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Non je ne regrette rien -
Die Geschichte der Edith Piaf

Szenische Lesung mit Chansons von Edith Piaf (UA 2010)
Texte von Michael Schulz

in deutscher Sprache mit französischen Chansons

Aufführungsdauer: ca. 2 h (eine Pause)

Premiere im Kleinen Haus des Musiktheaters im Revier am 18. Januar 2014
(rezensierte Aufführung: 03.05.2014)

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Musiktheater im Revier
(Homepage)

Das traurige Leben des "kleinen Spatzes"

Von Thomas Molke / Foto von Pedro Malinowski


Als Christa Platzer 2008 mit dem Intendantenwechsel als neues Ensemble-Mitglied nach Gelsenkirchen kam, begeisterte sie das Publikum in ihrer ersten Spielzeit mit einem Piaf-Abend, in dem sie zu Texten von Dirk Schattner in zahlreichen Chansons das Leben des "kleinen Spatzes von Paris" Revue passieren ließ. Dieser Abend führte im Kleinen Haus in Gelsenkirchen nicht nur wegen der großen Publikumsnachfrage ganze zwei Spielzeiten lang zu ausverkauften Vorstellungen, sondern veranlasste Platzer auch, mit Texten des Intendanten Michael Schulz ein neues Programm unter dem Titel Non je ne regrette rien zu erarbeiten, mit dem sie seit 2010 durch ganz Deutschland tourt. Warum bei dieser Tour das Musiktheater im Revier erst vier Jahre später zum Zuge kommt, ist kaum nachvollziehbar. Vielleicht hatte man Sorgen, dass das Gelsenkirchener Publikum nicht mehr so großes Interesse an einem weiteren Piaf-Abend gehabt hätte. Mit dieser Vermutung lag man jedenfalls völlig falsch. Die beiden für Januar 2014 angesetzten Aufführungen waren so schnell ausverkauft, dass man kurzfristig noch einen dritten Ersatztermin im Mai anberaumen musste, um die große Nachfrage zu befriedigen.

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Christa Platzer als Edith Piaf

Als szenische Lesung präsentiert Platzer die Geschichte der Edith Piaf und schlüpft dabei in insgesamt 16 mehr oder weniger bekannten Chansons in die Rolle der weltberühmten französischen Sängerin mit dem unverwechselbaren Timbre. Dabei gelingt es Platzer, Piafs Stimme in allen Nuancen wunderbar zu treffen, so dass man stellenweise den Eindruck gewinnt, Edith Piaf höchstpersönlich auf der Bühne zu erleben. Auch das schwarze Kleid, in dem Platzer auftritt, und die an die Hüften gedrückten Hände machen deutlich, dass Platzer in den Liedern den Spatz von Paris wieder zum Leben erweckt. Bei der Lesung hingegen verlässt sie die Rolle der Piaf und trägt recht sachlich die trotz der unglaublichen Karriere doch im eigentlichen Sinne stets traurige Biographie der großen Sängerin vor. Ab und zu schlüpft sie allerdings auch in ihrem Vortrag in die Rolle der Piaf, wenn sie beispielsweise aus einzelnen Interviews zitiert oder Texte der anschließend vorgetragenen Chansons übersetzt.

Der Teil bis zur Pause umfasst Piafs Leben bis zum tragischen Tod des von ihr abgöttisch geliebten Boxers Marcel Cerdan. Mit dem eher unbekannten Lied "Les mômes de la cloche" tritt Platzer a capella zu Beginn des Abends durch die Bistro-Tische im Zuschauerraum auf und lässt so einen Eindruck von Piafs Anfängen entstehen, als sie noch als unbedeutende Straßensängerin durch Paris zog. Erst als der Kabarettbesitzer Louis Leplée sie entdeckte und als Chanteuse in sein Kabarett holte, begann ihre eigentliche Karriere. An diese Stelle wird eines der berühmtesten Lieder der Piaf platziert, "La vie en rose", zu dem die Piaf nicht nur selbst den Text geschrieben hat, sondern das auch inhaltlich ihrer damaligen Lebenseinstellung am besten entsprach. Doch das Leben blieb nicht "rosig". Es folgte der Krieg, zu dem auch Piaf in ihren Liedern "La foule" und "C'est à Hambourg" kritisch Stellung bezog. Mit "L'accordéoniste" soll sie den Wunsch eines Soldaten erfüllt haben, der ihr dieses Lied einen Tag, bevor er zurück an die Front musste, übergeben habe. Nach dem Krieg und zahlreichen Affären trifft sie dann mit Cerdan auf den Mann ihres Lebens, den sie durch einen tragischen Flugzeugabsturz bereits 1951 verliert. "Mon dieu" ist eine Homage an Cerdan, mit dem Piaf ihre tiefen Gefühle für ihn zum Ausdruck bringt und versucht, ihre eigenen Schuldgefühle zu unterdrücken, weil sie ihn dazu gedrängt hat, für die Überfahrt nach Amerika nicht das Schiff, sondern das Flugzeug zu nehmen. Platzers Interpretation dieses einfühlsamen Liedes geht dabei unter die Haut.

Nach der Pause werden zunächst ohne biographischen Zusammenhang die großen Hits der Piaf mehr oder weniger aneinander gereiht, wie sie sie wohl auf ihren zahlreichen Tourneen im In- und Ausland präsentiert hat. Interessant sind  hierbei vor allem die von Dirk Sobe eingerichteten Arrangements, die sich im Rhythmus doch deutlich von den Originalen unterscheiden. Besonders auffällig ist dies bei "Les amants d'un jour", was Platzer in der englischen Fassung "Lovers for a Day" präsentiert. Damit wird unter anderem auch darauf angespielt, dass die Amerikaner sich zunächst nicht mit der "unverständlichen" Sprache, in der Piaf ihre gefühlvollen Lieder sang, anfreunden konnten. Natürlich dürfen an dieser Stelle auch "Milord", "Hymne à l'amour" und "Padam, Padam" nicht fehlen. Wenn Platzer anschließend den allmählichen körperlichen Verfall der Piaf beschreibt, macht sie dies auch szenisch deutlich, wenn sie zu "Le vieux piano" gebeugt die Bühne betritt und, vom Rheuma gezeichnet, die Hände nur noch zu kleinen Fäusten ballt.

Besonders eindringlich gelingt ihr dann das Duett "À quoi ça sert l'amour", das sie mit einem imaginären Théo Sarapo vorträgt, den Dirk Sobe vom Klavier einsingt. Mit dem 20 Jahre jüngeren Sarapo fand die Piaf kurz vor ihrem Lebensende noch einmal privates Glück, was für ihren desolaten gesundheitlichen Zustand allerdings zu spät kam. Wie Platzer in gebeugter Haltung als gebrochene Frau mit beinahe mädchenhaft verliebtem Lächeln zu dem imaginären Partner an ihrer Seite aufblickt und gemeinsam mit ihm das Duett singt, wird szenisch von Platzer großartig umgesetzt. Nach dem bald folgenden Tod der Piaf schließt der Abend mit dem Chanson, der das Leben der Piaf nach ihrem eigenen Bekunden wohl am besten beschreiben dürfte und dem Abend seinen Titel gegeben hat: "Non, je ne regrette rien". Mit großem Applaus überhäuft das Publikum Platzer und ihre Band und erhält als Zugaben "Mon manège à moi" und "Sous le ciel de Paris".

FAZIT

Dieser Abend würde in Gelsenkirchen auch weiterhin für ausverkaufte Vorstellungen sorgen. Man sollte folglich überlegen, ob man ihn nicht auch in der nächsten Spielzeit erneut ins Programm aufnimmt, zumal man Christa Platzer ja als Ensemble-Mitglied fest am Haus hat.


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Ausführende

Gesang
Christa Platzer

Band
Klavier
Dirk Sobe

Akkordeon
Oliver Räumelt

Kontrabass
*Christian Bergmann /
Ronald Güldenpfennig

Schlagzeug
Jürgen Schneider

Licht
Patrick Fuchs
Andreas Gutzmer

Ton
Jörg Debbert


Weitere
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