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La scuola de' gelosi
(Die Schule der Eifersüchtigen)

Dramma giocoso per musica in zwei Akten
Libretto von Caterino Mazzolà
Musik von Antonio Salieri

In italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln

Aufführungsdauer: ca. 3 h 20' (eine Pause)

Konzertante Aufführung im Bayer Kulturhauses am 20. Dezember 2015

 

 

(Homepage)

Es lebe die Ehe?

Von Thomas Molke / Fotos folgen

Antonio Salieri ist heutzutage den meisten nur noch als missgünstiger Rivale Mozarts ein Begriff, der auch an Mozarts Ableben nicht unbeteiligt gewesen sein soll. Was man allerdings vor allem aufgrund der berühmten Verfilmung des Dramas Amadeus  von Peter Shaffer über Mozarts älteren Kollegen zu wissen glaubt, basiert auf einem Gerücht, das der Sänger Calisto Bassi verbreitet hat und dessen Wahrheitsgehalt heute nicht mehr überprüft werden kann. Auf den Opernbühnen führt Salieri immer noch ein Schattendasein, obwohl seit einiger Zeit versucht wird, seine Musik wieder mehr in den Mittelpunkt zu rücken. So hat beispielsweise Cecilia Bartoli vor einigen Jahren ein Album mit Musik von Salieri veröffentlicht. Werner Ehrhardt widmet sich mit dem vor zehn Jahren von ihm gegründeten Orchester l'arte del mondo nun ebenfalls diesem zu Unrecht vernachlässigten Komponisten und bringt in einer konzertanten Aufführung erstmals in der Neuzeit Salieris komische Oper La scuola de' gelosi zur Aufführung, mit der Salieri nicht nur in ganz Europa riesige Erfolge feierte, sondern die sowohl musikalisch als auch inhaltlich Pate für Mozarts Così fan tutte und Le nozze di Figaro gestanden haben dürfte. Die Produktion wird für eine CD-Aufnahme vom WDR mitgeschnitten.

Die Uraufführung erlebte dieses Werk bereits in der Karnevalssaison 1779 in Venedig. Salieri hatte 1778 Wien Richtung Italien wieder verlassen und komponierte dort unter anderem die komische Oper La scuola de' gelosi auf ein Libretto von Caterino Mazzolà. Der große Erfolg führte dazu, dass das Werk einen Siegeszug durch ganz Europa antrat. Die bedeutendste Aufführung dürfte es 1783 am Burgtheater in Wien erlebt haben. Es scheint offensichtlich, dass die Figurenkonstellation - Graf stellt anderen Frauen nach, während die Gräfin an ihrer Eifersucht leidet - Einfluss auf Da Pontes Charakterzeichnung des adeligen Paares in Le nozze di Figaro gehabt hat. Auch scheint der Untertitel von Così fan tutte, La scuola degli amanti, auf den Titel von Salieris Oper anzuspielen. In beiden Fällen gibt es auch einen Drahtzieher. Während Don Alfonso in Così fan tutte allerdings den beiden Paaren erst einmal die Abgründe der Eifersucht offenbaren und den Glauben an die Treue als Illusion entlarven muss, steht die Eifersucht in Salieris Oper bei beiden Paaren von Anfang an im Raum. Hier ist es der Leutnant Tenente, der den Paaren helfen muss, ihre Eifersucht zu überwinden und wieder zueinander zu finden.

Auch wenn es sich um eine konzertante Aufführung handelt, werden szenische Elemente eingebaut, die die Handlung unterstreichen. Neben dem Cembalo steht auf der linken Bühnenseite eine rechteckige weiße Säule, auf der jeweils der Ort der Handlung angegeben ist und die von Massimaliano Toni (Cembalo) für die einzelnen Szenenwechsel gedreht wird. Auf der rechten Seite enthält die weiße Säule vier Bilder, die der Graf der Gräfin und dem Kaufmann Blasio in seiner Gemäldegalerie zeigt, um sich über deren Eifersucht lustig zu machen. Wenn Federico Sacchi während der Ouvertüre, die im Duktus stark an Mozart erinnert, auftritt, hat er eine Pistole in der Hand, um zu demonstrieren, dass er seine Frau misstrauisch bewacht. Musikalisch ist die Partie des Kaufmanns eine großartige Buffo-Partie, die von Sacchi mit großem Humor und beweglicher Stimmführung umgesetzt wird. Mit großem Ausdruck gestaltet er seine Auftrittsszene, in der er sein Leid darüber klagt, dass man den Frauen nicht trauen kann. Florian Götz steht ihm als gewitzter Diener Lumaca mit frischem Spieltenor zur Seite. Milena Storti ist als vorwitzige Dienerin Carlotta nicht gewillt, den Launen des Kaufmannes weiter zu folgen. Sie quittiert ihren Dienst, gerät bei der Gräfin allerdings vom Regen in die Traufe. Storti begeistert mit kokettem Spiel und warmem Mezzo.

Roberta Mameli überzeugt als Blasios Ehefrau Ernestina mit lyrischem Sopran und strahlenden Höhen. Sie legt die Partie darstellerisch ein wenig zickig an, da sie von den ständigen Beschuldigungen ihres Mannes genervt ist. Dennoch ist sie eigentlich nicht willens sich auf eine Liaison mit dem Grafen einzulassen. Besonders begeistert Mameli in ihrer Arie im ersten Akt, in der sie ihrer Wut mit sprudelnden Koloraturen freien Lauf lässt. Doch wenn sich Blasio dann plötzlich gar nicht mehr für sie interessiert und ihr alle Freiheiten lässt, ist es ihr auch nicht recht, zumal sie nun selbst vermutet, die Betrogene zu sein. Von großer Komik zeugt die Szene, in der sie Blasio mit dem Grafen im zweiten Akt in einem Wald bei einem Rendezvous überraschen will und von ihm durch ein fingiertes Echo hereingelegt wird. Mit strahlenden Höhen begeistert auch Francesca Lombardi Mazzulli als Gräfin. Hervorzuheben ist ihre große Eifersuchtsarie am Ende des ersten Aktes, in der sie in atemberaubenden Koloraturen ihrer Wut und ihrem Wunsch nach Rache freien Lauf lässt. Auch sie lernt vom Leutnant, dass es sinnvoller ist, ihren Gatten eifersüchtig zu machen, als ihn mit ihrem ständigen Misstrauen zu langweilen.

Emanuele d'Aguanno stattet den Grafen mit einem weichen lyrischen Tenor aus und mimt darstellerisch überzeugend den Schwerenöter, der stets einer neuen Eroberung hinterherjagt, das Interesse an seiner eigenen Frau allerdings verloren hat. Erst als sie scheinbar mit dem Leutnant flirtet, gewinnt auch sie wieder an Bedeutung für ihn. Musikalisch bemerkenswert sind seine Eroberungsarie im ersten Akt und sein Plädoyer für freie Liebe im zweiten Akt. Patrick Vogel überzeugt als Leutnant Tenente mit sauberem Tenor. Erwähnenswert ist seine große Arie im zweiten Akt, in der er den eifersüchtigen Paaren einen guten Rat gibt. Auch die Ensemble-Szenen stellen unter Beweis, welch musikalisches Potenzial in diesem Werk steckt. Das Finale im ersten Akt, in dem alle im Irrenhaus landen, weil sie sich wegen ihrer Eifersucht regelrecht toll benehmen, strotzt vor musikalischem Verve. Zur Unterstreichung der Szene treten die Solisten hierbei mit Masken auf. Auch das große Quintett im zweiten Akt, in dem die beiden Paare ihrer Wut freien Lauf lassen und das Spiel des Leutnants aufgeht, bietet beste Unterhaltung. Wenn Carlotta und die Gräfin im ersten Akt als vermeintliche Zigeunerinnen auftreten, um dem Grafen und Ernestina die Zukunft zu prophezeien, werden in dieser Szene optische Akzente durch schwarze Tücher gesetzt.

Werner Ehrhardt arbeitet mit dem Barock-erfahrenen Orchester l'arte del mondo die Feinschichtigkeit von Salieris Musik in zahlreichen Nuancen heraus und hat auch in den Rezitativen kleine Anspielungen auf Mozart und Beethoven eingebaut, die so sicherlich nicht bei den damaligen Aufführungen des Werkes zu hören waren. So gibt es am Ende großen und begeisterten Applaus für alle Beteiligten.

FAZIT

Es bleibt zu hoffen, dass man weiter fortfährt, Salieris Opern wiederzuentdecken. Wer den Abend verpasst hat, sollte sich auf jeden Fall die CD besorgen, die bei SONY / Deutsche Harmonia Mundi erscheinen wird.


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Produktionsteam

Musikalische Leitung
Werner Ehrhardt

 

l'arte del mondo


Solisten

Conte di Bandiera
Emanuele d'Aguanno

Contessa
Francesca Lombardi Mazzulli

Blasio, ein Kaufmann
Federico Sacchi

Ernestina, seine Frau
Roberta Mameli

Lumaca, Bediensteter
Florian Götz

Carlotta, Bedienstete
Milena Storti

Tenente, Leutnant
Patrick Vogel


Weitere Informationen
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Bayer Kultur

(Homepage)



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