Zur OMM-Homepage Zur OMM-Homepage Veranstaltungen & Kritiken
Musiktheater
Zur OMM-Homepage Musiktheater-Startseite E-Mail Impressum



The Rake's Progress

Oper in drei Akten
Fabel von Wystan Hugh Auden und Chester Kallman
Musik von Igor Strawinsky

in englischer Sprache mit deutschen Übertiteln

Premiere am 30. März 2008 im Theater Dortmund
(rezensierte Aufführung: 4.4.08)

Aufführungsdauer: ca. 3h (eine Pause)


Homepage

Theater Dortmund
(Homepage)
„Ich möchte der Musik geben, was sie ist – eine Maschine“

Von Ursula Decker-Bönniger / Fotos von Thomas M. Jauk / Stage Picture Gmbh

Vergrößerung in neuem Fenster

Ann (Lydia Skourides) und Statisterie

Da träumt ein modellhaftes Liebespaar sein kleines Glück in einem überdimensionalen, von blauem Sommerhimmel mit Schäfchenwölkchen ausgefüllten Rad, das sich mit dem Erscheinen des Teufels geistreich in ein magentafarbenes Schicksalsrad wandelt. Da nästeln aufdringliche, bocksbeinige Menschlein an Vater Truloves Taschen, während der Teufel in Anlehnung an die Musik mit einem Cembalogefährt und jahrmärktlichem Flammengebraus die Bühne betritt. Da werden bewegte Bilder stilisiert und entemotionalisiert, indem sie in Fenstern mechanisch wiederholt und doch leicht variiert vervielfacht werden.

Die grandiosen Eindrücke der Dortmunder Neuinszenierung von The Rake's Progress sind facettenreich wie Strawinskys neoklassizistische Komposition - mal verzerrt melancholisch, mal burlesk übertreibend, mal ironisch distanziert oder spielerisch surreal – und werden von dem eindrucksvollen Bühnenbild Piero Vinciguerras zusammengehalten.

Vergrößerung in neuem Fenster

2.Akt: Die monströse Jahrmarktsattraktion Baba (Hannes Brock). Tom Rakewell (hier Jeff Martin) staunt.

Angeregt von den 1735 veröffentlichten satirischen Kupferstichen des Malers William Hogarth widmete sich Strawinsky den klischeeverhafteten Lebensstationen eines jungen Jedermanns, der seine kleine Liebesidylle zugunsten der teuflisch verführerischen Erlebniswelten aufgibt, nach durchlebten Höhen und Tiefen schließlich sein Scheitern erkennt und verwirrt in der Psychiatrie von der wahren Liebe träumt.
Anstelle einer Ouvertüre beginnt die Oper mit einer an Monteverdi erinnernden festlichen kurzen Bläserintrada. Tom Rakewells erstes Rezitativ erinnert an Händel. Die Modelle des Duettinos, des Fugato-Quartetts, des Terzettinos, mit dem das erste Bild endet, stammen aus italienischen Opern. Die Orchesterzusammensetzung mit zweifacher Bläserbesetzung verweist auf Mozart – endlos ist die Liste der nicht immer eindeutigen historischen Bezüge der einzelnen Nummern. Mangelnde Originalität und Eigenschöpfung hat man Strawinsky nach der Uraufführung 1951 im Teatro la Fenice in Venedig vorgeworfen und dabei die vielschichtigen, parodistischen Absichten der Auseinandersetzung mit historischen Formen wie Rezitativ, Arie, Ensemble, Duett etc. und tradierten Stilmitteln verkannt.

Den Regisseur Roland Schwab erinnert Strawinskys Musik an eine Maschine: „Da gibt es harmonische Keimzellen, die wie atmosphärische Kompressoren wirken, melodische Phrasen, die als Schwungräder fungieren, treibende Rhythmen, die die Aufgabe der Kräfteübertragung übernehmen.“ erläutert er seine Auffassung im Programmheft. Die dabei entstandene abwechslungsreiche - leider durch längere Umbauphasen unterbrochene - Bilderfolge im Stile einer Moritat ist humorvoll. Sie vermeidet die im Thema angelegte moralische Aufklärung, ohne Gefühle völlig auszublenden.

Vergrößerung in neuem Fenster Nick Shadow (Simon Neal) führt Tom (hier: Jeff Martin) ins Bordell ein. Die Frage nach der Liebe stimmt ihn nachdenklich

Zu dem hervorragenden Eindruck trug auch die Sängerbesetzung bei. Die zart einsetzende Lydia Skourides verkörperte eine in der Gesamtanlage lyrische Ann Trulove, die passend zur Rolle z.B. in der 3.Szene des 1.Aktes jugendlich-dramatische Akzente setzte. Simon Neal beeindruckte mit seinem klangvollen, variantenreichen Bariton in der Rolle des grandezzahaften, spöttischen Nick. John Heuzenroeders jugendlicher Heldentenor passte hervorragend zur Rolle des naiven Tom Rakewell. Lediglich die Plapperarie der Baba (Hannes Brock) hätte ich mir akzentuierter, buffonesker gewünscht. Ebenso überzeugend sind die homogene, klar verständliche Diktion des Opernchores, die schwingend leichte Grundmotorik und solistische Präzision der Dortmunder Philharmoniker unter Leitung ihres neuen Generalmusikdirektors Jac van Steen, der mit dieser brillanten Einstudierung sein Dortmunder Operndebüt gibt.


FAZIT

Ein musikalisch brillianter, humorvoller, unterhaltsamer Opernabend.


Ihre Meinung
Schreiben Sie uns einen Leserbrief
(Veröffentlichung vorbehalten)

Produktionsteam

Musikalische Leitung
Jac van Steen

Inszenierung
Roland Schwab

Bühne
Piero Vinciguerra

Kostüme
Renée Listerdal

Choreographie
Adriana Naldoni

Klanginstallation
Richard Ortmann

Choreinstudierung
Granville Walker

Dramaturgie
Verena Harzer


Statisterie und Chor des
Theater Dortmund

Dortmunder Philharmoniker

Michael Hönes, Cembal


Solisten

* Besetzung der rezensierten Aufführung


Truelove
* Bart Driessen /
Vidar Gunnarsson

Ann
Lydia Skourides* /
Martina Schilling

Tom Rakewell
Jeff Martin /
* John Heuzenroeder

Nick Shadow
Simon Neal

Mutter Goose
Ji Young Michel

Baba
Hannes Brock

Sellem
Tansel Akzeybek

Wärter
* Carl Kaiser /
Georg Kirketerp



Weitere
Informationen

erhalten Sie vom
Theater Dortmund
(Homepage)



Da capo al Fine

Zur OMM-Homepage Musiktheater-Startseite E-Mail Impressum
© 2008 - Online Musik Magazin
http://www.omm.de
E-Mail: oper@omm.de

- Fine -