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Musiktheater
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Archipel

Ballettabend mit Werken von Ji
ří Kylián
Musik von Heinrich Ignaz Franz Biber, John Cage, Philip Glass, Johann Sebastian Bach, Dirk Haubrich
und Wolfgang Amadeus Mozart

Aufführungsdauer: ca. 2h 15' (eine Pause)

Premiere im Aalto-Theater Essen am 23. April 2016
Wiederaufnahme  am 1. Dezember 2016
(rezensierte Aufführung: 8. Dember 2016)




Theater Essen
(Homepage)
Seifenblasen für Mozart

Von Stefan Schmöe / Fotos von Bettina Stöß


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Wings of Wax

Das Aalto-Ballett präsentiert sich in der Nordrein-Westfälischen Ballett-Landschaft ja gerne als Hüter des traditionellen Handlungsballetts - zuletzt mit einem hübsch anzusehenden, an Harmlosigkeit freilich schwerlich zu über bietenden Don Quichote (unsere Rezension). Daneben gibt Ballettchef Ben van Cauwenbergh aber auch regelmäßig dem modernen Tanz Raum, in dieser Spielzeit mit Werken von Alexander Ekman (Premiere imMärz 2017), im vergangenen Jahr unter dem Titel Archipel mit einer Produktion, die ausschließlich Choreographien von Jiri Kylian zeigt (siehe unsere Rezension der Premiere). Entstanden sind die vier Stücke für die verschiedenen Compagnien des Nederlands Danse Theater, dessen künstlerischer Leiter Kylián von 1975 – 1999 war.

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27' 52''

Der Titel der ersten Arbeit Wings of Wax ("Flügel aus Wachs") von 1997 spielt auf den Ikarus-Mythos an. Ein entwurzelter Baum hängt vom Schnürboden herab, umkreist von einem Scheinwerfer. Vier Paare, in schwarz gekleidet, scheinen mit flügelhaft großen Armbewegungen auf die Idee des Davon-Fliegens hinzudeuten. Es gibt viele Hebefiguren, wobei Kylián immer wieder verblüffend neue Drehachsen findet – ein virtuoses Spiel mit der Schwerkraft. Das Vokabular ist ziemlich frei gehalten, Einflüsse vom akademischen Tanz bis zum Showdance verarbeitet Kylián eigenwillig und mit eigener Handschrift, reagiert dabei sehr genau auf die Musik – zunächst die letzte der Rosenkranz-Sonaten von Heinrich Ignaz Biber (1644- 1704) für Solo-Violine, dann das 5. Streichquartett von Philipp Glass. .

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Petite Mort

Radikaler und moderner kommt 27'52'' daher - der Titel verweist auf die Dauer der Komposition von Dirk Haubrich, auf der das Stück basiert - eine elektronische Musik, die Gustav Mahler Fragment der 10. Symphonie als Material aufgreift, aber über eure Strecken vornehmlich percussiv bleibt. Das Werk beginnt bei offenem Vorhang mit den Umbauarbeiten auf der Bühne, und dieser unterkühlt technische Aspekt durchzieht die gesamte Choreographie, die die sechs Tänzerinnen und Tänzer wie Elemente einer großen Maschinerie einsetzt, gesteuert durch einen überpersönlichen Mechanismus. Das verstörende Elemente, aber ungeheure Suggestionskraft. Der große Beifall in dieser Aufführung deutet an, dass auch für diese sehr abstrakte Form des Tanzes in Essen ein Publikum existiert.

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Sechs Tänze

Der (in meinen Augen schwächere) zweite Teil des Abends ist vergleichsweise versöhnlich gehalten – schon durch die Musik, die hier durchweg von Mozart stammt. Petit mort zu den Adagio-Sätzen der Klavierkonzerte A-Dur KV488 und C-Dur KV 467 lässt sich doppeldeutig als „kleiner Tod“ (die Choreographie entstand 1991, also im 200. Todesjahr des Komponisten) oder im französischen Sprachgebrauch als „Orgasmus“ verstehen. Die sechs Herren sind mit einem Florett ausgestattet, was wahlweise als Phallussymbol oder als tödliche Waffe verstanden werden kann; den Damen sind überdimensionierte Reifröcke zugeordnet. Kylián zeigt Geschlechterrollenbilder im barocken Gewand mit einigem Humor. Sechs Tänze ist ein übermütiger Kehraus immer wieder am Rande des Slapsticks, bei dem es am Ende Seifenblasen vom Bühnenhimmel regnet. In allen Werken des Abends tanzt das Aalto-Ballett auf hohem technischen Niveau – und viel stärker als zuletzt im genannten Don Quichotte können sie Persönlichkeit zeigen.


FAZIT

Eine Uraufführung eigens für das Aalto-Ballett wäre natürlich auch schön gewesen – aber auch ohne die bietet die Produktion einen spannenden Querschnitt durch das choreographische Schaffen Jiri Kyliáns.


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Produktionsteam

Choreographie
Ji
ří Kylián

Kostüme
Joke Visser

 

Wings of Wax

Bühnenbild
Jiří Kylián (Konzept)
Michael Simon

Licht
Michael Simon (Konzept)
Kees Tjebbes

Tänzerinnen und Tänzer

Yulia Tsoi
Tomá
š Ottych
Ana Carolina Reis
Liam Blair
Mariya Tyurina
Wataru Shimizu
Yusleimy Herrera León
Armen Hakobyan

 

27' 52''

Bühnenbild
Jiří Kylián

Licht
Kees Tjebbes

Tänzerinnen und Tänzer

Mariya Tyurina
Lim Blair
Yurie Matsuura
Wataru Shimizu
Julia Schalitz
Yehor Hordiyenko

 

Petite Mort

Bühnenbild
Jiří Kylián

Licht
Jiří Kylián (Konzept)
Joop Caboort

Tänzerinnen und Tänzer

Xiyuan Bai
Liam Blair
Paula Archangelo-Çakir

Wataru Shimizu
Yanelis Rodrigues
Yehor Hordiyenko
Yulia Tsoi
Armen Hakobyan
Carla Colonna
Artem Sorochan
Yusleimy Herrera León
Aidos Zakan

Birth-Day (Filmfragment)

Bühnenbild und Licht
Ji
ří Kylián

Film / Video
P&P Lataster, Vidishot

Tänzerinnen und Tänzer

Gioconda Barbuto
David Krügel

 

Sechs Tänze

Bühne und Kostüme
Jiří Kylián

Licht
Jiří Kylián (Konzept)
Joop Caboort

Tänzerinnen und Tänzer

Julia Schalitz
Liam Blair
Yanelis Rodriguez
Yehor Hordiyenko
Yusleimy Herrera León
Moises Léon Noriega
Paula Archangelo-Çakir

Nwarin Gad


Weitere Informationen
erhalten Sie vom
Theater Essen
(Homepage)




Da capo al Fine

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