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Musiktheater
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Der Untergang des Hauses Usher
(The Fall of the House of Usher)

Oper in zwei Akten
Libretto von Artur Yorinks
nach der Novelle von Edgar Allan Poe
Deutsche Übersetzung von Saskia M. Wesnigk
Musik von Philip Glass


in deutscher Sprache
Aufführungsdauer: ca. 1h 30' (keine Pause)

Premiere am 9. Mai 2009 im Theater auf Zeit Krefeld


Homepage

Theater Krefeld-Mönchengladbach
(Homepage)
Subtile Klangkulisse mit maßvollem Gruselfaktor

Von Stefan Schmöe / Fotos von Matthias Stutte


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Alte Freunde: William (Michael Kupfer, links) und Roderick (Johannes Preißinger)

Minimal music ist, boshaft vereinfacht gesagt, die schier endlose Wiederholung einfachster musikalischer Motive unter bestenfalls geringer Variation. Ein auf die elementaren Keimzellen einer Komposition reduzierte Musik also, die auf den ersten Blick nicht gerade geeignet scheint für das Musiktheater mit seinen emotionalen Spannungsbögen und Entwicklungen. Natürlich aber ist der Theaterbegriff erweiterungsfähig, und gerade Philip Glass ist es zum Beispiel mit Satyagraha 1980 eine höchst eindrucksvolle Oper, die der minimal music huldigt, gelungen. Der Erfolg dieses Werks, in dessen Zentrum der Appell zur Gewaltlosigkeit Mahatma Ghandis steht, war allerdings zu einem nicht geringen Teil der Mischung aus Exotismus und Pazifismus geschuldet: Eine Art moderne Meditationsmusik, in der die Zeit aufgehoben schien und in der gerade das Undramatische der Musik dem Thema gerecht wurde. The Fall of the House of Usher nach der Novelle von Edgar Allan Poe, komponiert 1987, ist da allerdings ein anderer Fall, denn hier geht es nicht um Entdramatisierung; vielmehr lebt der Stoff von der unheimlichen Atmosphäre. Musikalisches Gruselkino also.

Vergrößerung in neuem Fenster Hier tobt das Unbewusste: William (Michael Kupfer) und der Tänzer (Antal Dobsa)

In Edgar Allan Poes Vorlage wird ein namenloser Ich-Erzähler zu seinem dem Wahnsinn verfallenden Freund Roderick Usher gerufen und erlebt dort mit, wie dessen Zwillingsschwester Madeline zunächst vermeintlich stirbt und einige Tage später unter mysteriösen Umständen wieder erscheint. Vieles deutet darauf hin, dass Roderick sie lebendig begraben hatte. Philip Glass hat daraus eine Kammeroper für 12 Instrumente und 5 Solisten (drei große Partien – Roderick, Madeline und den Erzähler, der im Libretto den Namen William trägt - sowie zwei kleine Nebenrollen) gemacht. Die Musik ist gefällig, bewegt sich weitgehend in gewohnten Musical-Harmonien und den seit der Klassik gewohnten Perioden: Alle acht Takte etwas anderes. Da ist die minimalistische Einfachheit an die Hörgewohnheiten eines Publikums, das durch die schlichten Schemata geläufiger Pop-Musik geprägt ist, angepasst: Alles in allem mehr Soundtrack als Oper.

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Sarglegung: William und Roderick begraben Madeline (Isabelle Razawi).

Weil Glass sein Handwerk versteht und zudem ausgesprochen farbig instrumentiert, ist die Musik nicht ohne Reiz. Und auch der Grundgedanke, den in der Schauerromantik verwurzelten Stoff auf seine Atmosphäre hin zu verdichten und die Entwicklung der Handlung zur Nebensache zu machen, ist auch nicht uninteressant. Aber bei 90 Minuten Spielzeit gerät die Angelegenheit dann doch mehr und mehr ermüdend, auch weil die Musik irgendwann eben doch mehr routiniert als inspiriert klingt. Das liegt am wenigsten an dem ausgezeichneten Kammerorchester unter der Leitung von Kenneth Duryea, das filigran und nuanciert spielt und den Klangfarbenreichtum sehr schön zum Ausdruck bringt. Und auch die Solisten können sich hören lassen: Bariton Michael Kupfer als William und Tenor Johannes Preißinger als Roderick singen sehr ordentlich und (in deutscher Übersetzung) textverständlich: Die dankbarste Rolle ist indes die der Madeline, deren Text ausschließlich aus dem Vokal „a“ besteht und als zusätzliche Klangfarbe sehr gesanglich angelegt ist. Isabelle Razawi gestaltet das mit heller, leuchtender Stimme und schönen Legato-Bögen. Musikalisch also ist an der Krefelder Produktion wenig auszusetzen.

Im Bühnenbild von Andreas Jander verlieren sich diverse Treppen im Nichts; ein paar Mauern, leere Türen und Ruinenteile erzeugen im Halbdunkel mit viel Bühnennebel die erforderliche Düsternis. Wenig überzeugend ist allerdings der Versuch, die Leichtmetallträger der Lichttechnik (gespielt wird wegen der Sanierung des Krefelder Stadttheaters im Provisorium „Theater auf Zeit“, wo solche technischen Elemente gut einsehbar sind) zu integrieren – die stören das Bild doch erheblich. Ansonsten setzt die Inszenierung von Christian Tombeil auf eine Verdopplung des Geschwisterpaars durch zwei Tänzer (Choreographie: Robert North). Dabei spielt die archaische Gestalt des männlichen Tänzers mit Lendenschurz und Bemalung wohl auf Urängste an, die weibliche Tänzerin hebt die Unwirklichkeit der Madeline noch stärker hervor: Mal erscheint die Sängerin, mal die Tänzerin, sodass die Figur nicht fassbar wird. Das ist kein ganz großes Regiekonzept, aber bietet doch ein paar interessante Bildwirkungen. Überflüssig, ja sogar störend (weil verharmlosend) ist dagegen die Idee, alles als Albtraum Williams ablaufen zu lassen.

Vergrößerung in neuem Fenster Der Untergang (Tänzerin: Silvia Behnke)

Sicher muss man auch Zugeständnisse an die Rahmenbedingungen machen: Die Vereinigten Städtischen Bühnen Krefeld und Mönchengladbach müssen jetzt in Krefeld, demnächst in Mönchengladbach in einem Provisorium mit stark eingeschränkten technischen Möglichkeiten spielen. Dabei wäre es verlockend, wenn der Regisseur schon auf Gruselatmosphäre setzt, diese auch mit allem technischen Schnickschnack dargestellt zu bekommen. Hier aber bleibt's auch szenisch ein wenig eintönig. Was freilich Geschmackssache zu sein scheint: Nach der Premiere gab's geradezu euphorischen Beifall. Da scheint der Minimalist Glass wohl doch den Nerv von weiten Teilen des Publikums getroffen zu haben.


FAZIT

Irgendwo zwischen raffinierter atmosphärischer Verdichtung und biederem Gedudel hat Philip Glass eine Kammeroper geschaffen, die Christian Tombeil ganz hübsch und ziemlich brav nacherzählt. Eine nicht uninteressante Abwechslung vom gewohnten Repertoire. Wenn's die nicht gäbe, würde man sie aber auch nicht vermissen.


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Produktionsteam

Musikalische Leitung
Kenneth Duryea

Inszenierung
Christian Tombeil

Bühne
Andreas Jander

Kostüme
Gabriele Wasmuth

Dramaturgie
Ulrike Aistleitner


Mitglieder der
Niederrheinischen Sinfoniker


Solisten


William
Michael Kupfer

Roderick Usher
Johannes Preißinger

Madeline Usher
Isabelle Razawi

Diener
Christoph Erpenbeck

Arzt
Markus Heinrich

Tänzerin
Silvia Behnke

Tänzer
Antal Dobsa



Weitere
Informationen

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Theater Krefeld-
Mönchengladbach

(Homepage)



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