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Musiktheater
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Fidelio

Oper in zwei Aufzügen
Text von Joseph Sonnleithner und Friedrich Treitschke
frei nach der französischen Vorlage von Jean Nicolas Bouilly
Musik von Ludwig van Beethoven


In deutscher Sprache, keine Übertitel

Veranstaltungsdauer: ca. 2h 45' (eine Pause)

Premiere an der Staatsoper Unter den Linden im Schillertheater am 3. Oktober 2016


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Staatsoper Berlin
(Homepage)
In der Sackgasse

Von Roberto Becker / Fotos von Bernd Uhlig

Langsam gehen der Staatsoper in Berlin die staatstragenden Stücke aus, um die Lindenoper standesgemäß wiederzueröffnen. Die ursprünglich mal für diesen Anlass gedachten Meistersinger von Nürnberg sind im letzten Jahr schon im Schillertheater gelaufen. Auch Ludwig van Beethovens Fidelio erging es jetzt wieder so. Bleibt eigentlich nur noch der Freischütz als Reserve …

Was bei dem aktuellen Fidelio, es ist die laufende Nummer 5 der Harry-Kupfer-Inszenierungen dieses Stückes, freilich auch besser so ist. Käme das Scheinwerferlicht einer Hauseinweihung noch zu dem dazu, das eine Premiere am Nationalfeiertag hat, würde das in diesem Falle eine Peinlichkeit über Gebühr ausleuchten. Traurig, dass man es bei einem Altmeister der Opernbühne sagen muss - das war einfach nichts, was man mit dem Namen Kupfer verbinden möchte. Rumstehtheater mit Zeigefinger. Und nicht mal das Minimum an Personenregie, die es sonst bei ihm immer gibt.

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Fidelio, Rocco, Marzelline, Jaquino

Dass Kupfer mittlerweile 81 Jahre alt ist, kann der Grund nicht sein. Wer den Rosenkavalier so wie er in Salzburg auf der Breitbandbühne hinbekommt oder sich einen Glinka wie in Frankfurt neu erschließt, der kann es schon noch. Es kann halt trotzdem schief gehen. Wobei ‚gehen' schon eine übertreibende Assoziation weckt. Und das lag nicht an den beiden Veteranen im Ensemble. Matti Salminen als Kerkermeister Rocco ist eine Bass-Legende. Was er aber auch einsetzen muss, um seine Rolle stimmlich auszufüllen. Und Falk Struckmann als Pizarro, der Bösewicht vom Dienst, hat die Rolle auch schon in der Kupfer-Inszenierung von 1995 gesungen. Er überrascht, weil er sich einen Sprachduktus verordnet hat, der funktioniert, um seine gesprochenen Passagen in eine forcierte Künstlichkeit zu retten, die alle anderen leider nicht erreichen. Da bleibt es bei der üblichen Peinlichkeit, wenn Sänger mit Pathos sprechen. Leider gerade auch bei Camilla Nylund, die eine schöne, aber nicht wirklich dramatisch voll überzeugende Leonore singt. Andreas Schager immerhin überzeugt als Florestan. Wie üblich ist seine Stimme vom ersten Ton an da und hält das mit Frische, Sicherheit und Strahlkraft durch. Eher unauffällig bleiben Evelin Novak als Marzelline und Florian Hoffmann als Jaquino, was wohl eher an der Regie liegt, die mit diesen beiden so gut wie gar nichts anzufangen weiß. Das ganze Drama von Marzelline, die sich Jaquino vom Leibe hält und sich in den "falschen" Mann Fidelio verliebt, führt nicht zu mehr als einem bedröppelten Seitenblick beim Finale.

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Gefangenenchor mit Gefängniswand

Den Minister, der am Ende alles ins Lot bringt, damit alle andern an der Rampe jubeln können, lässt Kupfer gleich in der Sphäre des konzertanten Gegenentwurfs zur Handlung. Roman Trekel kommt wie zum Liederabend, auch die Gefangenen haben auf Zivil umgeschaltet und hinter ihnen hängt wieder der Prospekt mit dem Blick auf die Pracht des Goldenen Saals des Wiener Musikvereins, der nach dem Verklingen der Ouvertüre schon einmal kurz zu sehen war, dann aber den Blick auf eine graue, vollgekritzelte Gefängniswand freigab. Politisch wird es bei Kupfer gleichwohl kaum. Wenn es pathetisch wird, dann greifen die Sänger zu den Klavierauszügen und reden sich damit auf die Musik heraus. Einmal macht das Effekt. Wenn es sich dauernd wiederholt, nutzt es sich ab. Diese fingerzeigende Distanz war schon zu ahnen, als in der Ouvertüre ein Lichtstrahl auf eine Beethoven-Büste auf dem Konzertflügel fiel. Kupfer jedenfalls ist die Enttäuschung des Abends.

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Friede, Freude……im Wiener Musikverein

Allerdings ist die Zahl überzeugender Fidelio-Inszenierung ohnehin überschaubar. Irgendwie geht immer etwas daneben. Mehr oder weniger. Und ganz gleich, ob man den immer etwas peinlichen Dialogen auf dem Fuße folgt und sie ausstellt (wie z.B. Jossi Wieler, der damit exemplarisch gescheitert ist) oder ob man sie ganz eliminiert, wie Claus Guth in Salzburg, dem freilich auch viele die Gefolgschaft verweigert haben.

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Wenigstens eine Pistole hat sie dabei: Leonore hält Pizarro in Schach

Daniel Barenboim und die Staatskapelle sind die Überraschung des Abends. Er folgt seinem eigenen Stern und triumphiert auf seine eigene Weise. Das fängt schon mit der selten zu hörenden Leonoren-Ouvertüre II an. Sie erklang zur Uraufführung der ersten Fidelio-Version 1805. Barenboim und der Staatskapelle gelingt sie schlichtweg atemberaubend, sie bauen Spannung aus dem Nichts auf und halten das durch. Natürlich lässt er Triumph zu, im Gedächtnis bleiben die hochsensiblen Piani, die Crescendi aus dem Nichts und der romantische Grundton, den Barenboim selbst dem ausgestellten Jubel am Ende beimischt.

FAZIT

Einem szenisch herb enttäuschenden Fidelio von der Stange von Harry Kupfer verleihen Daniel Barenboim, die Staatskapelle und Andreas Schager musikalischen Glanz.


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Produktionsteam

Musikalische Leitung
Daniel Barenboim

Inszenierung
Harry Kupfer

Mitarbeit Regie
Derek Gimpel

Bühne
Hans Schavernoch

Kostüme
Yan Tax

Licht
Olaf Freese

Chor
Martin Wright

Dramaturgie
Detlef Giese


Staatsopernchor Berlin

Staatskapelle Berlin


Solisten

Don Fernando
Roman Trekel

Don Pizarro
Falk Struckmann

Florestan
Andreas Schager

Leonore
Camilla Nylund

Rocco
Matti Salminen

Marzelline
Evelin Novak

Jaquino
Florian Hoffmann



Weitere Informationen
erhalten Sie von der
Staatsoper Unter den Linden Berlin
(Homepage)



Da capo al Fine

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