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Don Giovanni

Dramma Giocoso in zwei Akten
Libretto von Lorenzo da Ponte
Musik von Wolfgang A. Mozart


In italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln

Aufführungsdauer: ca. 3 h 20' (eine Pause)

Premiere an der Oper Frankfurt am 11. Mai 2014

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Oper Frankfurt
(Homepage)
Im Kampf mit sich selbst

Von Roberto Becker / Fotos von Monika Rittershaus

Mozarts und Da Pontes Don Giovanni - das ist ein Fall für den Superlativ "Oper aller Opern". Es ist ein Blick auf den großen Verführer, dessen Motto "Viva la Liberta" offenbar in allen etwas freisetzt, das sie aus der Bahn wirft. Das eine ist sein schwer "erarbeiteter" Ruf als notorischer Verführer. Wenn man die Zahlen der Eroberungen in Frankreich, Italien, Deutschland, der Türkei und vor allem in Spanien, die Leporello in seinem berühmtem Register notiert, für bare Münze nimmt, dann kommt man schon ins Grübeln, wie das gehen soll. Wenn Leporello ganz am Ende Donna Elvira (als sozusagen rechtmäßiger Ehefrau des gerade Verschwundenen) das Register überlässt und die einen Blick hinein geworfen hat, haut es sie um. Wer weiß, was sie da entdeckt hatů Mit diesem Don Giovanni ist es wie mit dem König auf der Bühne, den machen ja auch immer vor allem die anderen. Blickt man nur etwas hinter die Geschichte, die da angeblich in 24 Stunden abläuft (das waren noch Herstellungszeiten von Statuen für gerade Verstorbene oder Ermordete wie den Komtur!), dann wird Don Giovanni zur Projektionsfläche.

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Don Giovanni (Christian Gerhaher) und Donna Anna (Brenda Rae)

Bei Christof Loy ist der Titelheld schon ergraut und deutlich in die Jahre gekommen. Am historischen Kostüm erkennbar, ist ihm sein eigener Ruf offenbar eine Last. Oder eine Erinnerung. Immer wieder werden die Eroberungsanläufe zu einem Kampf mit sich selbst. In dem leicht verfallenen barocken Raum mit vernageltem Wanddurchbruch und Kamin, den Johannes Leiacker einem leer geräumten barocken Theater nachempfunden hat, verlieren sich die Menschen fast. Hier kämpfen zur Ouvertüre und zum Finale, kurz vor dem Verschwinden Don Giovannis, lauter Alter Egos miteinander. Wenn er zum Fest einlädt, dann singt der fantastische Christian Gerhaher so, als hätte er eine Panikattacke. Es ist überhaupt faszinierend, wie dieser Ausnahmesänger, der aus seiner Herkunft vom Liedgesang und seiner Interpreten-Intelligenz szenisches Kapital zu schlagen weiß, mit diesem Don Giovanni umgeht.

Vergrößerung in neuem Fenster Donna Elvira (Juanita Lascarro, links), Donna Anna (Brenda Rae) und Don Ottavio (Martin Mitterrutzner)

Auch sonst gelingt es Loy, mit subtiler Personenregie manches eingefahrene Rollenklischee aufzubrechen. Bleibt er im Falle von Masetto und Zerlina noch dicht an der Nacherzählung, so ist bei ihm Don Ottavio eine attraktive, jüngere Ausgabe Don Giovannis. Ohne dessen emotionalen Defekt. Hier ist es so, dass er Donna Anna offenbar wirklich liebt und vor allem auch von ihr wieder geliebt wird. So zärtlich, innig (und dank der Bühnenpräsenz von Brenda Rae und Martin Mitterruntzner) erotisch aufgeladen sind die beiden wohl noch nie miteinander umgegangen. Wobei sich dafür niemand ausziehen muss. Die beiden kriegen das mit einem Spiel der Hände hin, bei dem man den erotischen Funken förmlich zu sehen glaubt. Neben diesem fein dosierten kleinen Coup gibt es auch opulente, große Effekte. Etwa wenn der rote Vorhang am Anfang herunterfällt. Oder wenn in einem Fenster der Bretterwand, die zu Beginn des zweiten Aufzuges den Raum verdeckt, die Beine der Komturstatue auf einem hohen Sockel sichtbar werden. Dass dieser auf den ersten Blick historisch aussehende Don Giovanni auch etwas mit uns zu tun hat, merkt man spätestens, wenn er am Ende des ersten Aufzuges über den Zuschauerraum flieht.

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Don Giovanni (Christian Gerhaher)

Gesungen wird nicht nur von Christian Gerhaher auf durchweg hohem Niveau. Ob nun der würdige Komtur des Robert Lloyd, oder die attraktive, quasi aus dem Publikum auftauchende Donna Elvira von Juanita Lascarro, der grundsolide Leporello Simon Bailey oder Björn Bürger als keineswegs denunzierter Masetto und die dennoch auf Don Giovanni abfahrende Zerlina von Grazia Doronzio - in Frankfurt ist ein handverlesenes Ensemble beisammen.

Für den Rest sorgte Sebastian Weigle und das Frankfurter Opern- und Museumsorchester. Sie spielten durchweg präzise und im Einklang mit der Szene und beglaubigten die feinsinnige Inszenierung mit dezenter Dosierung, die sich den Ausbruch nur sparsam gönnte, und der Stille und dem Innehalten ihren Raum ließ. Es hätte des kleinen, durch einen technischen Defekt ausgelösten Feueralarms mit der Räumung des Hauses mitten in der zweiten Arie der Donna Anna also gar nicht bedurft, um aus diesem Don Giovanni einen hochspannenden Abend zu machen.


FAZIT

Die Oper Frankfurt hat jetzt einen szenisch feinsinngen und opulenten Don Giovanni zu bieten, dem Christian Gerhaher mit seinem Rollenporträt des Titelhelden die Krone resp. den Federhut aufsetzt.


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Produktionsteam

Musikalische Leitung
Sebastian Weigle

Regie
Christof Loy

Bühnenbild
Johannes Leiacker

Kostüme
Ursula Renzenbrink

Licht
Olaf Winter

Chor
Markus Ehmann

Dramaturgie
Norbert Abels



Chor der Oper Frankfurt

Frankfurter Opern-
und Museumsorchester


Solisten

Don Giovanni
Christian Gerhaher

Donna Anna
Brenda Rae

Don Ottavio
Martin Mitterrutzner

Komtur
Robert Lloyd

Donna Elvira
Juanita Lascarro

Leporello
Simon Bailey

Masetto
Björn Bürger

Zerlina
Grazia Doronzio



Weitere Informationen


Oper Frankfurt
(Homepage)







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