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Musiktheater
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Viva la Diva!

Eine Gala für die Oper
Musik von Giuseppe Verdi, Claudio Monteverdi, Georg Friedrich Händel, Wolfgang Amadeus Mozart, Gaetano Donizetti, Gioacchino Rossini, Vincenzo Bellini, Otto Nicolai, Léo Delibes, Erich Wolfgang Korngold, Philip Glass, Alfredo Catalani, Aribert Reimann, Giacomo Puccini und Leonard Bernstein

in italienischer, deutscher, französischer und englischer Sprache

Aufführungsdauer: ca. 3 h (eine Pause)

Premier im Großen Haus des Musiktheaters im Revier am 6. Juni 2015
(rezensierte Aufführung: 13.06.2015)

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Musiktheater im Revier
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Operngala zum Saisonabschluss

Von Thomas Molke / Fotos von Pedro Malinowski

In den vergangenen beiden Spielzeiten hat das Musiktheater im Revier unter dem Titel MiR Goes Operette jeweils ein Stück dieser Gattung mit moderierenden Zwischentexten vorgestellt. In dieser Saison hat man sich allerdings entschieden, Kálmáns Csárdásfürstin doch szenisch zu präsentieren und dafür eine Gala ans Ende der Spielzeit zu stellen, die der Gattung Oper im Allgemeinen huldigt. Der Titel Viva la Diva! mag dabei jedoch ein wenig irreführend sein. Es geht hierbei nicht nur um Primadonnen, die aufgrund ihrer Sangeskunst oder Exzentrik diesen Spitznamen mit einer in der Regel negativen Konnotation erhalten, sondern um die Oper als Ganzes, die den Gesang zur göttlichen Kunst erhebt. So stellt Michael Schulz, der moderierend durch den Abend führt, auch den Opern- und Extrachor, die Neue Philharmonie Westfalen, den Dirigenten Valtteri Rauhalammi neben den Solisten des Abends als Diven vor, allerdings im positiven Sinne. Die Anekdoten, die Schulz zwischen den Musiknummern in charmantem Plauderton erzählt, gehen dann aber doch eher auf die Diva im engeren Sinne ein.

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Alfia Kamalova mit der Neuen Philharmonie Westfalen unter der Leitung von Valtteri Rauhalammi

Auch der Anfang des Abends deckt die Erwartungshaltung des Publikums noch. Alfia Kamalova startet direkt mit Violettas großer Szene aus dem ersten Akt aus Verdis Oper La Traviata, "Follie, follie" mit der anschließenden Arie "Sempre libera", die wunderbar zum Portrait der Callas passt, das im Programmheft abgedruckt ist. Mit sauberen Spitzentönen und großer Dramatik präsentiert Kamalova Violettas Lebensmotto und empfiehlt sich damit bereits für die nächste Spielzeit, wenn - wahrscheinlich nicht ganz zufällig - Verdis Oper auf dem Spielplan steht. Flankiert wird sie dabei von Hongjae Lim, der zwischen den Musikern steht und mit strahlendem Tenor Alfredos Zwischengesang präsentiert. Mit der Arie "O luce di quest' anima" aus Donizettis eher selten gespielter Oper Linda di Chamounix glänzt Kamalova ein weiteres Mal als Belcanto-Königin des Hauses. Man kann in Gelsenkirchen stolz sein, eine so hervorragende Sopranistin im Ensemble zu haben.

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Petra Schmidt mit Valtteri Rauhalammi und der Neuen Philharmonie Westfalen

Die zweite Diva des Abends im engeren Sinne ist Petra Schmidt, die in Gelsenkirchen bereits in zahlreichen Partien des lyrisch-dramatischen Fachs brilliert hat. An diesem Abend präsentiert sie die Leonore aus Verdis Il trovatore. Mit großer Eindringlichkeit lotet sie Leonores Empfindungen im berühmten "Miserere" und dem anschließenden "Tu vedrai che amore in terra" aus, wenn sie gezwungen werden soll den Grafen gegen ihren Willen zu heiraten, obwohl sie Manrico, den Troubadour, liebt. Der Herrenchor gibt der Szene den dunklen Unterton. Erneut steht Hongjae Lim zwischen den Musikern und singt Manrico mit strahlendem Tenor ein, der sich in diesem Moment mit seiner Mutter im Gefängnis befindet. Wieso Lim an diesem Abend keine Solo-Tenor-Arie erhält, bleibt fraglich. Donizettis "Una furtiva lagrima" hätte beispielsweise wunderbar ins Programm gepasst und wäre für Lims hellen Tenor sicherlich prädestiniert gewesen. Dafür darf Schmidt eine weitere Arie präsentieren, die durch den französischen Film Diva in den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts eine Oper, die zu diesem Zeitpunkt nahezu vergessen war, wieder ins Bewusstsein der Opernbesucher geholt hat: "Ebben, ne andrò lontana" aus Alfredo Catalanis La Wally. Auch hier begeistert Schmidt mit großer Intensität.

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Thomas Diestler und die Neue Philharmonie Westfalen

Als Diven galten im 17. und 18. Jahrhundert auch die Kastraten. Heutzutage werden ihre Partien nicht mehr nur von Mezzosopranistinnen interpretiert, sondern auch zunehmend von Countertenören. Gerade im Bereich der Barockopern sind sie in letzter Zeit immer häufiger in den Partien zu erleben, die von den Barockkomponisten für berühmte Kastraten der damaligen Zeit kreiert worden sind. Als Gast ist für diesen Abend der Countertenor Thomas Diestler eingeladen worden, der neben einer Arie aus Händels Flavio und Rossinis Tancredi auch noch zwei moderne Stücke von Philip Glass und Aribert Reimann präsentiert. Während Diestler in Händels "Rompo i lacci" mit einer kräftigen Mittellage aufwartet, fehlt ihm in den Höhen und den Läufen ein bisschen die Beweglichkeit, was sich dann vor allem bei Rossini bemerkbar macht. Leider verzichtet er bei Händel auch auf Variationen und Verzierungen bei der Wiederholung des A-Teils, so dass der eigentliche Reiz der Barockoper hier nicht zur Geltung kommt. Die beiden modernen Stücke nach der Pause klingen zwar interessant und sind auch sicherlich musikalisch sehr virtuos, entsprechen aber nicht dem, was das Publikum bei einer Operngala erwartet.

Als weitere Solisten treten Marie Heeschen und Peter Schöne auf, der an diesem Abend für Michael Dahmen eingesprungen ist. Schöne gefällt vor allem mit dem berühmten Lied "Mein Sehnen, mein Wähnen" aus Korngolds Die tote Stadt, in der sein samtweicher Bariton wunderbar zur Geltung kommt. Heeschen hat sich mit der Glöckchenarie aus Delibes' Lakmé vielleicht ein bisschen zu viel vorgenommen. Zwar trifft sie die Koloraturen sauber, lässt dabei allerdings die erforderliche Leichtigkeit vermissen. In den Höhen hat ihre Stimme durchaus noch Entwicklungspotenzial. Als Maria überzeugt sie mit Hongjae Lim als Tony in "Tonight" aus Bernsteins berühmter West Side Story zum Abschluss des Programms mit mädchenhaft warmem Sopran Valtteri Rauhalammi hält sich in dieser Nummer mit der Neuen Philharmonie Westfalen ein wenig zurück, so dass Heeschen und Lim auch ohne Verstärkung über das Orchester kommen. Auf einen Ausschnitt aus Bizets Carmen, den das Titelbild des Programmheftes mit Heeschen und Dimitra Kalaitzi-Tilikidou verspricht, wartet man vergeblich. Stattdessen präsentieren die beiden Mitglieder des Jungen Ensembles am MiR gemeinsam mit Piotr Prochera das bewegende Terzett "Soave sia il vento" aus Mozarts Così fan tutte.

Von den restlichen Nummern wird vielleicht noch das Duett "Suoni la tromba" aus Bellinis I Puritani mit Dong-Won Seo und Piotr Prochera am ehesten dem Titel des Abends und damit der Erwartungshaltung des Publikums gerecht. Ansonsten hat man zwar das Gefühl, dass sich das Publikum gut unterhält, aber eigentlich mit einer etwas anderen Vorstellung von der "Diva" in diese Aufführung gekommen ist. Als Zugabe gibt es dann noch das berühmte Sextett aus Donizettis Lucia di Lammermoor, "Chi mi frena in tal momento", in dem Lim, Prochera und Kamalova erneut stimmlich überzeugen können.

FAZIT

Das Musiktheater im Revier präsentiert einen bunten Streifzug durch 400 Jahre Operngeschichte und stellt dabei die Qualitäten des Ensembles heraus. Unter dem Titel hätte man vielleicht eine andere Musikauswahl erwartet.

Programm des Konzertes

Giuseppe Verdi: La Traviata: "Follie, follie" - "Sempre libera (Alfia Kamalova, Hongjae Lim)

Claudio Monteverdi: L'Orfeo: "Possente spirto" (Michael Dahmen / *Peter Schöne)

Georg Friedrich Händel: Flavio: "Rompo i lacci" (Thomas Diestler)

Wolfgang Amadeus Mozart: Così fan tutte: "Soave sia il vento" (Marie Heeschen, Dimitra Kalaitzi-Tilikidou, Piotr Prochera)

Gaetano Donizetti: Linda di Chamounix: "O luce in quest'anima" (Alfia Kamalova)

Gioacchino Rossini: Tancredi: "O patria" - "Di tanti palpiti" (Thomas Diestler)

Vincenzo Bellini: I Puritani: "Suoni la tromba" (Piotr Prochera, Dong-Won Seo)

Giuseppe Verdi: Il trovatore: "Miserere" - "Tu vedrai che amore in terra" (Petra Schmidt, Hongjae Lim, Herrenchor)

Vincenzo Bellini: I Puritani: Finale I, "Son vergine vezzosa" (Alfia Kamalova, Dimitra Kalaitzi-Tilikidou, Hongjae Lim, Dong-Won Seo, Opern- und Extrachor)

Otto Nicolai: Die lustigen Weiber von Windsor: "O süßer Mond" (Opern- und Extrachor)

Léo Delibes: Lakmé: Glöckchenarie "Où va la jeune hindoue" (Marie Heeschen)

Erich Wolfgang Korngold: Die tote Stadt: "Mein Sehnen, mein Wähnen" (Michael Dahmen / *Peter Schöne)

Philip Glass: Echnaton: Sonnenhymne "Thou dost appear beautiful" (Thomas Diestler, Opern- und Extrachor)

Alfredo Catalani: La Wally: "Ebben, ne andrò lontana" (Petra Schmidt)

Aribert Reimann: Lear: Intermezzo III und Solo Edgar (Thomas Diestler)

Giacomo Puccini: Turandot: "Olà Pang, olà Pong" - "Diecimila anni" (Hongjae Lim, William Saetre, Piotr Prochera, Opern- und Extrachor)

Leonard Bernstein: West Side Story: "Tonight" (Marie Heeschen, Hongjae Lim)


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Produktionsteam

Musikalische Leitung
Valtteri Rauhalammi

Choreinstudierung
Christian Jeub

Moderation
Michael Schulz

 

Opern- und Extrachor
des MiR

Neue Philharmonie Westfalen


Solisten

*rezensierte Aufführung

Marie Heeschen
Dimitra Kalaitzi-Tilikidou
Alfia Kamalova
Petra Schmidt

Michael Dahmen /
*Peter Schöne
Thomas Diestler
Hongjae Lim
Piotr Prochera
William Saetre
Dong-Won Seo

 


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