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Der Prozess

Kammeroper in zwei Akten
Libretto von Christopher Hampton nach Franz Kafka
Musik von Philip Glass


In englischer Sprache mit deutschen Übertiteln


Aufführungsdauer: ca. 2h 15' (eine Pause)


Koproduktion mit dem Music Theatre Wales und dem Royal Opera House Covent Garden London
Deutsche Erstaufführung am 02.04.2015 im Schauspielhaus Magdeburg

 



Theater Magdeburg
(Homepage)

Vorwärts auf in die Sackgasse des Rechtsweges

Von Roberto Becker / Fotos von Andreas Lander

Die Magdeburger Opernchefin Karen Stone hat den Profilierungsgang eingelegt. Vor kurzem mit der Braut von Messina des notorisch unterschätzen Tschechen Zdenek Fiebig und jetzt die Deutsche Erstaufführung einer Oper von Philip Glass, an deren Zustandekommen Magdeburg sogar beteiligt war. Gemeinsam mit dem Music Theatre Wales und dem Royal Opera House Covent Garden London war man nicht nur als Auftraggeber beteiligt. Die Ausstattung wurde, auch für London, in den heimischen Werkstätten produziert. Regisseur Michael McCarthy und Ausstatter Simon Banham waren schon für die Uraufführung, letzten Oktober in London, verantwortlich.

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In Magdeburg kamen sieben Protagonisten für die insgesamt 18 Rollen aus dem eigenen Haus. Im Graben des Schauspielhauses leitete Hermann Dukek die Musiker der Magdeburgischen Philharmonie, an den sechs Blas- und vier Streichinstrumenten, dem Klavier und an dem monströsen Schlagwerk. Diese kleine, aber ambitionierte Produktion der Magdeburger Oper hatte aber nicht nur eine internationale, sondern auch eine nationale Dimension. Der Prozess gehört zu einem Marketingprojekt, bei dem, gemeinsam mit den Opernhäusern in Halle und Chemnitz, dem neugierigen Teil des Publikums drei Werke der Moderne schmackhaft gemacht werden sollen. Wer sich dazu entschließt, Hans Werner Henzes Phaedra in Halle, Peter Eötvös’ Paradise reloaded (Lilith) in Chemnitz oder eben den Prozess in Magdeburg anzusehen, bekommt die jeweils andern beiden Vorstellung zum halben Preis.

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Der Einheits-Bühnenraum ist durch seine Ritzen, Fenster und Türen, die in einen Aktenschrank, in dem die Gerichtsdiener verprügelt werden, dann wieder ins Freie (oder gänzlich Unfreie) führen, real und irreal zugleich. Jedenfalls der Ort einer Beklemmung und sich steigernden Hilflosigkeit gegenüber einer undurchschaubaren Macht, die keine Legitimation braucht, weil sie die Legitimation ist, gegen die der einzelne keine Chance hat, wenn er als Angeklagter in ihre Fänge gerät.

Mit dem englischen Libretto bleibt Christopher Hampton Kafkas Text und seiner gespenstischen, doppelbödigen Hellsichtigkeit dicht auf den Fersen. Kafka als Prophet des Virtuellen. Wenn Josef K. bei dem Maler Hilfe sucht, der die Richter und Advokaten porträtiert, sich von ihm Landschaftsbilder aufschwatzen lässt und erfährt, dass jeder Dachboden zum Gericht gehört, und ihn die Anderen dabei beobachten und alles kommentieren, was er gerade macht, dann hat das grotesken Witz. Auf der Szene und im Graben.

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Bei dem, was von da kommt, steht nicht nur Glass drauf, sondern ist auch Glass drin. Der Komponist des Jahrgang 1937 hatte seinen Durchbruch auf der Opernbühne 1976 mit Einstein on the beach - nicht zufällig mit Robert Wilson, dem Meister der Stilisierung, als Regisseur an Bord. Die beiden passen zusammen.

Ob seine aus Wiederholungsschleifen bestehende kleinteilige Musik nun mit großem Sinfonieorchester (wie man es gerade in der Heidelberger Neuproduktion von Echnacton erleben konnte, oder von der Erfurter Version von „Waiting for the Barbarians" vor zehn Jahren in Erinnerung hat) mehr sinnlichen Effekt macht, als mit der kleinen bläser- und schlagwerklastigen Besetzung, ist Geschmacksache. Die Gefahr einer Überforderung besteht bei dieser Minimal Music ohnehin nicht. Eher im Gegenteil. Im „Prozess“ aber ist die quasi pointillistische Klangflächenproduktion kein Hypnoseversuch, sondern vielmehr die musikalische Seite einer insgesamt schlüssig bezwingenden Eloquenz.

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Der britische Bariton Johnny Herford, wie schon in London in der Rolle des Joseph K., hat die Sympathien des Publikums auf seiner Seite. Ist eine Projektionsfläche für die eigene Besorgnis vor fortschreitender Überwachung. Bei der deutschen Erstaufführung teilen sich sieben Mageburger Sänger die weiteren 17 Rollen.&xnbsp; Wobei vor allem Julie Martin du Theil als Leni, Michael J.Scott als Maler Titorelli und Roland Fenes als Advokat Huld in den zweieinviertel Stunden die Möglichkeit nutzen, um ihre Figuren zu profilieren.


FAZIT

Beim Premierenpublikum ging die ambitionierte Glass-Rechnung alles in allem auf.



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Produktionsteam

Musikalische Leitung
Hermann Dukek

Inszenierung
Michael McCarthy

Bühne und Kostüme
Simon Banham

Lichtkonzept
Ace McCarron

Lichtadaption
Michael McCarthy
Gerald Rabe


Die Magdeburgische Philharmonie


Solisten

Josef K.
Johnny Herford

Fräulein Bürstner/ Leni
Julie Martin du Theil

Frau Grubach/ Frau des Gerichtsdieners
Sylvia Rena Ziegler

Student/ Prügler/ Titorelli
Michael J. Scott

Franz/ Kaufmann Block
Markus Liske

Untersuchungsrichter/ Assistent/ Advokat Huld
Roland Fenes

Willem/ Gerichtsdiener/ Gefängniskaplan
Thomas Florio

Aufseher/ Onkel Albert
Paul Sketris



Weitere
Informationen

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Theater Magdeburg
(Homepage)



Da capo al Fine

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