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Von Babelsberg nach Hollywood

Eine Filmmusik-Schlager-Revue
Idee und Konzept von Thilo Borowczak und Imme Winckelmann

Aufführungsdauer: ca. 2h 30' (eine Pause)

Premiere im Theater Hagen am 9. April 2016


Logo: Theater Hagen

Theater Hagen
(Homepage)
Sei hier Gast und happy

Von Thomas Molke / Fotos von Klaus Lefebvre (Rechte Theater Hagen)

Vor drei Spielzeiten präsentierte man im Theater Hagen unter dem Titel Fly Me to the Moon einen Swing-Abend, in dem man mit großen Hits wie "Strangers in the Night" und "New York, New York" eine unterhaltsame Revue präsentierte, die einen so großen Erfolg verbuchen konnte, dass sie auch noch in der folgenden Spielzeit für ausverkaufte Vorstellungen sorgte (siehe auch unsere Rezension). Nun hat man sich überlegt, dieses Erfolgskonzept mit großen Melodien der Filmmusik zu wiederholen, und präsentiert mit dem gleichen Regie-Team unter dem Titel Von Babelsberg nach Hollywood einen Streifzug durch die Filmmusik von den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts bis zur Gegenwart. Dabei führt Tillmann Schnieders charmant als Conferencier durch das Programm und lädt das Publikum mit dem Song "Sei hier Gast" aus dem Disney-Zeichentrickfilm Die Schöne und das Biest zu einer Reise durch fast 100 Jahre Filmgeschichte ein, und man kann davon ausgehen, dass die Zuschauer am Ende zu "Happy" aus dem Film Ich - einfach unverbesserlich 2 den Saal nach gut zweieinhalb Stunden auch so verlassen.

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Finale mit "Happy": In der Mitte Tillmann Schnieders, rechts und links: Ballett des Theater Hagen, dahinter die übrigen Solisten, das Philharmonische Orchester und der Chor des Theater Hagen

Eingebunden sind in diese Revue neben den Solisten und dem Philharmonischen Orchester Hagen auch der Chor, der mal als Minions im Abschlusslied "Happy" über die Bühne groovt, mal in Teilen zum "Gonna Fly Now", dem Thema aus dem Film Rocky, sich im Rocky-Balboa-Outfit beim Boxen übt und mal in der Parodie "Men in Tights" aus Mel Brooks' Robin Hood - Helden in Strumpfhosen zum Cancan die Beine schwingt. Das Ballett des Theater Hagen ist mit vier Tänzerinnen und vier Tänzern ebenfalls beteiligt. Jan Bammes hat wie schon beim Swing-Abend eine große Showtreppe entworfen, die das Orchester, das auf der Bühne platziert ist, in zwei Teile teilt. An den Seiten sind Leinwände angebracht, die in ihrer Form an Schnipsel von alten Filmrollen erinnern. Hier werden in Videoeinspielungen und Bildprojektionen von Volker Köster Bezüge zu den Filmen hergestellt, aus denen jeweils die präsentierte Musik stammt. Auch über der Bühne ist eine große Leinwand angebracht, die besonders in den Instrumentalstücken visuelle Abwechslung bietet. So sieht man zur Eröffnungsnummer, dem "Naked Gun Theme" aus Die nackte Kanone die Lampe eines Polizeiautos, die sich zunächst durch düstere Straßen kämpft, bis sie im Theater Hagen ankommt und sich den Weg durch das Publikum im Foyer auf die Bühne bahnt, wo dann ein Polizeiauto erscheint, dem Schnieders als Gastgeber entsteigt.

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Carina Sandhaus und Kenneth Mattice als Ginger Rogers und Fred Astaire mit "Cheek to Cheek"

Der Ablauf der einzelnen Musiknummern folgt dabei keiner chronologischen oder thematischen Struktur, sondern man zappt sozusagen wie mit der Fernbedienung eines Fernsehers zwischen den unterschiedlichen Genres und Zeiten hin und her. Steffen Müller-Gabriel ist bei der Leitung des Philharmonischen Orchesters Hagen seine Begeisterung regelrecht anzusehen, da er beim Dirigieren der berühmten Themen aus Mission Impossible, James Bond und Star Wars regelrecht mitswingt und mit dem Philharmonischen Orchester unter Beweis stellt, dass die Musiker neben dem klassischen Repertoire auch Unterhaltungsmusik auf hohem Niveau präsentieren können. Manches klingt dabei durch die technische Verstärkung zwar lauter, als man es sonst im Theater gewohnt ist, schmälert den musikalischen Genuss aber keineswegs. Köster entwickelt auch für diese drei Themen eine Video-Show, die wunderbar mit den Originalen spielt. Besonders schön ist die Einspielung bei Star Wars, die die Anfangszeilen aus dem Vorspann in leicht abgewandelter Form aufgreift und als "Was bisher geschah" noch einmal die Titel aus dem Teil vor der Pause auflistet.

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Marilyn Bennett und das Ballett-Ensemble mit "Le Jazz Hot" aus Victor / Victoria

Ballettdirektor Ricardo Fernando hat mit seinem Ensemble ebenfalls einige witzige Choreographien beigesteuert. Als ein Höhepunkt darf sicherlich das "Miss Marple Theme" aus 16 Uhr 50 ab Paddington betrachtet werden, in dem die vier Tänzer als Miss Marple die vier Tänzerinnen als Mr. Stringer in akrobatischen Bewegungen durch die Luft wirbeln und dabei für unterhaltsame Komik sorgen. Auch in "Diamonds are a Girl's Best Friend" aus dem Film Blondinen bevorzugt machen die athletisch gebauten Tänzer eine gute Figur. Doch auch die Solisten legen manch flotte Sohle aufs Parkett. So gibt Kenneth Mattice optisch einen glaubhaften Elvis Presley mit Tolle und Hüftschwung, wenn er aus Girls, Girls, Girls den berühmten Song "Return to Sender" präsentiert, und auch als Affen in "I Wan' na Be Like You" aus Disneys Das Dschungelbuch wirbeln Mattice, Hannes Staffler, Richard van Gemert und Schnieders mit den Tänzern des Balletts nicht nur das Orchester auf der Bühne, sondern auch noch die ersten Reihen im Zuschauerraum gehörig durcheinander. Einen großartigen Auftritt mit dem Ballett hat Marilyn Bennett in der Nummer "Le Jazz Hot" aus dem Musical Victor / Victoria. Langjährige Besucher des Theaters werden sich noch an Bennetts hervorragende Interpretation der Titelpartie in der Spielzeit 1999/2000 erinnern, in der der damalige Intendant Peter Pietzsch als ihr Freund Toddy Todd glänzte.

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"Wenn der Vater mit dem Sohne": Richard van Gemert (links) und Leszek Januszewski (rechts) als Clowns mit Sami Seyhan (Mitte)

Auch für Richard van Gemert hält der Abend einige Paraderollen bereit. Rührend schlüpft er in die Rolle des Heinz Rühmann wenn er Sami Seyhan zunächst als Vater mit dem berühmten "La-Le-Lu" in den Schlaf singen will und dann im Clown-Kostüm auftritt und zu "Wenn der Vater mit dem Sohne" beschließt, mit dem Jungen jetzt doch lieber auf den Rummel zu gehen. In "Ich brech die Herzen der stolzesten Frau'n" stellt van Gemert dann sein komisches Talent unter Beweis, wenn er beinahe schüchtern seine große Leidenschaft beschreibt. Auch mit dem kleinen Zwischenspiel "Wenn ich einmal traurig bin, trink ich noch 'nen Korn" sorgt er für Lacher im Publikum. Hannes Staffler, der dem Hagener Publikum noch als Jesus aus Webbers Jesus Christ Superstar in guter Erinnerung sein dürfte, glänzt in dem Bond-Song "Live and Let Die" mit einem action-geladenen Auftritt, der auch noch von Feuerfontänen auf der Bühne optisch unterstützt wird. Carina Sandhaus ist zum ersten Mal in Hagen zu erleben und begeistert vor allem in "Diamonds are a Girl's Best Friend" und dem melancholischen "Moonriver" aus Frühstück bei Tiffany. Auch als Tanzpaar Ginger Rogers und Fred Astaire macht sie mit Mattice zu "Cheek to Cheek" eine gute Figur, wobei ihre Registerwechsel im Refrain nicht ganz so glücklich wirken.

Nach diesem großartigen Abend will das Publikum natürlich nicht ohne Zugabe nach Hause geschickt werden, und so gibt es zum Abschluss noch "Always Look On the Bright Side of Life" aus Monty Pythons Das Leben des Brian. So endet der abwechslungsreiche und unterhaltsame Abend mit stehenden Ovationen für alle Beteiligten.

FAZIT

Dieser Abend dürfte sich wie schon Fly Me to the Moon zu einem absoluten Publikumsrenner entwickeln und für ausverkaufte Vorstellungen sorgen.



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Produktionsteam

Musikalische Leitung
Steffen Müller-Gabriel

Inszenierung
Thilo Borowczak
Ricardo Fernando

Choreographie
Ricardo Fernando

Bühne
Jan Bammes

Kostüme
Christiane Luz

Video
Volker Köster

Licht
Martin Gehrke

Chor
Wolfgang Müller-Salow

 

Philharmonisches Orchester Hagen

Chor des Theater Hagen

Ballett des Theater Hagen

Statisterie des Theater Hagen


Solisten

Marilyn Bennett
Carina Sandhaus
Richard van Gemert
Kenneth Mattice
Tillmann Schnieders
Hannes Staffler
Sami Seyhan

Klavier
Ana-Maria Dafova


Weitere Informationen
erhalten Sie vom
Theater Hagen
(Homepage)




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