Zur OMM-Homepage Zur OMM-Homepage Veranstaltungen & Kritiken
Musiktheater
Zur OMM-Homepage Musiktheater-Startseite E-Mail Impressum



Carmen

Oper in vier Akten
Libretto von Henri Meilhac und Ludovic Halévy nach der gleichnamigen Novelle von Prosper Mérimée
Musik von Georges Bizet

in französischer Sprache mit deutschen Übertiteln

Aufführungsdauer: ca. 3h 05' (eine Pause)

Premiere im Großen Haus der Städtischen Bühnen am 6. September 2014
(rezensierte Aufführung am 12. September 2014)

Logo: Theater Münster

Theater Münster
(Homepage)
Lustlos und schicksalsergeben

Von Ursula Decker-Bönniger / Fotos von Oliver Berg

Noch im Jahr der Uraufführung, 1875, soll laut Programmheft die Presse  gefordert haben, „die Vorstellungen aus Sittlichkeitsgründen für Minderjährige zu verbieten“. Davon kann allerdings in der biederen, über weite Strecken langweiligen  Neuinszenierung der Oper „Carmen“, die das Theater Münster zur Spielzeiteröffnung 2014/1015 zeigt, keine Rede sein. Regisseur Georg Köhl präsentiert vielmehr eine zerrissene Protagonistin, die von vornherein dem Tode näher steht als dem Leben und die am Ende mehrfach in das offene Messer Don Josés hineinrennt, um sich das Leben zu nehmen. Ein Selbstmord, den der schwer getroffene Don José bei der Ankunft der Übrigen widersinnig mit den Worten kommentiert „ihr könnt mich verhaften. Ich habe sie getötet.“

Bild zum Vergrößern

Micaëla (Henrike Jakob) berichtet Don José (Adrian Xhema) von Heimat und Mutter.

Köhl versucht, das herkömmliche Bild der Femme Fatale zu demontieren. Schon zu den schwer lastenden Klängen des Todesmotivs der Ouvertüre zeigt er sie als Verwirrte, im Raum hin und herirrende Frau. Allerdings geben die folgenden Bilder, Szenen und Akte wenig Aufschluss über den Charakter der „Täterin“.  Wer ist Carmen? Was reizt sie an Don José, Zuniga, Escamillo? Wer ist Don José? Was fasziniert ihn an Carmen? Warum scheitert ihre Liebe? Münster benutzt für seine Inszenierung die nicht autorisierte und heute selten gespielte Rezitativfassung, in der die Oper nach dem Tode des Komponisten im Juni 1875 an der Wiener Hofoper ihre Erstaufführung in deutscher Sprache erlebte und die die Oper zum internationalen Publikumsliebling schlechthin machte. Allerdings fehlen die Rezitative bzw. sind bis auf ein Minimum gekürzt. Fragen zu möglichen Motiven oder sozialem Hintergrund bleiben unbeantwortet. Im Gegenteil: Sieht man Carmen im ersten Akt noch die in der Mittagspause wartenden Gaffer mehr oder weniger lustlos „mit einem Lied bedienen“, so beginnt sie im zweiten Akt, sich den Zudringlichkeiten Zunigas zu verweigern. Im dritten Akt trägt sie symbolträchtig den Strick um den Hals, scheint sich mit dem Todesschicksal, das sich in den Spielkarten ankündigt, zu arrangieren, um sich schließlich im letzten Akt den erlösenden Todesstoß zu geben.

Passend zu dieser sich auf plakative Andeutungen beschränkenden, wenig differenzierenden Personenregie stellt das Bühnenbild ein leeres, mit Ventilator und riesigen Blendläden aus Lamellen ausgestattetes Halbrund dar, dessen Mitte aus einem großflächigen, rechteckigen Fenster besteht. Während die Lamellen viel Raum für indirekte, gebrochene Lichtwirkungen bieten, erstrahlt das Fenster direkt und unbarmherzig – zunächst gülden wie die aufgehende südliche Sonne, im zweiten Akt in aufdringlichem Rot. Die Kostüme der Männer verweisen auf ihre Gruppenzugehörigkeit, die der Frauen zeichnen ein eher folkloristisch angehauchtes, denn realistisches Bild.

Bild zum Vergrößern

Carmen (Tara Venditti) sitzt lustlos vor der Taverne (links: Gregor Dalal als Escamillo).

Die Ausgestaltung und Interpretation des Bühnengeschehens übernimmt die Musik. Unter der Leitung Fabrizio Venturas verstehen es Opernchor, Extrachor des Theaters, der Theaterkinderchor des Gymnasium Paulinum und das Sinfonieorchester Münster ein anschauliches Bild zu zeichnen und uns ein musikalisches Seelen-, bzw. Liebesdrama vor Augen zu führen. Tara Venditti singt die Rolle der Carmen und weiß mit klangvollem, tief grundierten Mezzosopran das Publikum zu verführen. Henrike Jakob überzeugt als vibratoreich schillernde Micaëla. Eva Bauchmüller und Lisa Wedekind stellen klangvoll und musikalisch vor allem im Kartenduett die beiden Zigeunerinnen Frasquita und Mercedes glaubhaft dar. Enttäuschend dagegen die Besetzung der Männer. Schon zu Beginn der rezensierten Vorstellung bat man um Nachsicht, für den an einer Halsentzündung erkrankten, aber trotzdem singenden Gregor Dalal. Auch Andrian Xhemas Stimme wirkte an diesem Abend oft schrill. Zwar ist der Tenor bemüht, ein sängerisch differenziertes Rollenporträt Don Josés zu zeichnen, ließ aber häufig keine Tonhöhe erkennen. Lukas Schmids klangvoller Bassbariton gibt den ebenfalls in Carmen verliebten Leutnant Zuniga.

FAZIT

Berechtiges Anliegen der Inszenierung und tatsächliche Ausführung klaffen hier weit auseinander. Auch musikalisch kann sie nur in Teilen überzeugen.

Ihre Meinung
Schreiben Sie uns einen Leserbrief
(Veröffentlichung vorbehalten)

Produktionsteam

Musikalische Leitung
Fabrizio Ventura

Regie
Georg Köhl

Bühne
Martin Warth

Kostüme
Ursina Zürcher

Chor
Inna Batyuk

Dramaturgie
Margrit Poremba

 

Opern- und Extrachor des
Theaters Münster

Theaterkinderchor
des Gymnasiums Paulinum

Sinfonieorchester Münster

 

Solisten

*rezensierte Vorstellung

Zuniga
Plamen Hidjov /
*Lukas Schmid 

Moralès
Juan Fernando Gutiérrez 

Don José
Adrian Xhema 

Escamillo
Gregor Dalal

Dancaïro
Youn-Seong Shim

Remendado
Philippe Clark Hall

Frasquita
Eva Bauchmüller

Mercedes
Lisa Wedekind

Carmen
Tara Venditti

Micaëla
*Henrike Jacob /
Sara Rossi Daldoss


Weitere
Informationen

erhalten Sie vom
Theater Münster
(Homepage)



Da capo al Fine

Zur OMM-Homepage Musiktheater-Startseite E-Mail Impressum
© 2014 - Online Musik Magazin
http://www.omm.de
E-Mail: oper@omm.de

- Fine -