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Musiktheater
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Coppelius. Waits. For You

Club-Konzert mit Coppelius und Rüdiger Frank
Musik von Coppelius und Tom Waits

Aufführungsdauer: ca. 1 h 55' (keine Pause)

Premiere im Kleinen Haus im MiR am 1. April 2017

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Musiktheater im Revier
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Gutes Team rockt das Kleine Haus

Von Thomas Molke / Fotos von Pedro Malinowski und Reinhold Krossa


Bei der Uraufführung der ersten Steampunk-Oper Klein Zaches, genannt Zinnober trafen sie im November 2015 im Musiktheater im Revier erstmals aufeinander und brachten das Publikum zum Beben: der 134 cm große Musiker und Schauspieler Rüdiger Frank und die Ende der 90er Jahre im letzten Jahrhundert gegründete Berliner Steampunk-Band Coppelius (siehe auch unsere Rezension). Und diese Begegnung sollte Folgen haben. Die Chemie zwischen den stilistisch recht gegensätzlichen Künstlern stimmte so gut, dass Intendant Michael Schulz sie in der neuen Spielzeit mit einem neuen Projekt eingeladen hat. Unter dem Titel Coppelius. Waits. For You trifft in einem Crossover-Konzert die markante Reibeisenstimme Rüdiger Franks mit Songs des amerikanischen Songwriters Tom Waits erneut auf musikalischen Steampunk mit Klarinetten, Cello, Kontrabass, Schlagzeug und außergewöhnlichen neu kreierten Instrumenten. Dabei sind diese Konzerte im Kleinen Haus die einzige Gelegenheit in diesem Jahr, Coppelius live auf der Bühne zu erleben.

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Rüdiger Frank (vorne Mitte) mit der Band Coppelius (von links: Comte Caspar, Bastille, Graf Lindorf, Nobusama, Max Coppella und Sissy Voss) (© Pedro Malinowski)

So geben sich auch am Premierenabend zahlreiche in viktorianischem Stil kostümierte Menschen als echt Fans der Band zu erkennen und haben teilweise auch einen weiten Weg auf sich genommen, um die sechs Coppelianer, die mittlerweile als führende Vertreter des Genres Kult-Status besitzen, in Gelsenkirchen zu erleben. Erklärtes Ziel der Band ist es, auf ungewöhnliche Weise "den guten Ton der deutschen Romantik in die Konzertsäle zurückkehren" zu lassen. Dabei geben sie nicht nur vor, durch einen Stromschlag aus dem 19. Jahrhundert in die Gegenwart versetzt worden zu sein, sondern kleiden sich auch dementsprechend. Ihre Künstlernamen entstammen wie der Bandname den Werken E. T. A. Hoffmanns, und auch ein Teil der von ihnen vertonten Texte ist seinen Werken entnommen. Rüdiger Frank tourt nach Konzerttourneen mit der Underground-Rockband "The Tors of Dartmoor" nun bereits seit mehreren Jahren mit seiner Formation Romeo is bleeding durch Deutschland und präsentiert dabei Lieder des amerikanischen Songwriters Tom Waits und Eigenkompositionen im Stil von Waits.

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Die Coppelianer (vorne von links: Graf Lindorf und Bastille, in der Mitte von links: Max Coppella, Comte Caspar und Sissy Voss) bringen das Kleine Haus zum Beben. (©: Reinhold Krossa)

Im Kleinen Haus geben Frank und die Band nun vor, zufällig aufeinander zu treffen. Während Frank durch die Reihen auf der linken Seite des Publikums geht und die Zuschauer zu seinem Konzert begrüßt, tritt Diener Bastille von der rechten Seite auf. Was wie ein freudiges Wiedersehen beginnt, kippt in dem Moment, in dem sie erkennen, dass sie beide für diesen Abend im Kleinen Haus verpflichtet worden sind und gemeinsam auftreten sollen, was ihrer Meinung nach allerdings nicht funktioniere, da Tom Waits' Stil kaum zu Steampunk-Klängen passe. Dennoch lässt man sich widerwillig auf dieses Unternehmen ein. Die Band füllt dabei die linke Bühnenhälfte aus, während man Frank den rechten Teil der Bühne im viktorianischen Stil mit antiken Möbeln und einem Flügel ausgestattet hat. Dort befinden sich auch neu kreierte Instrumente wie eine Harfe auf einer Fahrradstange und eine Stoppschild-Gitarre. Coppelius beginnt den Abend mit den zwei laut rockigen Nummern "Genghis Khan" von dem 2010 veröffentlichten Album Zinnober und "Welt im Wahn", das 2013 auf dem Album Extrablatt eingespielt wurde. Dem setzt Frank mit markant rauer Stimme die "San Diego Serenade" von Tom Waits entgegen.

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Crossover bei einem Gläschen Wein (links: Rüdiger Frank, rechts: Bastille) (©: Reinhold Krossa)

So geht es eine Weile nebeneinander her, bis Bastille den aus der Steampunk-Oper Klein Zaches, genannt Zinnober bekannten "Ausraster" bekommt, den Frank süffisant mit Waits' "Ice Cream Man" kontert. Danach scheint das Eis gebrochen. Bastille erkennt, dass Coppelius und Frank stilistisch doch gar nicht so weit auseinander liegen und setzt zum melancholischen "Selten genug" an, das ebenfalls aus der Steampunk-Oper stammt. Nun werden bei den Songs von Tom Waits die Musiker von Coppelius an irrwitzigen Instrumenten eingesetzt - so spielt Sissy Voss beispielsweise einen Bass, der auf rot-weiß gestreiften Balken befestigt ist, und Comte Caspar lässt die Stoppschild-Gitarre erklingen oder schlägt den Ryhthmus auf einem Holzbrett mit Blechglocke. Dabei sorgt die musikalische Umsetzung genauso für Komik wie die Originalität der Instrumente. Aber auch Frank wird in die Songs von Coppelius eingebunden und zeigt beispielsweise in dem Song "Herzmaschine" vom gleichnamigen 2015 veröffentlichten Album, dass er auch den Stil der Steampunk-Band beherrscht. Beim berühmten "Waltzing Matilda" schlägt Bastille noch einmal gemeinsam mit Frank weichere Töne an, bevor sie den offiziellen Teil des Abends mit "Kein Land so schön" aus Klein Zaches, genannt Zinnober beenden.

Die einzelnen Band-Mitglieder begeistern durch enorme Bühnenpräsenz und lassen den Funken auf das Publikum überspringen. Comte Caspar überzeugt nicht nur an der Klarinette und an der Stoppschild-Gitarre, sondern peitscht auch das Publikum mit seinem Gesang regelrecht auf. Gleiches gilt für Max Coppella an der Klarinette und Graf Lindorf am Cello. Nobusama tobt sich mit enormer Spielfreude am Schlagzeug aus, und Sissy Voss entlockt dem Kontrabass und später auch dem "Balken-Bass" unglaubliche Töne. Bastille mag von mancher Frau um seine wallende Mähne beneidet werden, die er bis zur Ekstase schüttelt, und begeistert stimmlich durch einen Wechsel zwischen sanften und rockigen Tönen. Am Ende gibt es noch zwei Zugaben. Zunächst gibt Frank gemeinsam mit Coppelius einen weiteren Song von Tom Waits zum besten, bevor dann Coppelius mit dem Song "Coppelius hilft" den Abend beschließen.

FAZIT

Der Abend bietet einen bunten Mix zwischen Steampunk und Balladen von Tom Waits. Wer Probleme mit der Lautstärke hat, kann am Eingang auch Ohrstöpsel erhalten.


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Produktionsteam

Bühnengestaltung
Georgios Kolios

Licht
Mariella von Vequel-Westernach

 

Ausführende

Rüdiger Frank, Gesang

Coppelius
Gesang, Diener
Bastille

Gesang, Klarinette, Cembalo
Comte Caspar

Gesang, Cello
Graf Lindorf

Gesang, Klarinette, Cembalo
Max Coppella

Kontrabass
Sissy Voss

Schlagzeug
Nobusama

Heribert Feckler, Klavier


Weitere
Informationen

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Musiktheater im Revier
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Da capo al Fine

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