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Geschichten aus dem Wiener Wald

Oper in drei Akten
Libretto von Michael Sturminger nach dem gleichnamigen Schauspiel von Ödön von Horvath
Musik von HK Gruber


in deutscher Sprache mit verschiedensprachigen Übertiteln

Aufführungsdauer: ca. 2h 45' (eine Pause)

Deutsche Erstaufführung an der Komischen Oper Berlin am 22. Mai 2016


Homepage

Komische Oper Berlin
(Homepage)
An der Spree geht's zu wie an der Donau

Von Joachim Lange / Fotos von Iko Freese - drama-berlin.de

Rein optisch sind diese Geschichten aus dem Wiener Wald das Gegenprogramm zu dem, was sonst so an der Komischen Oper zu sehen ist. Am Set wechseln sich Strand- und Grillidylle vor der Stadt und in der Wachau ab, mit nächtlicher Fahrt vor Videohintergrund und Drehbühnen-Tankstelle. Dass die Techniker nicht nur die Autos' rein- und érausschieben, sondern auch gleich noch hier einen Blutfleck auftragen, dort eine zu werfende Bierflasche im rechten Moment abnehmen, das verpasst dem Ganzen eine angenehme Prise Selbstironie. Zu den Berliner Nummernschildern das FPÖ-Wahlplakat an der Tanke (der Komponist - und irgendwie auch der Dichter der Vorlage - sind Österreicher, außerdem spielt das Stück eigentlich dort). Auf dem Hintergrund-Prospekt rast der ICE als Standbild, aber das Wasser davor bewegt sich. Wenn so viel von der Wachau und der Donau so blau gesungen wird, ist das unvermeidlich.

Vergrößerung

Bei dieser zweiten Inszenierung der 2014 in Bregenz zu den dortigen Festspielen uraufgeführten Horvath-Oper gibt der polnische Regisseur Michał Zadara sein Opernregiedebüt in Deutschland. Die Bühne ist mit einer Automarken-Blütenlese von Benz über Manta bis Golf bestückt. Dieser Spielzeugladen der postpubertären Machos verlegt die Geschichte von den schlichten, von der Zeit und sich selbst gebeutelten Menschen aus den 20er- und 30er-Jahren in die Randbezirke unserer Gegenwart. So ungefähr jedenfalls. Wobei das zentrale Problem, das bei Horvath aus dem ungewünschten Nachwuchs resultiert, nicht so überzeugend herüber kommt, wie es damals der Fall war.

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Musikalisch legt sich der gebürtige Wiener HK Gruber (73) bei seinem Tiefflug durch die Musikgeschichte nicht eindeutig fest. Eigentlich dient er sich mit Eifer dem Wortsound in Öden von Horvaths Stück aus dem Jahr 1931 an, bedient sich dabei gleichwohl ohne Zurückhaltung überall da, wo es etwas Passendes zu holen gibt. Und sei es bei Johann Strauß oder Puccini. Auch das Parlando a la Rosenkavalier bzw. Wozzeck beherrscht er, lässt verfremdete Walzerklänge flackern. Mit dieser spielerischen Verfremdung des Vertrauten landet er nicht in der Abteilung fürs absolut Neue, aber das Ganze hat einen ziemlichen Unterhaltungswert. Das Problem ist eher die Qualität, sprich quasi-musikalische Eigenständigkeit der literarischen Vorlage, die die Musik bestenfalls bedient, aber halt nicht übertreffen kann.


Vergrößerung

Dass es im Stück um Betrug, Vergewaltigung, vor allem um den Fall eines jungen Mädchens nach ganz unten, schließlich um den Kindsmord einer Großmutter am ungewollten Enkelkind geht, ahnt man, wenn es die Musik am Anfang mit gewaltigem Orchesterlärm den großen tragischen Ton behauptet, den sie dann freilich nicht durchhält. Hendrik Vestmann und dem Orchester der Komischen Oper macht diese deftige Collage-Musik hörbar Spaß. Aus dem spielfreudigen Ensemble ragt Cornelia Zink heraus, die als Marianne zwischen ihrem eigentlich Verlobten Oskar (Adrian Stropper) und dem Hallodri Alfred (Tom Erik Lie) steht und mit ihrem Ausbruchsversuch und ihrem Leben scheitert. Mit enormem Charisma ist Ursula Hesse von den Steinen die Valerie und Jens Larsen der Zauberkönig. Karen Armstrong gibt die mörderische Großmutter. Einhelliger Beifall.


FAZIT

Die Komische Oper bringt die deutsche Erstaufführung von HK Grubers Oper Geschichten aus dem Wiener Wald auf hohem musikalischen Niveau als Geschichten aus der Berliner Vorstadt heraus.


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Produktionsteam

Musikalische Leitung
Hendrik Vestmann

Inszenierung
Michał Zadara

Bühne
Robert Rumas

Kostüme
Julia Kornacka

Licht
Diego Leetz

Chor
David Cavelius

Video
Barbara Wysocka
Artur Sienicki

Dramaturgie
Johanna Wall



Zusatzchor der
Komischen Oper Berlin

Orchester der Komischen Oper


Solisten

Marianne
Cornelia Zink

Alfred
Tom Erik Lie

Oskar
Adrian Strooper

Valerie
Ursula Hesse von den Steinen

Zauberkönig
Jens Larsen

Die Mutter
Christiane Oertel

Die Großmutter
Karan Armstrong

Erich
Ivan Turšič

Rittmeister/Beichtvater
Hans Gröning

Mister
Hans-Peter Scheidegger

Der Hierlinger Ferdinand
Stefan Cifolelli

Fleischergeselle Havlitschek
Timothy Oliver

1. Tante
Angela Postweiler

2. Tante
Jennifer Gleinig



Weitere Informationen
erhalten Sie von der
Komischen Oper Berlin
(Homepage)



Da capo al Fine

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