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Tosca


Melodramma in drei Akten
Libretto von Giuseppe Giacosa und Luigi Illica
nach dem Drama La Tosca (1887) von Victorien Sardou
Musik von Giacomo Puccini


in italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln

Aufführungsdauer: ca. 2h 30' (eine Pause)

Premiere am 16. Oktober 2011 im Opernhaus Leipzig

rezensierte Aufführung: 20. Oktober 2011)


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Oper Leipzig
(Homepage)
Leipziger Opernkisten

Von Roberto Becker / Fotos von Andreas H. Birkigt



Vergrößerung in neuem Fenster Scarpia und Tosca

Wahrscheinlich soll den Leipziger Musikfreunden endlich ein Licht aufgehen und sie daran erinnern, dass ihr Opernhaus auch zum Musikleben der Stadt gehört und nicht nur das Gewandhaus auf der anderen Seite des Augustusplatzes. Jetzt ist nämlich alles, was optisch mit der Oper zu tun hat, signalgelb. Das Haus hat mit Beginn der Spielzeit wieder einen ordentlich bestellten Intendanten. Und das Gewandhausorchester hat neben seinem Chef Riccardo Chailly, der jüngst inmitten von Weltspitzenorchestern ein wahres Gustav-Mahler-Fest veranstaltet hat, für seine zweite Identität, als Opernorchester, auch wieder einen speziell dafür zuständigen GMD. Ulf Schirmer ist beides. Und er versucht das Haus wieder flott zu machen und dem Publikum mehr zu bieten als wiederaufgenommene Inszenierungen von Chefregisseur Peter Konwitschny. Mit der Idee, in Koproduktion mit Bayreuth die frühen Opern Richard Wagners zum Jubeljahr 2013 als originellen Beitrag der Geburtsstadt des Komponisten beizusteuern, lässt sich der dosierte Neustart, zumindest programmatisch, schon mal gut an.

Dass man zur Spielzeiteröffnung mit einer neuen Tosca das Publikum auf seine Seite ziehen wollte, ist legitim. Dass man es allerdings mit einer so unpolitischen, den Kitsch tuschierenden und die verstaubte Operngeste pflegenden Inszenierung wie der von Michiel Dijkema versuchte, verpasst den hohen Erwartungen ans Durchstarten oder gar Erneuern einen ziemlichen Dämpfer. Aus dem einen metaphorischen Licht werden in Leipzig nämlich gleich tausend Wachskerzen auf der Bühne, die dort den ganzen Abend über langsam herunterbrennen.


Vergrößerung in neuem Fenster

Tosca, Cavaradossi und Scarpia

Diese Kirchenatmosphäre trumpft zum Te Deum gewaltig auf, wenn hinter der bühnenbreiten Lichtinstallation eine riesige, mit Menschen in allen möglichen klerikalen Gewändern überladene Orgel, hochfährt. Das macht zwar gewaltigen Eindruck, aber den rechten politischen Furor des Freiheitskampfes gegen einen fiesen Unterdrücker entfaltet diese Bilderwelt nicht. Wenn dann das Erschießungskommando, dem der die Freiheit und die Sängerin Floria Tosca liebende Maler Cavaradossi zum Opfer fällt, in der Gestalt von sieben schießwütigen Weihnachtsengeln als Himmelfahrtskommando über die Bühne schwebt, dann hat sich Dijkema völlig in der unfreiwilligen Albernheit verfranzt, in die er schon mit den parodierenden Masken und Auftritten geraten war, die er vor allem den Nebenfiguren verpasst hat. Um einige von ihnen in geheimnisvolle Kisten zu verfrachten, die mal als Versteck für den flüchtigen Republikaner Angelotti, mal als Foltergefängnis für Cavaradossi und am Ende, wundersam vergrößert, auch als Mauer der Engelsburg dienen, von der dann ein Tosca-Dummy rücklings in die Tiefe stürzt.


Vergrößerung in neuem Fenster Ein Himmelfahrtskommando besonderer Art – die Engel erschießen Cavaradossi

Leider können auch die Solisten aus diesen szenisch eher dürftigen Zutaten kein wohlschmeckendes und ausgewogenes Opernmenü zaubern. In den historisierenden (bzw. karikierenden) Kostümen von Claudia Damm pflegen sie allesamt in einem Maße die abgestandene Operngeste, dass man sich fragt, ob man in dem gleichen Haus ist, in dem vor nicht allzu langer Zeit ziemlich spannende Meistersinger Premiere hatten (unsere Rezension) oder auch die meisten der wiederbelebten Konwitschny-Inszenierungen ein ganz anderes Niveau entfalten.

Immerhin lieferte das Gewandhausorchester mit dem Gast Anthony Bramall am Pult einen dramatisch ausladenden Puccini. Zum Glück waren die Sänger wenigstens vokal auf der Höhe. Bruno Ribeiro imponierte schnell mit Cavaradossi- Standfestigkeit, Tuomas Pursio mit einer nicht allzu dämonischen Scarpia-Finsternis und Annalisa Raspagliosi mit einer wenn auch nicht verführerischen, aber doch akzeptablen Tosca, der es freilich nicht gelang, ihr "Vissi d'arte" nicht zum Abräumer zu machen.


FAZIT

Mit der neuen Tosca hat die Leipziger Oper eine musikalisch solide Neuproduktion im Repertoire. Eine szenische Erleuchtung ist sie freilich nicht.


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Produktionsteam

Musikalische Leitung
Anthony Bramall

Inszenierung und Bühnenbild
Michiel Dijkema

Kostüme
Claudia Damm

Choreinstudierung
Alessandro Zuppardo

Einstudierung Kinderchor
Sophie Bauer

Dramaturgie
Christian Geltinger



Chor und Kinderchor
der Oper Leipzig

Gewandhausorchester Leipzig



Solisten

Floria Tosca
Annalisa Raspagliosi

Mario Cavaradossi
Bruno Ribeiro

Baron Scarpia
Tuomas Pursio

Cesare Angelotti
Milcho Borovinov 

Der Mesner
Jürgen Kurth  

Spoletta
Dan Karlström

Sciarrone
Matthew Anchel

Stimme des Hirtenmädchens
Olena Tokar 



Weitere
Informationen

erhalten Sie von der
Oper Leipzig
(Homepage)



Da capo al Fine

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