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Veranstaltungen & Kritiken Musiktheater |
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Ich möchte der Musik geben, was sie ist eine Maschine
Von Ursula Decker-Bönniger
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Fotos von Thomas M. Jauk / Stage Picture Gmbh
Ann (Lydia Skourides) und Statisterie
Da träumt ein modellhaftes Liebespaar sein kleines Glück in einem überdimensionalen, von blauem Sommerhimmel mit Schäfchenwölkchen ausgefüllten Rad, das sich mit dem Erscheinen des Teufels geistreich in ein magentafarbenes Schicksalsrad wandelt. Da nästeln aufdringliche, bocksbeinige Menschlein an Vater Truloves Taschen, während der Teufel in Anlehnung an die Musik mit einem Cembalogefährt und jahrmärktlichem Flammengebraus die Bühne betritt. Da werden bewegte Bilder stilisiert und entemotionalisiert, indem sie in Fenstern mechanisch wiederholt und doch leicht variiert vervielfacht werden. Die grandiosen Eindrücke der Dortmunder Neuinszenierung von The Rake's Progress sind facettenreich wie Strawinskys neoklassizistische Komposition - mal verzerrt melancholisch, mal burlesk übertreibend, mal ironisch distanziert oder spielerisch surreal und werden von dem eindrucksvollen Bühnenbild Piero Vinciguerras zusammengehalten.
2.Akt: Die monströse Jahrmarktsattraktion Baba (Hannes Brock). Tom Rakewell (hier Jeff Martin) staunt.
Angeregt von den 1735 veröffentlichten satirischen Kupferstichen des Malers William Hogarth widmete sich Strawinsky den klischeeverhafteten Lebensstationen eines jungen Jedermanns, der seine kleine Liebesidylle zugunsten der teuflisch verführerischen Erlebniswelten aufgibt, nach durchlebten Höhen und Tiefen schließlich sein Scheitern erkennt und verwirrt in der Psychiatrie von der wahren Liebe träumt. Den Regisseur Roland Schwab erinnert Strawinskys Musik an eine Maschine: Da gibt es harmonische Keimzellen, die wie atmosphärische Kompressoren wirken, melodische Phrasen, die als Schwungräder fungieren, treibende Rhythmen, die die Aufgabe der Kräfteübertragung übernehmen. erläutert er seine Auffassung im Programmheft. Die dabei entstandene abwechslungsreiche - leider durch längere Umbauphasen unterbrochene - Bilderfolge im Stile einer Moritat ist humorvoll. Sie vermeidet die im Thema angelegte moralische Aufklärung, ohne Gefühle völlig auszublenden.
Nick Shadow (Simon Neal) führt Tom (hier: Jeff Martin) ins Bordell ein. Die Frage nach der Liebe stimmt ihn nachdenklich
Zu dem hervorragenden Eindruck trug auch die Sängerbesetzung bei. Die zart einsetzende Lydia Skourides verkörperte eine in der Gesamtanlage lyrische Ann Trulove, die passend zur Rolle z.B. in der 3.Szene des 1.Aktes jugendlich-dramatische Akzente setzte. Simon Neal beeindruckte mit seinem klangvollen, variantenreichen Bariton in der Rolle des grandezzahaften, spöttischen Nick. John Heuzenroeders jugendlicher Heldentenor passte hervorragend zur Rolle des naiven Tom Rakewell. Lediglich die Plapperarie der Baba (Hannes Brock) hätte ich mir akzentuierter, buffonesker gewünscht. Ebenso überzeugend sind die homogene, klar verständliche Diktion des Opernchores, die schwingend leichte Grundmotorik und solistische Präzision der Dortmunder Philharmoniker unter Leitung ihres neuen Generalmusikdirektors Jac van Steen, der mit dieser brillanten Einstudierung sein Dortmunder Operndebüt gibt. FAZIT Ein musikalisch brillianter, humorvoller, unterhaltsamer Opernabend. Ihre Meinung Schreiben Sie uns einen Leserbrief (Veröffentlichung vorbehalten) |
Produktionsteam
Musikalische Leitung
Inszenierung
Bühne
Kostüme
Choreographie
Klanginstallation
Choreinstudierung
Dramaturgie
Solisten* Besetzung der rezensierten AufführungTruelove * Bart Driessen / Vidar Gunnarsson
Ann
Martina Schilling
Tom Rakewell
* John Heuzenroeder
Nick Shadow
Mutter Goose
Baba
Sellem
Wärter
Georg Kirketerp
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