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Das Rheingold

Vorabend des Bühnenfestspiels Der Ring des Nibelungen
Musik und Dichtung von Richard Wagner

in deutscher Sprache mit deutschen Übertiteln

Aufführungsdauer: ca. 2h 40' (keine Pause)

Koproduktion mit dem Teatro alla Scala di Milano in Zusammenarbeit mit dem Toneelhuis Antwerpen

1. zyklische Aufführung an der Staatsoper im Schiller Theater am 23. März 2013
im Rahmen der Festtage 2013
(Premiere der Produktion: 17.10.2010)

 

 

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Staatsoper Berlin
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Der Ring als Handschuh

Von Thomas Molke /  Fotos: Monika Rittershaus

Einen "Ring für das 21. Jahrhundert", der im "Jetzt", "der Kulisse unserer eigenen Gegenwart und Zukunft" stattfinden werde, verspricht Michael P. Steinberg im Programmheft zum Rheingold. Wer nun aber befürchtet, in Berlin eine dieser zahllosen Deutungen des modernen Regietheaters zu erleben, in denen der Mythos mehr oder weniger stimmig auf die moderne kapitalistische Welt übertragen wird, kann beruhigt werden. Das "Jetzt" in Guy Cassiers' Inszenierung ist so abstrakt gehalten, dass man eher von einem zeitlosen Ansatz sprechen kann. Doch auch wenn man mit einer solchen Deutung durchaus einen Spagat zwischen den Verfechtern einer librettonahen, klassischen Produktion und den Befürwortern einer erforderlichen Modernisierung und Anpassung an die Zeit wagen kann, ist an diesem Abend zumindest szenisch nicht alles Gold, was glänzt.

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Die Rheintöchter (von links: Woglinde (Aga Mikolaj), Flosshilde (hier: Marina Prudenskaja) und Wellgunde (Maria Gortsevskaya)) spielen mit Alberich (Johannes Martin Kränzle).

Dabei beginnt alles sehr vielversprechend. Nachdem Daniel Barenboim mit der Berliner Staatskapelle in den ersten 136 Takten des Vorspiels die Entstehung der Natur sehr bedächtig zelebriert hat, schaffen Guy Cassiers und Enrico Bagnoli für die erste Szene im Rhein ein großartiges Bühnenbild, das in grünlichen Projektionen auf der Rückwand eine Unterwasserwelt entstehen lässt. Auch wie bei den ersten Sonnenstrahlen das Rheingold langsam beginnt zu schimmern, ist von der Lichtregie großartig umgesetzt. Die Kostüme für die Rheintöchter, für die Tim Van Steenbergen verantwortlich zeichnet, unterstreichen ebenfalls ein mythisches Ambiente. Dass die Bühne dabei mit Wasser geflutet ist, wirkt zwar beim Spiel der Rheintöchter authentisch, entwickelt sich jedoch mit dem Auftritt Alberichs zu einem regelrechten Problem. Ein szenisches Spiel zwischen dem Nachtalben und den Rheintöchtern findet nämlich so gut wie gar nicht statt. Wenn eine der Nixen mit Alberich spielt, befindet er sich bei einer anderen. So verkommt die Szene nahezu zu Rampensingen, ohne dass Alberich die Mädchen zu fangen versucht. Liegt es daran, dass die Solisten befürchten, auf dem glatten Boden auszurutschen? Vielleicht hätte man dann lieber auf das Wasser verzichten sollen, zumal sich für die folgenden Szenen ein weiteres Problem ergibt: wohin mit dem Wasser?

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Die Riesen Fafner und Fasolt (hier: Timo Riihonen und Kwangchul Youn) fordern Freia (Anna Samuil) als Lohn. Loge (Stephan Rügamer, rechts) soll Abhilfe schaffen.

Zwar werden Teile des Bühnenbodens nach der ersten Szene leicht emporgefahren, so dass das Wasser nicht mehr den ganzen Bühnenboden bedeckt. Weg ist es aber keineswegs, so dass es zum einen befremdlich wirkt, wenn auf Bergeshöhen oder in Nibelheim die Solisten plötzlich in einer Pfütze landen, zum anderen es auch akustisch stört, dass man in den leisen Passagen ständig rauschendes Wasser hört. Hinzu kommen andere Nebengeräusche, die den musikalischen Genuss bisweilen beeinträchtigen, weil das Laufen auf dem emporgefahrenen Bühnenboden häufig knarrt und scheppert. Vielleicht bleibt die Inszenierung deshalb auch im weiteren Verlauf so statisch, da die Sänger sich auf dem Bühnenboden ein wenig unwohl fühlen. Die Riesen lassen lieber ihre überdimensionalen Schatten, die auf die Rückwand projiziert sind, handeln und begnügen sich mit großartigem Gesang. Regelrecht störend wirkt dies nur an einer Stelle, wenn Fasolt dem Bruder vorwirft, den ganzen Schatz an sich zu raffen, ohne dass er dies eigentlich hätte wahrnehmen können, da der Bruder die ganze Zeit hinter ihm agiert.

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Alberich (Johannes Martin Kränzle) hat sich reinlegen lassen (Tänzerinnen der Eastman Company als Fesseln).

Einen wichtigen Bestandteil der Inszenierung stellen die acht Tänzerinnen und Tänzer der Eastman Company dar, die einerseits die Übergänge zwischen den einzelnen Szenen durch Bewegungen bebildern, andererseits auch den Sängern zur Seite gestellt werden. Besonders beeindruckend gelingt dies im dritten Bild, wenn Wotan und Loge nach Nibelheim herabgestiegen sind. In Alberichs Machtzentrale formen sie zum einen einen Sessel, von dem aus der Schwarzalbe die Macht über die Nibelungen ausübt, zum andern bilden sie auch die Tarnkappe, in der Alberich dann quasi vollständig verschwindet, wenn er sie aufsetzt. So kann er sich zunächst unsichtbar machen, um seinen Bruder Mime zu quälen, und später in einen Riesenwurm verwandeln, wobei die Tänzer in einer Art Knäuel in dieser Szene über Loge herfallen. Die Verwandlung in eine Kröte verpufft jedoch in der Wirkung, da Alberich sich nur hinter die Tänzer kauert und anschließend von Wotan und Loge überwältigt wird. Im Folgenden dienen die Tänzerinnen auch als Fesseln, aus denen die Lichtalben Alberich erst befreien, nachdem er ihnen den kompletten Schatz ausgehändigt hat. Wieso der Ring in dieser Inszenierung ein glänzender Handschuh ist, mag jeder für sich selbst deuten.

Sieht man von diesen kleineren Unstimmigkeiten ab, gelingt Cassiers allerdings im Großen und Ganzen eine überzeugende Deutung, was nicht zuletzt auch den stimmigen Videoprojektionen von Arjen Klerkx und Kurt D'Haeseleer zu verdanken ist. Selbst wenn man sich aber nicht mit Cassiers' Ansatz anfreunden kann, dürfte das musikalische Niveau für alles andere entschädigen. Die hochkarätige Sängerriege liefert bis in die kleinste Rolle eine Interpretation, die in jeder Hinsicht festspielwürdig ist. Aga Mikolaj, Maria Gortsevskaya und Anna Lapkovskaja begeistern als Rheintöchter Woglinde, Wellgunde und Flosshilde mit hervorragender Textverständlichkeit und harmonisch aufeinander abgestimmtem Klang. Anna Larsson zelebriert ihren relativ kurzen Auftritt als Erda mit warmem Mezzo. Anna Samuil stattet die Freia mit leuchtendem, frischem Sopran aus. Auch Marius Vlad und Jan Buchwald überzeugen als Froh und Donner, wobei Buchwald darstellerisch etwas steif bleibt. Ekaterina Gubanova glänzt als Fricka mit großartiger Textverständlichkeit und einem wunderbaren Mezzo. Iain Paterson und Mikhail Petrenko verleihen den beiden Riesen Fasolt und Fafner einen wuchtigen Bass, und auch Peter Bronder gefällt als geknechteter Nachtalbe Mime mit hellem Tenor.

Die drei Hauptpartien machen das Hörerlebnis perfekt. Stephan Rügamer glänzt wie in der Premiere 2010 als windiger Feuergott Loge mit kräftigem Tenor. Ihm nimmt man den Strippenzieher auch darstellerisch in jeder Hinsicht ab. Johannes Martin Kränzle verfügt über einen großartigen Bass-Bariton, mit dem er den Alberich als gefährlichen Nachtalben ausstattet, dem sein eigener Größenwahn zum Verhängnis wird. Interessant ist dabei Cassiers' Ansatz, dass er sich in der Kostümierung kaum von den Lichtalben unterscheidet. René Pape gibt einen Wotan, der, was Textverständlichkeit und Stimmvolumen betrifft, kaum übertroffen werden dürfte. Daniel Barenboim rundet mit der Staatskapelle Berlin den Abend hervorragend ab und schafft einen wuchtigen Klang, ohne dabei die Sänger zu übertönen. So gibt es am Ende großen Applaus für alle Beteiligten, wobei Barenboim gemeinsam mit dem Orchester zum Schlussapplaus die Bühne betritt, was die tiefe Verbundenheit zu "seinem" Klangkörper ausdrücken dürfte.

FAZIT

Das musikalische Niveau dieser Inszenierung setzt die Messlatte für weitere Ring-Festspiel-Inszenierungen in dieser Jubiläumsspielzeit hoch an.

Weitere Rezensionen zu den Festtagen 2013


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Produktionsteam

Musikalische Leitung
Daniel Barenboim

Inszenierung
Guy Cassiers

Bühnenbild
Guy Cassiers
Enrico Bagnoli

Kostüme
Tim Van Steenbergen

Licht
Enrico Bagnoli

Video
Arjen Klerkx
Kurt D'Haeseleer

Choreographie
Sidi Larbi Cherkaoui

Dramaturgie
Michael P. Steinberg
Detlef Giese

 

Staatskapelle Berlin

 

Solisten

Wotan
René Pape

Donner
Jan Buchwald

Froh
Marius Vlad

Loge
Stephan Rügamer

Fricka
Ekaterina Gubanova

Freia
Anna Samuil

Erda
Anna Larsson

Alberich
Johannes Martin Kränzle

Mime
Peter Bronder

Fasolt
Iain Paterson

Fafner
Mikhail Petrenko

Woglinde
Aga Mikolaj

Wellgunde
Maria Gortsevskaya

Flosshilde
Anna Lapkovskaja

Tänzer
Ilias Lazaridis
Laura Neyskens
Vebjørn Sundby
Guro Nagelhus Schia
Leif Federico Firnhaber
Louise Michel Jackson
Ruth Sherman
Gabriel Galindez Cruz




Weitere Informationen
erhalten Sie von der
Staatsoper Unter den Linden Berlin
(Homepage)



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