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Musiktheater
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The Rake’s Progress

Oper in drei Akten
Libretto von Wystan Hugh Auden und Chester Kallman nach der gleichnamigen Bilderfolge von William Hogarth
Musik von Igor Strawinsky

in englischer Sprache mit deutschen Übertiteln

Aufführungsdauer: ca. 2h 35' (eine Pause)

Premiere im Großen Haus der Städtischen Bühnen am 10. Mai 2014

Logo: Theater Münster

Theater Münster
(Homepage)
Wenn der Wüstling zum unbedarften Träumer wird

Von Ursula Decker-Bönniger / Fotos von Oliver Berg

Londons Unterwelt leuchtet verführerisch in einem an lodernde Flammen erinnernden  Spiel aus Neonfarben, aber der Schein trügt. Der erwartungsfroh gestimmte Tom Rakewell muss Liebesbegehren und Lust mit der gealterten Puffmutter Goose teilen.  Und auch seinen weiteren Unternehmungen reich und berühmt zu werden, ist kein Glück beschieden. Münsters letzte Operninszenierung der diesjährigen Spielzeit zeigt Igor Strawinskys Meisterwerk The Rake’s Progress in einer stilisierten, an Scherenschnitt, Collage und Moritat erinnernden Schwarz-Weiß-Ästhetik. Sieht man einmal von der grotesk schlanken, riesenhaften Türkenbaba und auffälligen Kunstfrisuren ab, locken hier keine parodistischen Überzeichnungen oder teuflisch bunten Verführungen. Hier scheint ein naiv verträumter Jedermann ins schwarze Schattenreich hinabzugleiten, - ein nur manchmal grotesk verrücktes Schattenreich, das ebenso wie der unerschütterliche Glaube an die Liebe zu ihm gehört.

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Ann Trulove und Tom Rakewell im Garten der Liebe

69 Jahre alt war der Komponist, als das Werk unter seiner musikalischen Leitung 1951 im Teatro la Fenice in Venedig uraufgeführt wurde. Die Oper markiert nicht nur meisterhaft den Höhepunkt und das Ende seiner neoklassizistischen Schaffensperiode. The Rake’s Progress ist mit seinen ironisch verfremdeten, zahlreichen Stilzitaten und Anspielungen auf die klassische Oper ein musikalischer, melancholisch augenzwinkernden Abgesang auf die Gattung selbst. Aber dies versteht sich nicht von selbst, sondern will interpretiert werden. Regisseur Ulrich Peters hebt in seiner Inszenierung eher die tragischen Momente der Geschichte hervor. Nick Shadow ist kein Bösewicht und der junge Tom Rakewell hat wenig von einem Wüstling. Zwischen naivem Erstaunen, Ratlosigkeit und Verstörung pendelnd, wird er von seinem Alter Ego zu einem ausschweifenden Leben in London verführt, um verarmt im Irrenhaus zu sterben.  Auch Vater und Tochter Trulove bewegen sich wie die Figuren einer Moritatenballade. Alle sind im historischen Niemandsland angesiedelt.

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Nick Shadow und Puffmutter Goose im Freudenhaus in London

Ironischer Kontrapunkt zur mechanistischen Dramaturgie ist das, mit Scherenschnitt und Projektion arbeitende Bühnenbild Christian Floerens. Bei offenem Vorhang verfolgt man staunend wie sich der aus Hausprojektion und stilisiertem blühenden Baum bestehende Garten lautlos verwandelt, wie Wände, Gerüstteile und andere Bühnenelemente von mechanischer Zauberhand bewegt auffahren, sich drehen und kreisen, um sich zu neuen Räumen zusammenzufügen. Passend zur Regieinterpretation ist auch die musikalische Gestaltung angelegt. Glattgebügelt, differenziert, ausgewogen und von tänzerischer Leichtigkeit durchwebt erklingen Arien, Rezitative, Duette und Ensembleszenen, ohne die parodistischen Absichten Strawinskys hervorzuheben. Mit lyrisch gefärbtem Stimmklang stellt Youn-Seong Shim einen naiv sympathischen Tom Rakewell dar. Gregor Dalal  gibt den kraftvollen Nick Shadow an seiner Seite. Henrike Jacob ist Ann Trulove, eine schillernd vibrierende Unschuld vom Lande und Tochter aus gutem Hause, die ihrem Verlobten selbst im Irrenhaus die Treue hält. Lisa Wedekind spielt mit schlankem, lyrischen Sopran die sich nach Liebe sehnende,  riesengroße Türkenbaba.

FAZIT

Passend besetzt, schön gesungen und gespielt aber ohne Biss. Regie und Musik zeigen eine unerwartet glatte, ästhetisch ausgewogene  Interpretation, die die parodistischen Absichten Strawinskys geradezu zu ignorieren scheint. Sehenswert ist das mit Scherenschnitt und Projektion arbeitende, ästhetisch überzeugende, bewegte Bühnenbild.

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Produktionsteam

Musikalische Leitung
Fabrizio Ventura

Regie
Ulrich Peters 

Bühne
Christian Floeren

Kostüme
Kristopher Kempf

Chor
Inna Batyuk

Dramaturgie
Margrit Poremba

 

Opern- und Extrachor des
Theaters Münster

Statisterie des Theaters Münster

Sinfonieorchester Münster

 

Solisten

*Premierenbesetzung

Trulove
Plamen Hidjov

Ann Trulove
Henrike Jacob

Tom Rakewell
Youn-Seong Shim

Nick Shadow
Gregor Dalal

Mother Goose
Barbara Bräckelmann /
*Suzanne McLeod

Baba, gennant die Türkenbaba
Lisa Wedekind

Sellem
Philippe Clark Hall

Cembalo
*Elda Laro /
Bastian Heymel


Weitere
Informationen

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Theater Münster
(Homepage)



Da capo al Fine

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