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Der Himmel hängt voller Geigen

Operetten-Gala im Opernhaus Dortmund

In deutscher, englischer und spanischer Sprache

Aufführungsdauer: ca. 2h 20' (eine Pause)

Premiere im Opernhaus Dortmund am 20. September 2014




Theater Dortmund
(Homepage)
Die Operette lebt

Von Thomas Molke

"Oper lebt" steht als Motto der diesjährigen Spielzeit auf den Programmheften der Oper Dortmund. Betrachtet man die Gala, die am Samstag im Opernhaus Premiere feierte, trifft dies vor allem auf die kleine Schwester, die Operette, zu. Nachdem nämlich bereits in der letzten Spielzeit mit der Gala Die ganze Welt ist himmelblau unter Beweis gestellt worden war, welcher großen Beliebtheit sich dieses Genre noch bei breiten Massen des Publikums erfreut, hatte man sich - laut Aussage des Moderators Hannes Brock auf ausdrücklichen Wunsch der Zuschauer - entschieden, auch in dieser Spielzeit in einem breit gefächerten Potpourri die Vielfalt dieser Gattung zu präsentieren. Das nahezu ausverkaufte Opernhaus dürfte dafür sprechen, dass das Konzept aufgegangen ist, zumal man mit dem Kammersänger Hannes Brock als Moderator einen absoluten Publikumsliebling am Haus hat, der nicht nur mit Witz und großer Begeisterung durch den Abend führt, sondern sich selbst auch musikalisch in diesem Metier zu Hause fühlt und dies mit einer eindringlichen Interpretation des berühmten Liedes "Ich bin nur ein armer Wandergesell" aus Künnekes Der Vetter aus Dingsda unter Beweis stellt.

Auf dem Programm stehen dabei neben den bekannten Operettenhits, die ein Großteil des Publikums mitsingen und mitsummen kann und einzelne Besucher dies in ihrer absoluten Begeisterung - wenn auch nur leise - tun, auch unbekanntere Werke und Stücke die der Gattung Operette im eigentlichen Sinn nicht zuzuschreiben sind. Zu nennen sind hier Frederick Loewes Camelot und Richard Rodgers South Pacific. Da es sich hierbei allerdings um klassische amerikanische Musicals handle - so Brock -, seien sie eigentlich die Fortführung der Operette in den USA und hätten damit auch einen Platz in einer Operetten-Gala. Gleiches gelte für Webbers The Phantom of the Opera, das im Gegensatz zu Webbers anderen Werken eine opernhafte musikalische Struktur besitze. Morgan Moody präsentiert die Liebeserklärung des Lancelot an Guenevere im zweiten Akt "If ever I would leave you" mit baritonalem Schmelz und zeigt sich auch in Rodgers South Pacific mit dem durch den Bassisten Ezio Pinza berühmt gewordenen Song "Some enchanted evening" des Plantagenbesitzers Emile recht melancholisch. Julia Amos als Christine und Gerardo Garciacano als Phantom gelingt in dem Duett "All I ask of you" eine unter die Haut gehende Innerlichkeit.

Interessant ist auch der Ausflug in die spanische Variation der Operette, die Zarzuela, deren Musik Brock etwas süffisant mit dem Satz umschreibt: "Ay ay ay, ich bin so unglücklich." Ileana Mateescu präsentiert aus der 1889 uraufgeführten Zarzuela Las hijas del Zebedeo von Ruperto Chapí y Lorente, einem in Spanien durchaus noch bekannten Komponisten dieser Gattung, das Lied "Carceleras", das zahlreiche namhafte Mezzosopranistinnen im Repertoire haben. Mateescu gibt sich in ihrer Interpretation ähnlich verführerisch wie in der Partie der Carmen, die sie in der letzten Spielzeit in Dortmund interpretierte und die sie auch in der Wiederaufnahme in dieser Saison übernehmen wird, und punktet mit ihrem warm flutenden Mezzo und sauberen kräftigen Höhen.

Große Werbung macht Brock auch für die Operette, die im November in Dortmund ihre deutsche Erstaufführung feiern wird. Die Rede ist von Paul Abrahams Roxy und ihr Wunderteam. Abraham komponierte dieses Werk 1937, als er in Deutschland bereits wegen seiner jüdischen Abstammung in Misskredit geraten war, und brachte sie in Wien heraus, wo sie einen großen Erfolg feiern konnte, bis er auch Wien verlassen und in die USA emigrieren musste. Das "Wunderteam" ist eine Anspielung auf die damalige österreichische Fußballmannschaft, die bis zum Beginn des Zweiten Weltkriegs große Erfolge feiern konnte. Somit verwundert es also nicht, wenn dieses Werk in der Fußballstadt Dortmund nun zur deutschen Erstaufführung gelangen wird. Ob die Fußballmannschaft dabei wirklich am Plattensee trainieren wird, wie es im Libretto vorgesehen ist, wird man dann sehen. Aus der Operette präsentiert Brock gemeinsam mit Fritz Steinbacher das flotte Duett "Willst du glücklich sein", in dem die beiden Männer sich den gegenseitigen Rat geben, von der Liebe und den Frauen doch die Finger zu lassen. Anschließend fragt Emily Newton als Titelfigur Lucian Krasznec "Haben Sie nicht irgendein Geheimfach", wobei nicht ganz klar ist, ob die musikalischen Anspielungen an die James-Bond-Titelmelodie bei der Rekonstruktion des Werkes eingebaut worden sind oder das Thema der berühmten Agenten-Reihe von diesem Duett übernommen worden ist.

Die musikalische Leitung der Dortmunder Philharmoniker teilen sich an diesem Abend Philipp Armbruster und Motonori Kobayashi. Armbruster übernimmt den Teil bis zur Pause, wobei die Ouvertüre zur Gräfin Mariza ein bisschen brav daherkommt und ruhig etwas mehr Feuer vertragen hätte. Im Anschluss leitet Armbruster die Dortmunder Philharmoniker mit sicherer Hand durch die eingängigen Melodien. Kobayashi knüpft nach der Pause dort an, wo Armbruster vorher aufgehört hat und wiegt das Publikum mit den Dortmunder Philharmonikern in seligem Operettenklang. Auch der Opernchor unter der Leitung von Granville Walker präsentiert sich in prächtigen Kostümen souverän, wobei es schön gewesen wäre, wenn der Chor wie die Solisten auf das Ablesen der Texte verzichtet hätte. Schließlich ist der Chor nur an den allseits bekannten Nummern des Abends beteiligt.

Als neues Ensemble-Mitglied wird Emily Newton vorgestellt, die bereits vor zwei Spielzeiten in Dortmund als Anna Nicole in der gleichnamigen Oper von Mark-Anthony Turnage große Erfolge feierte und in dieser Saison nun als Roxy in der Operette Roxy und ihr Wunderteam und als Donna Elvira in Mozarts Don Giovanni zu erleben sein wird. Mit großem textverständlichen Sopran präsentiert sie die Auftrittsarie der Gräfin Mariza "Höre ich Zigeunergeigen" und überzeugt dabei mit temperamentvollem Spiel. Dass der Ensemble-Gedanke in Dortmund hochgehalten wird, beweist auch Brocks Ansage von Tamara Weimerich, die die berühmte Stolz-Melodie "Du sollst der Kaiser meiner Seele sein" zum Besten gibt. Der "neue Kaiser" in Weimerichs Leben sei ihr acht Monate alter Sohn. Somit gratuliert man der aus der Babypause zurückgekehrten Sängerin noch nachträglich zur Geburt ihres Kindes. Als Rausschmeißer gibt das komplette beteiligte Ensemble in einer lustigen Choreographie von Adriana Naldoni die berühmte "Berliner Luft" aus Paul Linckes Frau Luna, wobei das Publikum ausdrücklich zum Mitklatschen aufgefordert wird. Doch das begeisterte Publikum ist erst bereit, den Saal zu verlassen, nachdem das berühmte "Im Feuerstrom der Reben" aus der Fledermaus und noch einmal die "Berliner Luft" - dieses Mal mit Naldoni - als Zugaben gegeben worden ist.

FAZIT

Freunde der Operette sollten sich den 11. Oktober 2014 im Kalender markieren, da an diesem Abend diese kurzweilige Gala noch einmal zu erleben sein wird.

Programm

Emmerich Kálmán: Gräfin Mariza: Ouvertüre, "Höre ich Zigeunergeigen" (Emily Newton, Chor des Theaters Dortmund, Musikalische Leitung: Philipp Armbruster)

Frederick Loewe: Camelot: "If ever I would leave you" (Morgan Moody, Musikalische Leitung: Philipp Armbruster)

Paul Abraham: Roxy und ihr Wunderteam: "Willst du glücklich sein" (Ks. Hannes Brock, Fritz Steinbacher), "Haben Sie nicht irgendein Geheimfach (Emily Newton, Lucian Krasznec, Musikalische Leitung: Philipp Armbruster)

Robert Stolz: Der Favorit: "Du sollst der Kaiser meiner Seele sein" (Tamara Weimerich, Musikalische Leitung: Philipp Armbruster)

Carl Zeller: Der Vogelhändler: "Grüaß euch Gott, alle miteinander" (Fritz Steinbacher, Chor des Theaters Dortmund, Musikalische Leitung: Philipp Armbruster)

Eduard Künneke: Der Vetter aus Dingsda: "Ich bin nur ein armer Wandergesell" (Ks. Hannes Brock, Musikalische Leitung: Philipp Armbruster)

Johann Strauss: Eine Nacht in Venedig: "Alle maskiert" (Emily Newton, Ileana Mateescu, Lucian Krasznec, Fritz Steinbacher, Chor des Theaters Dortmund, Musikalische Leitung: Philipp Armbruster)

Johann Strauss: Der Zigeunerbaron: "Werberlied" (Gerardo Garciacano, Chor des Theaters Dortmund, Musikalische Leitung: Motonori Kobayashi)

Franz Lehár: Der Zarewitsch: "Wolgalied" (Lucian Krasznec, Musikalische Leitung: Motonori Kobayashi)

Ruperto Chapí: Las hijas del Zebedeo: "Carceleras" (Ileana Mateescu, Musikalische Leitung: Motonori Kobayashi)

Emmerich Kálmán: Die Herzogin von Chicago: "Ein kleiner Slowfox mit Mary" (Julia Amos, Musikalische Leitung: Motonori Kobayashi)

Richard Rodgers: South Pacific: "Some enchanted evening" (Morgan Moody, Musikalische Leitung: Motonori Kobayashi)

Emmerich Kálmán: Gräfin Mariza: "Komm mit nach Varasdin" (Tamara Weimerich, Fritz Steinbacher, Musikalische Leitung: Motonori Kobayashi)

Andrew Lloyd Webber: The Phantom of the Opera: "All I ask of you" (Julia Amos, Gerardo Garciacano, Musikalische Leitung: Motonori Kobayashi)

Paul Lincke: Frau Luna: "Berliner Luft" (Ensemble, Chor des Theaters Dortmund, Musikalische Leitung: Motonori Kobayashi)

 

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Produktionsteam

Musikalische Leitung
Motonori Kobayashi
Philipp Armbruster

Choreinstudierung
Granville Walker

Dramaturgie
Georg Holzer

 

Opernchor des
Theaters Dortmund

Dortmunder Philharmoniker

 

Solisten

Moderation
Ks Hannes Brock

Sängerinnen und Sänger
Julia Amos
Ileana Mateescu
Emily Newton
Tamara Weimerich
Ks Hannes Brock
Gerardo Garciacano
Lucian Krasznec
Morgan Moody
Fritz Steinbacher

 


Weitere
Informationen

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Theater Dortmund
(Homepage)



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