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Musiktheater
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Der Wildschütz oder Die Stimme der Natur

Komische Oper in drei Akten
Libretto von Albert Lortzing nach dem Lustspiel Der Rehbock von August von Kotzebue
Musik von Albert Lortzing

in deutscher Sprache

Aufführungsdauer: ca. 2h 55' (eine Pause)

Premiere im Theater am Domhof am 29. November 2014
(rezensierte Vorstellung am 5. Dezember 2014)

 

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Theater Osnabrück
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Die Stimme der Natur          

Von Ursula Decker-Bönniger / Fotos von Jörg Landsberg

Die zweite Musiktheaterpremiere des Theater Osnabrück ist Albert Lortzings komischer Oper der Wildschütz oder die Stimme der Natur gewidmet: Schulmeister Baculus hat – so glaubt er zumindest - für die Hochzeit mit seinem schönen, jungen, ehemaligen Mündel Gretchen ohne gräfliche Genehmigung einen Rehbock geschossen und erhält dafür die Kündigung. Auf der Suche nach Fürsprache kommt es nun zu allerlei witzigen Angeboten, Rollenwechseln und unbeabsichtigten Irrtümern, in denen der auf allen Gebieten bewanderte Theaterkünstler, Librettist und Komponist Lortzing den Zeitgeist des literarischen Vormärz satirisch vor Augen führt. „So hat mich nicht getäuscht, die Stimme der Natur“ rechtfertigen die Protagonisten am Ende ihre Grenzüberschreitungen. Und schließlich das Happy End: Der Graf erkennt seine Schwester, Baron und Baronin werden ein Paar. Nur Baculus muss auf seine 5000 Taler verzichten, darf jedoch weiterhin Schulmeister bleiben, da er in der Dunkelheit keinen gräflichen Rehbock sondern seinen eigenen, alten Esel erschossen hat. Ob die von Anfang an unglückliche Ehe mit Gretchen am Ende jedoch glücklicher zu werden verspricht, scheint nach all den Ereignissen mehr als zweifelhaft.

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Noch vor der Hochzeit streiten sich die Brautleute Baculus (Oliver Weidinger) und Gretchen (Erika Simons)

Sandra Wissmanns Inszenierung setzt auf Situationskomik. Humorvoll werden die Protagonisten zu den leidenschaftlichen Klängen der Ouvertüre eingeführt. Dass der Graf die Grenzen von Anstand und Sitte gleich zu Beginn übertritt, wenn er sich von zwei allzu jugendlichen „Kammerkätzchen“ ankleiden lässt,  scheint zum gräflichen Morgenzeremoniell dazuzugehören wie der von Hofmeister Pankratius pünktlich angerührte Morgenkaffee. Die gesellschaftliche Brisanz der weiteren, von Lortzing aufgezeigten Flirts, freiheitlichen Sehnsüchte und leeren Attitüden bleibt jedoch außen vor. Wissmann beschränkt sich - ohne dramaturgische Verdichtung - auf  vordergründige Verkleidungskomödie und Identitätswechsel. Anders die Bühnengestaltung von Alexandre Corazzola. Er greift romantische Symbole auf und kommentiert sie. Ehestreit und Feierfröhlichkeit finden in einem schmucklosen, Holz verkleideten, geschlossen wirkenden Vorraum statt, während die Naturidylle zu Plastikwiese und –blümchen verkommen ist. Im zweiten und dritten Akt wechselt das Bild zu einem reich mit Lampen dekorierten, schön ausgeleuchteten Billardraum. Die aufwendigen Kostüme von Uta Meenen verweisen auf die Standes- und Kleidungsgepflogenheiten des 19. Jahrhunderts.

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In dieser Szene im ersten Akt sind Stallmeister bzw. Baron Kronthal (Daniel Wagner) und Graf von Eberbach (Jan Friedrich Eggers) noch einvernehmlich im Gespräch, später verlieben sich beide in das falsche Gretchen, in das sich die Baronin Freimann verkleidet hat.

Musikalisch lebt die Spieloper von schnellen Szenenwechseln und vor allem von ihren zahlreichen Ensembleszenen. Chor, Herren-Extrachor und Kinderchor spielen engagiert und singen homogen und textverständlich. Hin und wieder klapperte jedoch das Zusammenspiel zwischen Bühne und Orchester. Grund dafür mag der krankheitsbedingte Ausfall zweier Mitglieder des Osnabrücker Solistenensembles sein. Marco Vassalli übernahm für Jan Friedrich Eggers die Rolle des selbstverliebten Grafen. Judith Kuhn konnte für die Rolle der Baronin Freimann gewonnen werden und bereicherte das Ensemble mit ihrem klangschönen Sopran. Daniel Wagner ist ein geschmeidiger Stallmeister bzw. Baron, Erika Simons soubrettenhafter Sopran stellt anschaulich das kesse Gretchen dar. Oliver Weidinger überzeugt als trotteliger, eifersüchtiger Schulmeister, dem die Ereignisse und manchmal auch die hohen Töne über den Kopf wachsen. Sie kamen oft arg schrill und wenig geöffnet rüber und beeinträchtigten die ansonsten überzeugende Darbietung.

FAZIT

Dieser Inszenierung fehlt eine aktualisierende, Bühnenbild, Kostüme und Musik einbeziehende Gesamtinterpretation.



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Produktionsteam

Musikalische Leitung
An-Hoon Song

Inszenierung
Sandra Wissmann

Bühne
Alexandre Corazzola

Kostüme

Uta Meenen

Choreinstudierung
Markus Lafleur

Dramaturgie
Maria Schneider

 

Chor, Herren-Extrachor und Kinderchor
des Theater Osnabrück

Osnabrücker Sinfonieorchester


Solisten

*rezensierte Aufführung

Graf von Eberbach
Jan Friedrich Eggers /
*Marco Vassalli

Die Gräfin
Almerija Delic

Baron Kronthal
Daniel Wagner

Baronin Freimann
Susann Vent-Wunderlich /
*Judith Kuhn

Nanette
Katarina Andersson

Baculus
Oliver Weidinger

Gretchen
Erika Simons

Pancratius
Genadijus Bergorulko




Weitere Informationen
erhalten Sie vom
Theater Osnabrück
(Homepage)





Da capo al Fine

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