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Don Giovanni

Dramma giocosa in zwei Akten
Libretto von Lorenzo da Ponte
Deutsche Fassung von Sabrina Zwach
Musik von Wolfgang A. Mozart

in deutscher Sprache mit verschiedensprachigen Übertiteln

Aufführungsdauer: ca. 3h 15' (eine Pause)

Premiere an der Komischen Oper Berlin am 30. November 2014


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Komische Oper Berlin
(Homepage)
Wer schmeißt den da mit Mozartkugeln?

Von Roberto Becker / Fotos von Monika Rittershaus

Mit Herbert Fritsch ist es so ähnlich wie mit Robert Wilson. Beim amerikanischen Großmeister des Lichts und der Geste und bei dem auf der Opernbühne noch jungen, aber sonst erfahrenen Ex-Castorf-Schauspieler geht es erklärtermaßen nicht um Beiträge zum Diskurs in der Rezeptionsgeschichte der Stücke. Es geht vielmehr darum, ob die zu der etablierten Ästhetik eigenen Rechts passen, die sie als Regie-Sonderlinge entwickelt haben.

Szenenfoto

Jetzt hat sich Herbert Fritsch über die Oper aller Opern, Mozarts Don Giovanni, hergemacht. An der "Komischen" bei Barrie Kosky. Wo das ausgezeichnet in dessen Dramaturgie des höheren Bühnenblödsinns bzw. der ungehemmt eleganten Unterhaltung mit Hintersinn passt. Fritsch hat wie immer sämtliche Figuren wie Puppen aufgezogen und auf die Bühne stürmen lassen. Dort entfalten sie nach dem Motto "je verrückter, desto besser" ihr Eigenleben. Bei dem sie sich zu übertrumpfen versuchen, öfter mal aber auch voreinander erschrecken. Wie der blonde Don Ottavio in Orange (ariengeschmeidig: Adrian Strooper) vor der mit Riesenschleife am blauen Kleid verpackten Donna Anna (mit Furor: Erika Roos), die an der Rampe immer wieder die eitle Diva spielt, die sich ins rechte Licht setzten will. Wie das natürlich auch die quietschgelb herein rauschende Donna Elvira (immer die Tragödinnengeste zur vokalen Attacke parat: Nicole Chevalier) und auch die zupackende Zerlina (Alma Sadé), die zum "Schlag mich, Schlag mich" Richtung Masetto (erstaunlich komisch auch Philipp Meierhöfer) die Röcke lüftet und ins Publikum grinst, fabelhaft hinbekommen.

Szenenfoto

Auch sonst gibt es fast alle Zutaten, die zu einem klassischen Fritsch gehören. Victoria Behr hat ihnen allen, neben den knallbunte Kostümen, auch steile Frisuren und grell geschminkte Gesichter verpasst. Der jungenhaft postpubertäre Don Giovanni dauergrinst unter seiner strähnig blonden Langhaarperücke wie der Joker aus Batman. Ist auf sich selbst bald noch mehr als auf die weiblichen Objekte seiner Begierde fixiert und sucht oft den direkten Kontakt zum Publikum. Günter Papendell macht das fabelhaft leichtfüßig verstolpert, ist mal leichtsinnig, mal frech, immer selbstverliebt. Wenn er unterm Fenster vor einer Angebeteten eine Glühbirne in der Seitenloge ansingt, dann wird daraus eine Luftgitarrennummer, bei der er alle Register der Rockgeschichte zieht.

Szenenfoto

Diesmal kommt die Fritschiade zwar ohne das Riesensofa oder ein Trampolin aus, wie man sie man von der Volksbühne kennt. Aber gegen die Wand laufen sie auch schon mal mit Lust. Oder sie verhaspeln und verhaken sich körperlich und verbal. Dann stottern sich wieder aus der Falle, schütteln sich und machen weiter. Da wird dann aus Don Giovanni auch mal Don Jonson oder Don Camillo, so wie Don Giovanni selbst eben auf Masetta und Zerlino kommt und auch sonst gerne kreativ ist, vor allem bei dem in Expressgeschwindigkeit gesprochenen Passagen des wieder mal deutsch präsentierten Textes.

Die Bühne hat sich Fritsch wie immer selbst zurecht gebastelt. Er fängt an mit einem bis an die Brandmauern leer geräumten Nichts. Dann kreischt seine ganze Truppe wie zur Lockerungsübung über die Bühne und der stimmlich (nicht darstellerisch) etwas schwächelnde Leporello im luftigen schwarzen Ganzkörpersack legt los. Donna Anna hat den flüchtenden Don Giovanni am Haken und der Komtur (Alexey Antonov) ersticht sich im Grunde selbst. Wenn sich die Stimmung wegen der jetzt anstehenden Rache verdüstert, werden von Henrik Nánási und dem auf Schmiss und Tempo programmierten Orchester der Komischen Oper aus dem Graben die Ouvertüre und von Fritsch seine Bühne nachgereicht. Diesmal keine spanische Fliege, sonder eher spanische Spitze. Es sind Vorhänge mit Mustern wie aus dem Trauerschleier von Donna Anna. Viele. In dauernder Bewegung.

Szenenfoto

Am Ende dann die Hand des Komturs: Erst verliert er sie, und Don Giovanni macht sich einen Jux daraus, Leporello damit zu erschrecken. Dann kommt sie leuchtend von oben und lässt Don Giovanni in der Versenkung verschwinden. Dessen Hand natürlich auch nach dieser Theaterhöllenfahrt noch zu sehen ist. Bis er sich sozusagen verabschiedet. Was wäre das für eine Fritsch-Nummer gewesen, wenn er den Schluss ohne Don Giovanni als Zugabe inszeniert hätte. Hat er aber nicht. Er nimmt nur dessen Stelle ein und kommt, die ausgestreckte Hand voran aus der Versenkung herauf. Um das begeisterte Gejohle seiner Fans entgegenzunehmen. In das auch ein paar Buhs gemischt waren. Kein Wunder, wenn einer so hemmungslos mit Mozartkugeln schmeißt.


FAZIT

An der Komischen Oper macht Herbert Fritsch Mozarts Don Giovanni Beine. Eine schräge Variante, die Vergnügen macht, wenn man sich darauf einlässt.


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Produktionsteam

Musikalische Leitung
Henrik Nánási

Inszenierung und Bühne
Herbert Fritsch

Kostüme
Victoria Behr

Licht
Franck Evin

Chor
David Cavelius

Dramaturgie
Johanna Wall
Sabrina Zwach



Chor der Komischen Oper Berlin

Orchester der Komischen Oper


Solisten



Don Giovanni
Günter Papendell

Donna Anna
Erika Roos

Don Ottavio
Adrian Strooper

Komtur
Alexey Antonov

Donna Elvira
Nicole Chevalier,

Leporello
Jens Larsen

Masetto
Philipp Meierhöfer

Zerlina
Alma Sadé



Weitere Informationen
erhalten Sie von der
Komischen Oper Berlin
(Homepage)



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