874 uraufgeführten Zarzuela El barberillo de Lavapiés, die auch unter dem Titel Lamparilla bekannt ist. Garanča präsentiert daraus das Lied der Schneiderin Paloma, die sich mit einer Taube vergleicht. Hier trifft Garanča mit frechem Spiel den leicht spöttischen Tonfall der jungen Frau, die zwar einerseits die Taube um ihre Fähigkeit zu fliegen beneidet, andererseits aber nicht wie sie im Eintopf enden möchte. Es folgt ein Stück von Ruperto Chapí, der vor allem durch die 1889 uraufgeführten Zarzuela Las hijas del Zebedeo mit dem Lied "Carceleras" bekannt ist, das Garanča und andere namhafte Mezzosopranistinnen gerne als Zugabe präsentieren. An diesem Abend stellt Garanča allerdings ein weniger bekanntes Stück aus Chapís El Barquillero vor, das wesentlich ruhiger als "Carceleras" klingt. Zum Abschluss schlüpft Garanča noch in ihre Paraderolle als Carmen und bringt den Saal mit der berühmten Habanera zum Toben.

Natürlich lässt das Publikum Garanča nach diesem abwechslungsreichen Programm nicht ohne Zugaben gehen. Zunächst bleibt Garanča bei Bizets Carmen und präsentiert die berühmte Seguedilla ("Près des remparts de Séville"), in der sie erneut ihr feuriges Temperament unter Beweis stellt. Anschließend kehrt sie dann zu Johannes Brahms zurück und verabschiedet sich mit dem Lied "Meine Liebe ist grün", das Brahms auf ein Gedicht von Felix Schumann komponierte.

FAZIT

Elīna Garanča zeigt eindrucksvoll das ganze Spektrum vom Liedgesang bis zur großen Oper.



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Ausführende

Elīna Garanča, Mezzosopran

Malcolm Martineau, Klavier


Werke

Robert Schumann
"Frauenliebe und Leben", op. 42

Johannes Brahms
Intermezzo E-Dur, op. 116 Nr. 4
"Liebestreu", op. 3 Nr. 1
"Geheimnis", op. 71 Nr. 3
"O wüßt ich doch den Weg zurück", op. 63 Nr. 8
"Alte Liebe", op. 72 Nr. 1
"Mainacht", op. 72 Nr. 1
"Von ewiger Liebe", op. 43 Nr. 1

Henri Duparc
"Au pays oł se fait la guerre"
"Extase"
"Phidylé"

Isaac Albéniz
Tango D-Dur, op. 165 Nr. 2 für Klavier

Manuel de Falla
"Siete canciones populares españolas"

Francisco Asenjo Barbieri
"Canción de Paloma"
aus El barberillo de Lavapiés

Ruperto Chapí
"Cuando está tan hondo"
aus El Barquillero

Georges Bizet
Habanera der Carmen aus Carmen


Weitere Informationen
erhalten Sie von der

Philharmonie Essen
(Homepage)



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