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The Gods Must Be Crazy

Opernpasticcio aus der barocken Götterwelt
Idee von Kobie van Rensburg
Musik von Georg Friedrich Händel und Henry Purcell

in englischer Sprache mit deutschen Übertiteln

Aufführungsdauer: ca. 1h 10' (keine Pause)

Premiere im Studio im Theater Mönchengladbach am 19. Mai 2016

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Theater Krefeld-Mönchengladbach
(Homepage)
Händels Semele in Kurzform

Von Thomas Molke / Fotos von Matthias Stutte

In den vergangenen Jahren hat das Opernstudio Niederrhein seinen Mitgliedern die Möglichkeit gegeben, einerseits in kleineren Partien im Großen Haus Praxiserfahrungen zu sammeln und andererseits in Meisterkursen und Workshops von prominenten Gesangspädagogen, zu denen unter anderem Cheryl Studer und Helen Donath zählten, zu profitieren. Nun haben die jungen Solisten den Wunsch geäußert, einen Meisterkurs für die Interpretation der Barockmusik zu belegen, und dafür hat man mit Kobie van Rensburg einen prädestinierten Künstler gefunden. Van Rensburg hat nicht nur während seiner Tenorlaufbahn große Erfolge im Repertoire der Alten Musik gefeiert, sondern setzt auch mit seinen Inszenierungen durch eine ausgefeilte Videotechnik bereits seit einigen Jahren Zeichen. Zu nennen sind hier seine Bearbeitungen der beiden Händel-Oratorien Il Trionfo del Tempo e del Disinganno 2010 am Landestheater Niederbayern und La Resurrezione im Goethe-Theater Bad Lauchstädt bei den Händel-Festspielen 2012 (siehe auch unsere Rezension). Auch am Theater Krefeld-Mönchengladbach ist van Rensburg mit seinen Videoanimationen kein Unbekannter mehr, hat er hier doch bereits Mozarts Le nozze di Figaro, Don Giovanni und Rossinis Il barbiere di Siviglia in Szene gesetzt. Für die Mitglieder des Opernstudios hat er nun, wie er es selbst nennt, ein "Opernpasticcio" mit Musik von Georg Friedrich Händel und Henry Purcell zusammengestellt. Der Titel mag dabei an die botswanische Filmkomödie aus dem Jahr 1980 erinnern, die damals im Kino große Erfolge feierte. Inhaltlich handelt es sich allerdings eher um eine Kurzfassung von Händels Oratorium Semele.

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Jupiter (James Park) liebt Euromelista (Amelia Müller).

In diesem Oratorium hat Göttervater Jupiter ein Verhältnis mit Semele, der Tochter des Königs von Theben und der Göttin der Eintracht. Im Gegensatz zu anderen sterblichen Geliebten Jupiters ist Semele stolz auf ihre Beziehung zu dem höchsten Gott und erwartet sogar ein Kind von ihm. Jupiters Frau Juno ist eifersüchtig auf die Geliebte ihres Mannes und will sie vernichten. Deshalb sucht sie Semele in Gestalt einer alten Amme auf und überredet sie, Jupiter zu bitten, sich in seiner ganzen göttlichen Pracht zu zeigen. Semele entlockt Jupiter das Versprechen, ihr jeden Wunsch zu erfüllen, und fordert ihn dann auf, ihr als Gott zu nahen, ohne zu wissen, dass sie bei seinem Anblick verbrennen muss. Jupiter kann seinen Schwur nicht rückgängig machen und führt damit gegen seinen Willen Semeles Tod herbei. Auch wenn van Rensburg in groben Zügen dieser Geschichte folgt, nennt er Jupiters Geliebte Euromelista, was eine Kombination aus Europa, Semele, Calisto und Alkmene sein soll. Mit Alkmene hat sie gemeinsam, dass sie einen eifersüchtigen Gatten, Nondonis, hat, der sie des Ehebruchs bezichtigt, den Euromelista im Gegensatz zu Alkmene allerdings auch bewusst begangen hat. Auf Europa wird vielleicht angespielt, wenn Euromelista über das Meer fährt, wobei Juno nicht mit Hilfe von Neptun versucht hat, ihre Rivalin Europa zu ertränken. Der Bezug zu Calisto besteht darin, dass Jupiter Euromelista nach ihrem Tod einen Platz am Sternenhimmel zuweist. Musikalisch ist das Werk zusammengestellt aus Händels Oratorien Hercules, Semele, Theodora, Samson, Alexander Balus, Esther, Henry Purcells Oper Dido and Aeneas und dem ebenfalls Purcell zugeschriebenen Werk The Tempest.

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Euromelista (Amelie Müller) droht, in den Fluten des Meeres zu ertrinken.

Für die Videoanimation verwendet van Rensburg das Blue Screen Verfahren. So tritt Jupiter beispielsweise in seiner ersten Arie vor eine blaue Leinwand und wird durch eine Kamera zunächst auf einen Sternenhimmel projiziert, durch den er mit Engelsflügeln zur Erde hinabfliegt. Dabei sorgt ein Statist im blauen Anzug dafür, dass man in der Projektion sogar das Gefühl hat, dass Jupiters langes Gewand im Wind weht. Auch wenn Euromelista nach dem Kentern ihres Bootes im Meer zu ertrinken droht, wird die Szene durch den Einsatz dieser Technik beeindruckend umgesetzt. Als Bühnenbild vor der Projektionsfläche reicht ein weißes Podest, das als Bett dient. Ob die diversen Sexspielzeuge, die Euromelista unter ihrem Kopfkissen aufbewahrt, wirklich erforderlich sind, ist Ansichtssache. Wenn sie sich mit Jupiter im Bett vergnügt, wird das Bett auf die Leinwand projiziert, und Euromelista "legt" sich hinein, während Jupiter zum einen durch die Leinwand zu ihr ins Bett schlüpft, in Projektionen aber dann auch noch über, neben und auf Euromelista an der Wand auftaucht. Beeindruckend gelingt auch der Kampf zwischen Jupiter und seinem Bruder Neptun, wenn er dessen Toben mit einem Blitzstrahl Einhalt gebietet.

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Jupiter (James Park, links) im Kampf mit seinem Bruder Neptun (Shinyoung Yeo, rechts)

Dramaturgisch unklar bleibt, wieso Juno nach dem missglückten Versuch, Euromelista im Meer zu ertränken, den Entschluss fasst, eine Elfe zu Euromelista zu schicken, die in der jungen Frau einen Zweifel wecken soll, dass ihr Geliebter tatsächlich der Göttervater ist. Gespielt wird diese Elfe, die sich als Euromelistas Schwester Hermione ausgibt, von der gleichen Darstellerin wie Juno. Von daher hätte man hier auch dem Semele-Mythos folgen können und Juno in Verkleidung auftreten lassen. Wenn Hermione Euromelistas Schönheit preist, wird das Bett zur Projektionsfläche, auf der Euromelista ihr Antlitz erblickt. Auf der Leinwand sieht man durch drei alte Torbögen eine pittoreske Landschaft mit einem Wasserfall. In den Bögen taucht dann Euromelista in zahlreichen verschiedenen Kostümen als Projektion auf. Da verwundert es nicht, dass die junge Frau übermütig wird und Jupiter gegenüber den fatalen Wunsch äußert. Natürlich wird auch Euromelistas Zerfall in Asche in der Projektion beeindruckend umgesetzt. Wenn Jupiter am Ende beschließt, seine verstorbene Geliebte mit Apollos Hilfe wieder auferstehen zu lassen und sie als Stern an den Himmel zu setzen, tritt sie mit einem langen weißen Gewand auf und wird mit einer leuchtenden Kette den Göttern gleichgestellt. In einem Quartett besingt sie mit den Göttern das glückliche Ende.

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Juno (Dimitra Kalaitzi-Tilikidou) ruft die Furien zu Hilfe.

Mit Ausnahme von Dimitra Kalaitzi-Tilikidou handelt es sich bei den Solisten um Mitglieder des Opernstudios Niederrhein. Kalaitzi-Tilikidou stattet Jupiters Gattin Juno mit kräftigem Mezzosopran aus und verleiht der betrogenen Ehefrau des Göttervaters auch darstellerisch Autorität. Van Rensburg dichtet für sie eine Arie der Sorceress aus Purcells Dido and Aeneas um, wenn sie beschließt, mit drei Furien, die Nebenbuhlerin zu vernichten. Als Hermione wechselt sie dann die Perücke und lullt mit schmeichlerischen Tönen im Duett mit Amelie Müller als Euromelista die Rivalin ein, bevor Müller dann Semeles große Arie "Myself I shall adore" präsentiert. Dabei beweist Müller in den Koloraturen große Beweglichkeit und punktet durch sauber angesetzte Spitzentöne. Shinyoung Yeo hält als eifersüchtiger Gatte Nondonis mit markantem Bass dagegen, auch wenn ihm in den schnellen Läufen noch ein bisschen die Flexibilität fehlt. Als Meeresgott Neptun macht er mit schwarzen Tiefen eine imposante Figur. Dagegen wirkt James Park als Göttervater Jupiter mit seinem leichten Tenor fast ein wenig zu brav. Darstellerisch hingegen überzeugt er als Liebhaber. Yorgos Ziavras, ebenfalls Mitglied des Opernstudios, leitet am Cembalo die fünf Musiker der Niederrheinischen Sinfoniker mit sicherer Hand durch den Abend, so dass es am Ende großen Applaus für alle Beteiligten gibt.

FAZIT

Die Produktion bereitet musikalisch großen Spaß und beeindruckt durch eine Videoanimation, die mit der Szene eine überzeugende Einheit eingeht.

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Produktionsteam

Musikalische Leitung
Yorgos Ziavras

Inszenierung, Ausstattung und Video
Kobie van Rensburg

Dramaturgie
Andreas Wendholz


Mitglieder der
Niederrheinischen Sinfoniker


Solisten

*Premierenbesetzung

Jupiter
James Park

Euromelista
Amelie Müller

Nondonis, ihr Ehemann
Shinyoung Yeo

Juno, Jupiters Ehefrau
Manon Blanc-Delsalle /
*Dimitra Kalaitzi-Tilikidou

Neptun / Apollo
Shinyoung Yeo

Hermione, Euromelistas Schwester
Manon Blanc-Delsalle /
*Dimitra Kalaitzi-Tilikidou

Drei Furien
Amelie Müller
James Park
Shinyoung Yeo

 


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Mönchengladbach

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