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Bei einem Tee à deux

Festliche Operettengala

in deutscher und englischer Sprache

Aufführungsdauer: ca. 2h 35' (eine Pause)

Premiere im Opernhaus Dortmund am 18. September 2016
(rezensierte Aufführung: 01.10.2016)




Theater Dortmund
(Homepage)
Ein Hoch auf die Operette

Von Thomas Molke / Fotos von Thomas Jauk (Stage Picture)

"Wir sind alles, weil wir es können." Mit diesem Slogan wirbt derzeit die Oper Dortmund für die Spielzeit 2016 / 2017, die im Bereich der Oper ein breites Spektrum von Mozarts Zauberflöte bis zu Philip Glass' Einstein on the Beach abdeckt und auch die Musical- und Operettensparte bedient. Um bei letzterer den Begriff "alles" zu rechtfertigen, gibt es mittlerweile zum dritten Mal eine Operettengala, in der Publikumsliebling Hannes Brock mit einem breit gefächerten Potpourri die Vielfalt dieser häufig zu Unrecht verschmähten Gattung präsentiert. Und da sich die letzten beiden Produktionen, Die ganze Welt ist himmelblau vor drei und Der Himmel hängt voller Geigen vor zwei Jahren, so großer Beliebtheit erfreut und für nahezu ausverkaufte Vorstellungen gesorgt haben, steht die diesjährige Gala direkt drei Mal auf dem Spielplan. Ob das reicht, ist fraglich, da auch bei der zweiten Vorstellung fast alle Plätze im Saal besetzt sind. Natürlich ist auch im diesem Jahr der Titel wieder einer Operette entlehnt. Dieses Mal wird das Publikum gewissermaßen stellvertretend für den chinesischen Prinzen Sou-Chong aus Franz Lehárs Das Land des Lächelns von Lisa, der Tochter des Grafen Lichtenfels, zu einem Tee à deux eingeladen.

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"Es muss was Wunderbares sein", denkt sich Ks. Hannes Brock als Leopold, doch Emily Newton scheint als Rössl-Wirtin Josepha anderer Meinung zu sein.

Kammersänger Hannes Brock führt als Moderator mit Witz und Charme durch den Abend und lässt es sich natürlich nicht nehmen, auch selbst zu singen und das Tanzbein zu schwingen. So gibt er im ersten Teil des Abends den Kammerdiener Leopold aus dem Weißen Rössl und himmelt Emily Newton mit "Es muss was Wunderbares sein" ebenso erfolglos an wie Leopold die Rössl-Wirtin Josepha. Dabei unterhält Brock nicht nur musikalisch, sondern kokettiert auch mit seinem Alter, wenn er feststellt, dass Musik jung halte und er gar nicht damit gerechnet habe, sich noch so flott aus dem Kniefall erheben zu können. An anderer Stelle erzählt er eine Anekdote aus seiner Zeit als junger Student, als er in Berlin in Altersheimen aufgetreten sei und sich eine ältere Bewohnerin die Ohren zugehalten habe, weil er in einem viel zu kleinen Raum mit vollem Pathos "Komm Zigan" aus der Gräfin Mariza geschmettert habe. Dieses Ereignis habe ihn allerdings für seinen weiteren Lebensweg abgehärtet. Danach habe er sich über Erfolg oder Misserfolg keine Gedanken mehr gemacht, solange die Gage gestimmt habe.

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Joshua Whitener als "Fliege" und Ashley Thouret als Eurydice im "Fliegenduett" aus Offenbachs Orpheus in der Unterwelt

Des Weiteren stellt Brock auf der Gala auch neue Ensemble-Mitglieder vor. Da ist zunächst der junge australische Bass Luke Stoker zu nennen, der bis zum Ende der letzten Spielzeit im Opernstudio der Oper Köln engagiert war und in Dortmund bereits als Räuberhauptmann Mattis in Ronja Räubertochter zu erleben war. An diesem Abend präsentiert er zunächst den Oberst Ollendorf mit dem berühmten Lied "Ach, ich hab' sie ja nur auf die Schulter geküsst" aus Millöckers Der Bettelstudent. Optisch und darstellerisch nimmt man ihm allerdings den alten Lustgreis nicht so richtig ab, und auch sein Bass klingt für diese Partie ein wenig zu jugendlich und brav. Da liegt ihm Jupiter aus Offenbachs Orpheus in der Unterwelt im zweiten Teil des Abends schon wesentlich besser. Im berühmten "Fliegenduett" sorgt er mit Ashley Thouret als lüsterner Eurydice für Stimmung im Haus, woran auch sein Outfit nicht ganz unschuldig sein dürfte. Brock weist darauf hin, dass man im Fundus zwar ein Fliegenkostüm gesucht habe aber nicht direkt fündig geworden sei. Das Publikum müsse halt ein bisschen Fantasie entwickeln. Und so stapft Stoker als gelber Käfer über die Bühne und begeistert mit witzigem Summen, bis er am Ende vor Thouret und einer riesigen Fliegenklatsche von der Bühne flieht.

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Emily Newton lädt Joshua Whitener zum "Tee à deux" ein.

Ein weiterer Neuzugang ist der Tenor Joshua Whitener, der sein Debüt bereits bei der Operngala der Cityring-Konzerte auf dem Friedensplatz gegeben hat. Mit einem bewegenden "Maria" aus Leonard Bernsteins West Side Story singt er sich in die Herzen der Zuschauer, so dass Emily Newton ihn im Anschluss direkt zu einem "Tee à deux" einlädt und ihm auf dem roten Sofa auf der linken Bühnenseite recht eindeutige Avancen macht. Neu im Ensemble ist auch die Mezzosopranistin Almerija Delic, die in Gounods Faust als Marthe zu erleben ist. Doch an diesem Abend ist sie leider erkrankt, so dass "Hör ich Zymbalklänge" aus Lehárs Zigeunerliebe entfallen muss. "Zufällig" entdeckt Brock allerdings Eleonore Marguerre im Publikum, die "natürlich" bereit ist, für die erkrankte Kollegin einzuspringen. Und da sie ja gerade als Margarethe in Dortmund zu erleben ist, lässt sie sich nicht lange bitten, die berühmte Juwelen-Arie aus Gounods Faust zum Besten zu geben. Schließlich sei das ja auch ein Walzer, so Marguerre, und passe deshalb gut in eine Operettengala. Mit ihren glockenklaren Koloraturen und schlanken Höhen macht sie damit direkt noch einmal Werbung für die Dortmunder Faust-Produktion.

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Morgan Moody als "Pirate King" mit dem Herrenchor des Theaters Dortmund und den Dortmunder Philharmonikern im Hintergrund

Als "alte Bekannte" wäre eigentlich Tamara Weimerich dabei gewesen, um zusammen mit Morgan Moody die berühmte Nummer "Ich hab' ein Diwanpüppchen" aus Abrahams Die Blume aus Hawaii zu präsentieren und damit schon einmal auf die Operettenproduktion hinzuweisen, die ab Januar 2017 in Dortmund auf dem Spielplan steht. Da Weimerich allerdings an diesem Abend erkrankt ist, ist Emily Newton kurzerhand eingesprungen und hat auch noch die Choreographie einstudiert. In dem berührenden Liebesduett "If I loved you" aus Richard Rodgers' Musical Carousel stellen Newton und Moody mit eindringlicher Interpretation ein weiteres Mal unter Beweis, dass sie auf der Bühne ein Traumpaar abgeben. Als Csárdásfürstin Sylva Varescu punktet Newton dann mit strahlenden Höhen und voluminöser Mittellage in dem berühmten Auftrittslied "Heia, heia, in den Bergen" zu Beginn des Abends und mit Fritz Steinbacher und Hannes Brock in "Jaj, Mamám" am Ende. Morgan Moody lässt als Piratenkönig aus der Operette von Gilbert & Sullivan, Die Piraten von Penzance, alte Erinnerungen an eine Dortmunder Produktion wach werden, die vor über 20 Jahren mit so großem Erfolg lief, dass sogar eine Zusatzvorstellung eingerichtet wurde. Brock erinnert sich noch an einen Abend, an dem es über 30 Minuten Schlussapplaus gegeben habe.

Ashley Thouret, Fritz Steinbacher und der gut aufgelegte Dortmunder Opernchor unter der Leitung von Manuel Pujol runden den Abend gelungen ab. Dabei beweisen die Damen des Chors großen Spielwitz, wenn sie leicht angetrunken mit Ashley Thouret zu "Fröhlich Pfalz" aus Zellers Vogelhändler ansetzen. Die Männer des Chors dürfen sich als wilde Piraten gebären, wenn Moody "I'm a Pirate King" präsentiert. Steinbacher überzeugt mit "Komm, Zigan" aus Kálmáns Gräfin Mariza und im Tenorduett mit Whitener, "Leise, ganz leise", aus Oscar Straus' Ein Walzertraum. Philipp Armbruster lässt mit den Dortmunder Philharmonikern das Publikum in regelrechter Operettenseligkeit schwelgen. Nachdem sich dann alle zum Finale mit "Schenkt man sich Rosen in Tirol" aus Zellers Vogelhändler versammelt haben, gibt es noch einmal eine Zugabe, die bereits bei der ersten Operettengala mit großer Begeisterung gefeiert worden ist: Der "Batavia-Fox" aus Künnekes Der Vetter aus Dingsda. Adriana Naldoni hatte dafür, wie Brock es damals in seiner Anmoderation nannte, eine "herrlich bescheuerte" Choreographie erarbeitet, die auch drei Jahre später noch funktioniert. Da hierfür aber drei Solistinnen benötigt werden und Tamara Weimerich krankheitsbedingt fehlt, ist kurzerhand Sarah Wilken eingesprungen, die ab nächste Woche in der Musical-Produktion Sunset Boulevard zu erleben sein wird. Die Begeisterung des Publikums ist so groß, dass die Künstler erst nach einer weiteren Zugabe den Abend beenden können.

FAZIT

Mit dieser Operettengala hat das Theater Dortmund erneut einen Volltreffer gelandet. Der Abend ist noch einmal am 21. Oktober 2016 zu erleben, dann hoffentlich wieder in vollständiger Besetzung

Programm

Franz Lehár: Die lustige Witwe: Ouvertüre

Emmerich Kálmán: Die Csárdásfürstin: "Heia, heia, in den Bergen" (Emily Newton, Chor des Theaters Dortmund)

(Franz Léhar: Zigeunerliebe: "Hör ich Zymbalklänge" (Almerija Delic, entfiel, dafür Charles Gounod: Faust: "Ah, je ris de me voir si belle" mit Eleonore Marguerre))

Carl Millöcker: Der Bettelstudent: "Ach, ich hab' sie ja nur auf die Schulter geküsst" (Luke Stoker)

Paul Abraham: Die Blume von Hawaii: "Ich hab' ein Diwanpüppchen" (Tamara Weimerich (ersetzt durch Emily Newton), Morgan Moody)

Leonard Bernstein: West Side Story: "Maria" (Joshua Whitener)

Franz Lehár: Das Land des Lächelns: "Bei einem Tee à deux" (Emily Newton, Joshua Whitener)

Ralph Benatzky: Im weißen Rössl: "Es muss was Wunderbares sein" (Ks. Hannes Brock)

William Gilbert & Arthur Sullivan: Die Piraten von Penzance: "I'm a Pirate King" (Morgan Moody, Herrenchor des Theaters Dortmund)

Fred Raymond: Masek in Blau: Ouvertüre

Carl Zeller: Der Vogelhändler: "Fröhlich Pfalz" (Ashley Thouret, Damenchor des Theaters Dortmund)

Richard Rodgers: Carousel: "If I loved you" (Emily Newton, Morgan Moody)

Emmerich Kálmán: "Komm, Zigan" (Fritz Steinbacher)

Jacques Offenbach: Orpheus in der Unterwelt: "Fliegenduett" (Ashley Thouret, Luke Stoker)

(Fred Raymond: Maske in Blau: "Frühling in San Remo (Tamara Weimerich, entfiel))

Oscar Straus: Ein Walzertraum: "Leise, ganz leise" (Fritz Steinbacher, Joshua Whitener)

Emmerich Kálmán: Die Csárdásfürstin: "Jaj, Mamám" (Emily Newton, Ks. Hannes Brock, Fritz Steinbacher)

Carl Zeller: Der Vogelhändler: "Schenkt man sich Rosen in Tirol" (Ensemble und Chor des Theaters Dortmund)

 

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Produktionsteam

Musikalische Leitung
Philipp Armbruster

Szenische Einrichtung
Alexander Becker

Choreographie
Adriana Naldoni

Chor
Manuel Pujol

Dramaturgie
Georg Holzer

 

Opernchor des
Theaters Dortmund

Dortmunder Philharmoniker

 

Solisten

Moderation
Ks. Hannes Brock

Sängerinnen und Sänger
Almerija Delic
Emily Newton
Ashley Thouret
Tamara Weimerich
Morgan Moody
Fritz Steinbacher
Luke Stoker
Joshua Whitener


Weitere
Informationen

erhalten Sie vom
Theater Dortmund
(Homepage)



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