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Musiktheater
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Cow

Ballett von Alexander Ekmann
Musik von Mikael Karlsson



Aufführungsdauer: ca. 1h 30' (keine Pause)

Premiere an der Sächsische Staatsoper Dresden am 12. März 2016
(rezensierte Vorstellung:4. April 2016)


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Sächsische Staatsoper Dresden
(Homepage)
Kuhauge sei wachsam

Von Roberto Becker / Fotos ©: T. M. Rives

Das Fleisch einer Kuh zu essen, gilt hierzulande als normal. Sich in eine Kuh hinein zu versetzen eher als ungewöhnlich. In Dresden heißt der neuste Ballett-Abend Cow. Also schlicht und einfach "Kuh". Und meint das sogar ernst. Irgendwie. Eine Kuh wie die berühmte in Lila, nur ohne Lila, steht auf der Bühne. Weiß, stumm, unbeweglich. Für eine Szene kommen noch mehr als ein Dutzend für ein paar Minuten dazu. Die Hauptkuh schwebt dann während der Vorstellung hoch oben über der Rampe. Ganz nach dem Motto: Kuhauge sei wachsam.

Was sie (vielleicht), alle anderen aber bestimmt zu sehen bekommen, ist eine faszinierende Szenenfolge, in der die Fantasie explodiert und die Lust an der Bewegung, an großen, witzig hintersinnigen Bildern und die dazu passgenau von Mikael Karlsson komponierte und (vom Bundesjugendorchester unter Leitung von Johannes Klumpp) eingespielte Musik triumphieren.

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Der schwedische Choreograf Alexander Ekman (32) ist der Hirte, der seine Herde aufs Treiben bringt. Na ja, was heißt Herde - das vorzügliche Dresdner Ballett erobert mit spürbarer Begeisterung diese Neuland. Das durchaus an Pina Bauschs späte Choreografien erinnert. Die Kostüme von Henrik Vibskov sind, wenn vorhanden, witzig, der Kopfputz eine augenzwinkernde Melange aus orthodox, Folklore und Haute Couture. In der ersten großen Szene, nach der Begrüßung durch den Tänzer Christian Bauch als sprechende und sich verblüffend authentisch bewegende Kuh, rennen sie hin und her. Fahren mit einem Kahn. Einer läuft immer wieder gegen eine Wand und geht zu Boden. Eine Frau fotokopiert ihren Kopf und verteilt die Kopien in der ersten Reihe. Ein Paar kommt streitend am Tisch sitzend aus dem Schnürboden und entschwindet turtelnd wieder nach oben. Dann kommt Ordnung in das Chaos. Wenn sie alle gleichzeitig niesen oder so etwas ähnliches. Samt Crescendo Richtung Kollektiv. Vorhang. Es folgt ein Männerpaar (Julian Amir Lacey und István Simon). Synchron. Mit projizierten Fragen: Spricht sie das an? Reichen zwei? Und einer Ballerina (Svetlana Gileva) als Zugabe und Antwort.

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So ist der Wechsel zwischen den 11 Szenen aus großem Auftritt des Ensembles mit rhythmisch eskalierender Musik. Dann ein Pas des Deux ohne Musik mit dem Titel "Stille". Wie Adam und Eva - mit anschmiegend kongruenten Bewegungen über eine große Distanz. Dann hautnah, sich verknotend. Wenn die anderen dazukommen, bildet sich eine Gemeinschaft, die diejenigen, die umfallen, wieder aufrichtet. Aber auch zulässt, dass sich einzelne absondern.

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Was Ekmann und seine Tänzer hier als eine Art Meta-Bewegung fürs Menschlich-Allzumenschliche anbieten, das erzählt eine Geschichte über das, was denen widerfahren kann, die das Paradies verlassen. Man kann das Ganze aber auch nur als Lust an der Bewegung und den Körpern sehen. So wie die Szene, die mit den am Boden liegenden Tänzern beginnt, die dann mit ihren weiten, weißen Röcken anfangen wie die Derwische zu tanzen. Immer wilder. Bis sie auf dem Rücken landen - so außer Atem, dass man es hört.
Im Wechsel der Stimmungen und des Tempos gibt es einen "Zwischenfilm", in dem Christian Bauch von seinen Erfahrungen als Kuh berichtet. Und wie ihm die anderen potenziellen Mit-Kühe dabei geholfen haben, sich als Kuh zu fühlen. Das sieht dann aus wie ein Werbefilm - mit Szenen aus dem Probensaal und einem flotten Tanz durch die Dresdner Straßen. Was diesen Straßen im Moment ziemlich gut zu Gesicht steht.

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Im Haus wird dann unter dem Titel "Hufe" zur Rampe hin gesteppt. Jedes Mal bis zu dem gedachten Olé am Ende! Ein Pas des Deux, das hier nur Deux heißt, kredenzen Svetlana Gileva und Denis Veginy im elegant stilisierten Schwarz. Und dann tauchen alle in der Kostümierung der Anfangsszene für "Räume" wieder auf. Die Bühne ist jetzt leicht angekippt. Gewimmel, Geschwätz, Streit erfüllen den Raum. Bis jeder auf die Idee kommt, sein eigenes Stück mit rotem Klebeband zu markieren. Und mit Tischchen, Kerzen, Kissen und Zimmerpflanzen einzurichten. Was Menschen halt so machen. Die Kuh von nebenan muss das recht komisch finden. So wie wir mit einem mal auch. Und da ist die Cow in der guten Gesellschaft eines begeisterten Menschen-Publikums.


FAZIT

Die Semperoper hat die europäische Erstaufführung von von John Harbisons Oper The Great Gatsby mit Sorgfalt auf die Bühne gebracht. Von nachhaltigen Chancen, auch in Europa Fuß zu fassen, konnte das gleichwohl nicht überzeugen.


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Produktionsteam

Choreographie,
Bühne, Lichtdesign
Alexander Ekman

Musik
Mikael Karlsson

Kostüme
Henrik Vibskov

Licht Supervisor
Fabio Antoci

Dramaturgie
Valeska Stern

Musikeinspielung
Bundesjugendorchester
Leitung: Johannes Klumpp



Semperoper Ballett

Teilnehmer des Elefenprogramms
mit der Plauze Hochschule
für Tanz Dresden


Solisten

Christian Bauch
Julian Amir Lacey
Istvan Simon
Svetlana Gileva
Sangeun Lee
Jón Vallejo
Courtey Richardson
Denis Veginy
Skyler Maxey-Wert
Caroline Beach



Weitere Informationen
erhalten Sie von der
Sächsische Staatsoper Dresden
(Homepage)



Da capo al Fine

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