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Musiktheater
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Nelken

Ein Stück von Pina Bausch
Musik von Franz Schubert, George Gershwin, Franz Lehar, Louis Armstrong, Henry Mancini sowie brasilianische Märsche u.a.

Aufführungsdauer: ca. 1h 50' (keine Pause)

Wiederaufnahme im Opernhaus Wuppertal am 29. Januar 2015
(Uraufführung 1. Fassung am 30. Dezember 1982, Opernhaus Wuppertal; 2. Fassung am 16. Mai 1983, Zelt im Englischen Garten, München)


Logo: Tanztheater Pina Bausch

Tanztheater Wuppertal
(Homepage)
Ambivalente Heiterkeitszustände

Von Stefan Schmöe

Nelken ist der "Dauerbrenner" unter den Tanzabenden Pina Bauschs, ist um die halbe Welt gereist (auch in dieser Spielzeit gibt es noch eine Aufführungsserie in Paris) und war zuletzt erst vor etwas mehr als einem Jahr in Wuppertaler Opernhaus zu sehen (unsere Rezension) - und auch bei dieser Wiederaufnahme ist das Haus bis auf den letzten Platz gefüllt. Zu dieser besonderen Popularität des 1982 entstandenen Tanzabends trägt sicher der kompakte Aufbau mit knapp zwei Stunden Spieldauer (ohne Pause) bei, der fast alles verdichtet, was für die Werke Pina Bauschs aus den 1980er-Jahren charakteristisch ist. Und das in ziemlich flottem Tempo - wenn etwas fehlt, dann die Momente des Wartens und der Ruhe. Hat sich das Stück erst einmal warmgelaufen, dann folgt ungewöhnlich konzentriert eine brillante Szene der nächsten. Die Unterhaltungsqualität ist hoch.

Szenenfoto Ensemble (Foto: © Bettina Stöß)

An der Oberfläche ist Nelken oft sehr komisch, doch das Eis ist dünn und die Idylle kann jederzeit umschlagen (und tut das auch immer wieder). Wenn die Herren in notdürftig zugeknöpften Kleidern herum hoppeln wie Kaninchen, ist das hinreißend albern, aber die Schäferhunde lauern bereits - und aller anarchischer Spaß wird abgebrochen und in seriöse Bahnen zurückgelenkt, wenn Andrej Berezin nach dem Pass fragt. Im zärtlich-trotzigen Sich-Behaupten der tänzerischen Unvernunft gegen die unbarmherzige Logik der modernen Gesellschaft ist Nelken ungebrochen ein radikales und ganz großes Stück. Manche Kanten haben sich auch abgeschliffen; in einer Art Publikumsbeschimpfung ein paar Figuren aus dem klassischen Ballett zu präsentieren, das mag 1982 eine freche (und damals polarisierende) Provokation gewesen sein, heute ist es nur noch amüsant. Und doch ist es immer wieder frappierend, wie Pina Bausch im Zentrum des Abends zum sterbenstraurigen Variationssatz aus Schuberts Streichquartett Der Tod und das Mädchen eine hochdramatische Choreographie in und auf schweren Sesseln gestaltet, die sich eigentlich jeder tänzerischen Dynamik zu widersetzen scheinen - Absage und Erneuerung des Tanztheaters in einem.

Szenenfoto

Ensemble (Foto: © Bo Lahola)

Und dann ist da natürlich das Nelkenfeld, das Bühnenbildner Peter Pabst für die Theaterewigkeit geschaffen hat. Ein Bühnenbild wider alle Vernunft. Ein paar Jahre später, zum Ausklang der 80er-Jahre, wird es in Palermo, Palermo ein Trümmerfeld sein, dass das Tanzen eigentlich unmöglich macht. In Nelken dürfen noch kindlich-fröhlich Blütenträume reifen in einer ziemlich bedrohlichen Welt. Ganz vieles davon hat das verjüngte Ensemble des Wuppertaler Tanztheaters über die Jahre hinweg retten können, obwohl die Partien den damaligen Tänzern - Dominique Mercy etwa oder Jan Minarek - auf den Leib zugeschnitten waren. Einer aber bleibt unerreicht: Lutz Förster, heute künstlerischer Leiter der Kompagnie. Die unnachahmliche Eleganz und Lässigkeit, mit der er inmitten der Nelken Gebärdensprache in Tanzkunst verwandelte, die erreicht Scott Jennings, so achtbar er sich auch schlägt, nicht. Nicht jedes Theaterwunder ist reproduzierbar. Aber eine ganze Menge Wunder beinhalten diese Nelken immer noch.


FAZIT

Nelken gehört auch heute noch zu den ganz starken Bausch-Stücken.



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Produktionsteam

Inszenierung und Choreographie
Pina Bausch

Bühne und Video
Peter Pabst

Kostüme
Marion Cito

Musikalische Mitarbeit
Matthias Burkert

Mitarbeit
Hans Pop
Jan Minarek

Dramaturgie
Raimund Hoghe

Probenleitung
Barbara Kaufmann
Dominique Mercy


Solisten

Tänzerinnen und Tänzer
Silvia Farias Heredia
Regina Advento
Pablo Aran Gimeno
Andrey Berezin
Aleš Čuček
Clémentine Deluy
Çağdaş Ermis
Scott Jennings
Daphnis Kokkinos
Eddie Martinez
Thusnelda Mercy
Breanna O´Mara
Nazareth Panadero
Franko Schmidt
Julie Shanahan
Julie Anne Stanzak
Michael Strecker
Fernando Suels Mendoza
Aida Vainieri
Anna Wehsarg
Paul White
Ophelia Young
Tsai-Chin Yu

Stuntmen
Bodo Haack
Jürgen Klein
Hendrik Mohr
Robert Schenker



Weitere Informationen
erhalten Sie vom
Tanztheater Wuppertal
(Homepage)




Da capo al Fine

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