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Le nozze di Figaro
(Die Hochzeit des Figaro)


Opera buffa in vier Akten
Libretto von Lorenzo Da Ponte
Musik von Wolfgang Amadeus Mozart


In italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln

Aufführungsdauer: ca. 3h 30' (eine Pause)

Premiere an der Sächsische Staatsoper Dresden am 21. Juni 2015


Homepage

Sächsische Staatsoper Dresden
(Homepage)
Zusammen und doch allein

Von Joachim Lange / Fotos von Matthias Creutziger

Wenn in der Dresdner Semperoper Wagner und Strauss bei den Premieren Pause haben, dann ist auch kein Chefdirigent zu finden. Nirgends. Aber es kommt noch besser: Das erste Haus in Sachsen (und die zuständige Politik) haben offenbar kein Problem damit, dass Christian Thielemann nicht eine einzige Premiere in der nächsten Spielzeit dirigiert. Bei Wiederaufnahmen (inklusive des neuen, von Thielemann dirigierten Freischütz) hält er sich eh notorisch zurück. Von einem dazu passenden neuen Intendanten für Dresden ist auch noch nichts zu sehen. Also wird in Dresden bis auf weiteres kostspielig weitergeschwurstelt, und nicht wirklich die Furore gemacht, die man mit dem Haus machen müsste.

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Immerhin bekommen Dirigenten wie Omer Meir Wellber (34) so die Gelegenheit, auszuprobieren, ob sie bei Mozarts "Le Nozze di Figaro" mit dem Nobelklang der Sächsischen Staatskapelle etwas anfangen können. Der israelische Jungstar kann das natürlich. Auch wenn er nicht nach dem vorrevolutionären Furor sucht, sondern mehr der Psychologie der Figuren und dem Zustand der Beziehungen auf der Spur ist. Dabei auch mal eine Prise fremder Noten oder Dialoge ohne Musik akzeptiert und integriert. Und manchmal eine Spur zu weichgespült klingt. So dauert es eine Weile, bis die Balance zwischen Graben und Bühne die durchweg schönen, aber nicht allzu großen Stimmen auch wirklich leuchten lässt. Die zweite große Arie der Gräfin wird bei Sarah-Jane Brandon dann aber zum vokalen Glanzstück. Und Tuuli Takala fügt mit der kleinen, aber feinen Arie der Barbarina "Ich habe sie verloren" noch eines hinzu.

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Nach dem Motto "ein kleiner Mozart-Da Ponte-Zyklus geht immer" war also jetzt Figaros Hochzeit als letzte Premiere der Spielzeit auf dem Programm der Semperoper. Der auf vielen Hochzeiten inszenierende Andreas Kriegerburg hatte mit seiner Cosi fan tutte als Auftakt eher Routine abgeliefert und lässt in der nächsten Spielzeit Don Giovanni folgen. Mit dem Figaro stieg Johannes Erath in den Ring. Er braucht ziemlich lange, bis er mit seinem demonstrativ spielerischen Zugriff in Fahrt kam. Oder besser: zu sich und zu Mozart. Wer den missglückten Auftakt im Commedia dell'arte-Outfit von Birgit Wentsch in der IKEA-Holzkistenabteilung übersteht, beim folgenden, merkwürdig zerfledderten Spiel mit Deko-Vorhängen und Schranktüren (Bühne: Katrin Connan) durchhält, der wird am Ende, ausgerechnet in der an sich kompliziertesten und unübersichtlichsten Szene der ganzen Oper im nächtlichen Garten mit einer faszinierenden Melange aus Mittsommernachtstraum und Endspiel belohnt.

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Auch wenn hier die Eheschließung des Friseurs (viril: Zachary Nelson) mit der Kammerzofe (als Susanna: Emily Dorn) den Titel liefert, geht es doch genauso um die Ehe des Grafen (kernig: Christoph Pohl) und der Gräfin Almaviva. Also um das, was aus einer stürmischen Liebe mit den Jahren so werden kann. Dafür findet Erath ein triftiges Bild. Zwar hängen auch hier die großen Blütendekovorhänge im Raum, sie verdecken aber eine Tafel, an deren Enden sich das Ehepaar (er Zeitung lesend, sie herausgeputzt mit großer Robe) so weit von einander entfernt wie nur möglich sitzen. Wenn die Gräfin Rosina mit ihrer melancholischen Frage nach den schönen Augenblicken beginnt, nähert sich dem Grafen Barbarina und ihr Cherubino (Christina Bock).

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Da kriegen die Wünsche und Sehsüchte nach der Jugend plötzlich eine Gestalt. Oft wird in der Inszenierung direkt zugelangt, wenn es ums Begehren geht. Mit dieser Angst vor der Andeutung behindert die Regie mitunter das Komödiantische, das sie betonen will. Doch das große Bild der Vereinsamung am Ende, das funktioniert! Wenn alle Blütendeko verschwindet, imaginieren allein die drei Hollywoodschaukeln und die gestaffelten Hubpodien im schwarzen, leeren Bühnenraum einen nächtlichen Garten, bei dem alle gleichzeitig auf der Bühne sind und doch jeder für sich allein bleibt. Da funktioniert auch die Verwechslungs- und Belehrungsintrige sozusagen von selbst und nebenbei. Der vorgeführte Graf bleibt allein an der Rampe zurück und Rosina geht. Aber Susanna und Figaro rennen trotz allem aufeinander zu. Bekanntlich stirbt die Hoffnung immer zuletzt.


FAZIT

An der Semperoper bringen Omer Meir Wellber und Johannes Erath Mozarts Le nozze di Figaro auf die Bühne. Es bleibt eine gute, aber nicht herausragende Ensembleleistung zu vermelden und eine Regie, die interessante Momente und eine grandioses Schlussbild bietet, aber nicht durchgängig überzeugt.


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Produktionsteam

Musikalische Leitung
Omer Meir Wellber

Inszenierung
Johannes Erath

Bühne
Katrin Connan

Kostüme
Birgit Wentsch

Künstlerische Mitarbeit Kostüm
Noëlle Blancpain

Licht
Fabio Antoci

Chor
Wolfram Tetzner

Dramaturgie
Francis Hüsers



Sächsischer Staatsopernchor Dresden

Sächsische Staatskapelle Dresden


Solisten

Il Conte d'Almaviva
Christoph Pohl

La Contessa d'Almaviva
Sarah-Jane Brandon

Susanna
Emily Dorn

Figaro
Zachary Nelson

Cherubino
Sabine Brohm

Marcellina
Karin Lovelius

Bartolo
Matthias Henneberg

Don Basilio
Aaron Pegram

Barbarina
Tuuli Takala

Don Curzio
Gerald Hupach

Antonio
Alexander Hajek

Due Donne
Katherina Flade
Barbara Leo



Weitere Informationen
erhalten Sie von der
Sächsische Staatsoper Dresden
(Homepage)



Da capo al Fine

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