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Rhapsodie und Rumba

Ballettabend von Robert North

Boom Boom (Neufassung
Musik von John Lee Hooker, B. B. King, Sonny Boy Williamson, Big Maceo, Albert Ammons, Pete Johnson,
The Persuasions und Little Walter

Rhapsodie (Uraufführung)
Musik von Franz Liszt

Rumba
Musik von Simon Rogers und Paco de Lucia (Entre dos aguas)

Aufführungsdauer: ca. 1h 50' (eine Pause)

Premiere im Theater Krefeld am 20. Februar 2016
(rezensierte Aufführung: 23.02.2016)

Homepage

Theater Krefeld-Mönchengladbach
(Homepage)
Liszt zwischen Blues und Rumba

Von Thomas Molke / Fotos von Matthias Stutte

Schon im Ballettabend Petruschka / Offenbach, der im Dezember in Krefeld Premiere hatte, spannte Ballettdirektor Robert North mit Jacques Offenbach und Igor Strawinsky musikalisch einen weiten Bogen. In seinem neuen Ballettabend geht er noch einen Schritt weiter und bettet Klavieretüden von Franz Liszt in amerikanische Blues-Klänge des 20. Jahrhunderts und die aus zahlreichen lateinamerikanischen Tanzformen entstandene spanische Rumba ein. Dabei klingt der Titel des Ballettabends Rhapsodie und Rumba wie ein Zweiteiler, besteht allerdings aus drei völlig unterschiedlichen Choreographien, die North teilweise überarbeitet, teilweise neu kreiert hat, so dass der Abend in dieser Kombination zwar - wie im Programmheft beschrieben - als Uraufführung bezeichnet werden kann, in Wirklichkeit aber nur einzelne Teile einen tatsächlichen Uraufführungs-Charakter haben. Anders als Bridget Breiner in Gelsenkirchen oder Ricardo Fernando in Hagen beschränkt sich North in diesem dreiteiligen Ballettabend auf eigene Choreographien, gibt aber dem Ensemble-Mitglied Takashi Kondo im zweiten Teil die Gelegenheit, eine eigene Choreographie von Franz Liszts La Campanella vorzustellen.

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Amelia Seth und Giuseppe Lazzara in Boom Boom

Den Anfang macht eine Neufassung von Norths Boom Boom, das 2003 in Saint-Étienne uraufgeführt und nun mit dem Ballett-Ensemble neu einstudiert worden ist. Zu Songs von zahlreichen Musikern, die den Blues im letzten Jahrhundert geprägt haben, lässt North von insgesamt fünf Tänzerinnen und fünf Tänzern kleine individuelle Geschichten erzählen, zu denen ihn die Song-Texte inspiriert haben. Dabei strahlen die Tänzerinnen und Tänzer in modernem Ausdruckstanz eine ungemeine Lebensfreude aus, die das Publikum bei den einzelnen Songs in gute Laune versetzt. Schon beim ersten Song "Texas Stomp" von Big Maceo begeistert Paolo Franco durch enorme Körperspannung, wenn er zunächst allein in einem Lichtstrahl auf der Bühne steht und dann mit zwei weiteren Tänzern in legerer Arbeiterkleidung einer feinen jungen Dame den Hof macht. Große Komik entfalten auch Abine Leao Ka, der bei seinem Flirt mit diversen Tänzerinnen langsam die Übersicht verliert, und Amelia Seth, die in schrillem Outfit den Herren der Schöpfung gegenüber ihren Standpunkt sehr deutlich vertritt. So ist dieser erste Teil eine gelungene Hommage an den Blues, bei dem sich die von den Tänzerinnen und Tänzern ausgedrückte Lebensfreude auf das Publikum überträgt.

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La Campanella: Yasuko Mogi als "Glöckchen" mit Giuseppe Lazzara

Der zweite Teil Rhapsodie ist die eigentliche Uraufführung. Als North vor einiger Zeit in Japan für eine Vorstellung drei kurze Pas de deux auf Klavierstücke von Franz Liszt choreographiert hatte, kam ihm die Idee, dies in Europa für seine Compagnie auszubauen. So wählte er insgesamt acht Klavierstücke von Liszt aus, zu denen er unterschiedliche Geschichten erfand. Am Anfang steht Liszts Etüde La Campanella (Das Glöckchen), die von hochrangigen Klaviervirtuosen bei Konzerten gern als Zugabe gegeben wird. Takashi Kondo, der dieses Stück in Szene setzt, lässt mit der Tänzerin Yasuko Mogi dieses Glöckchen darstellerisch lebendig werden. Nachdem Giuseppe Lazzara mit zwei Glocken das Thema der Etüde angespielt hat, öffnet sich der Vorhang, und auf der Bühne befindet sich André Parfenov am Flügel, der mit unglaublicher Präzision La Campanella interpretiert. Was seine Hände bei diesem Stück leisten, lässt den Zuschauern regelrecht den Atem stocken. Für seine Interpretation erntet er im Anschluss tosenden Applaus. Doch auch Mogi glänzt in diesem Stück, wenn sie im Glöckchen-Kostüm in filigranem Spitzentanz über die Bühne wirbelt und mit ihren Drehungen und Pirouetten das Klingeln des Glöckchens optisch untermalt. Lazzara steht ihr dabei als verlässlicher Partner zur Seite.

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Au Lac de Wallenstadt: Pas de quatre: von links: Giuseppe Lazzara, Elisa Rossignoli, Victoria Hay und Paolo Franco

Einen weiteren Höhepunkt stellt die Umsetzung der Etüde Un Sospiro (Ein Seufzer) dar. Victoria Hay und Takashi Kondo nehmen als zwei Konzertbesucher auf zwei Stühlen neben dem Flügel Platz und lauschen zunächst Parfenovs Spiel, bevor sie von der Musik so aufgesogen werden, dass es sie nicht mehr auf ihren Sitzen hält und sie in einem bezaubernden Pas de deux ihren Gefühlen freien Lauf lassen. Wenn Hay dann am Ende Kondo das Programmheft überreicht und ihn allein zurücklässt, bekommt die Geschichte einen leicht melancholischen Beigeschmack. Für das nächste Stück werden zwei Bühnenelemente und eine verhüllte Skulptur auf die Bühne gefahren, die eine Parklandschaft andeuten. Hier treffen sich zunächst Elisa Rossignoli und Paolo Franco zu einem Rendezvous zu Feuilles d'album (Albumblatt), bevor sie dann zu Au Lac de Wallenstadt (Am See von Wallenstadt) Victoria Hay und Giuseppe Lazzara als weiterem Paar begegnen und ein ausgelassenes Pas de quatre bieten. Der zweite Teil endet mit der Etüde Mazeppa, in der Mogi und Kondo ein Paar darstellen, das Höhen und Tiefen einer Beziehung durchlebt. Während die beiden zu Beginn eine Auseinandersetzung austragen, scheinen sie im Mittelteil zueinander zu finden, bevor dann am Schluss erneut ein Kampf um die Vormachtstellung beginnt. Das Publikum ist von den einzelnen Szenen und Parfenovs musikalischer Begleitung so begeistert, dass es nach jedem einzelnen Stück Applaus gibt.

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Finale in Rumba: Ensemble

Den letzten Teil des Abends, Rumba, choreographierte North 1984 in Birmingham für das Ballet Rambert, damals unter dem Titel Entre dos aguas. Mit den beiden Wassern sind Flamenco und Jazz gemeint, die in der Rumba zusammenfließen. Auch hier bestechen die farbenfrohen Kostüme, für die Udo Hesse und Andrew Storer verantwortlich zeichnen. Aus dem Damen-Ensemble ragt eine Frau in Rot (Karine Andrei-Sutter) heraus, die zunächst im Gegensatz zu den anderen Frauen in einer roten Hose auftritt. Gemeinsam mit dem Mann in Schwarz (Raphael Peter) erinnert sie ein wenig an das rote Tuch, das beim Stierkampf in der Arena den Stier lockt. So bringt auch sie die Männer auf der Bühne in Wallungen. Andrei-Sutter und Peter begeistern bei ihren Soli durch enorme Körperspannung und großartigen Ausdruck. Wenn dann die einzelnen Elemente aus Modern Dance, Flamenco und Jazz Dance in einer traditionellen Rumba münden, in der dann das ganze Ensemble durch homogenen Tanz besticht, wird man als Zuschauer so in den Bann der Musik gezogen, dass man am liebsten aufstehen und mittanzen möchte. So gibt es auch nach diesem Teil frenetischen Beifall für alle Beteiligten.

FAZIT

Robert North präsentiert mit seinem Ensemble musikalisch und tänzerisch eine große Bandbreite von klassischem Tanz bis zu modernen Ausdrucksformen.

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Produktionsteam

Choreographie
Robert North

Bühne und Kostüme
Udo Hesse

Kostüme
Andrew Storer

Dramaturgie
Regina Härtling


Boom Boom

Tänzerinnen und Tänzer

*rezensierte Aufführung

Damen
Karine Andrei-Sutter
Irene van Dijk
Teresa Levrini
Polina Petkova
Amelia Seth

Herren
Marco Antonio
Alessandro Borghesani
Paolo Franco
Abine Leao Ka
Raphael Peter

 

Rhapsodie

Choreographie La Campanella
Takashi Kondo

Flügel
André Parfenov

Tänzerinnen und Tänzer

La Campanella (Das Glöckchen)
Yasuko Mogi
Giuseppe Lazzara

En Rêve (Im Traum)
Elisa Rossignoli

Toccata
Paolo Franco

Un Sospiro (Ein Seufzer)
Victoria Hay
Takashi Kondo

Caroussel de Madame P-N
Paolo Franco

Feuille d'album (Albumblatt)
Elisa Rossignoli
Paolo Franco

Au Lac de Wallenstadt
(Am See von Wallenstadt)

Victoria Hay
Elisa Rossignoli
Paolo Franco
Giuseppe Lazzara

Mazeppa
Yasuko Mogi
Takashi Kondo

Herren
Marco Antonio
Luca Ponti
Robin Perizonius
Radoslaw Rusiecki

 

Rumba

Tänzerinnen und Tänzer

Der Mann in Schwarz
Alessandro Borghesani /
*Raphael Peter

Die Frau in Rot
Elisa Rossignoli /
*Karine Andrei-Sutter

Damen
Irene van Dijk
Victoria Hay
Teresa Levrini
Cecile Medour
Polina Petkova
Amelia Seth

Herren
Marco Antonio
Paolo Franco
Giuseppe Lazzara
*Abine Leao Ka /
Robin Perizonius
Raphael Peter /
*Alssandro Borghesani
*Luca Ponti /
Radoslaw Rusiecki


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Mönchengladbach

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