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Musiktheater
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Das Kunstwerk der Zukunft VI

Der Herr der Nibelungen oder mein Schatz gehört dem Volk

Inszenierungsreihe im Operncafé


Aufführungsdauer: ca. 1h (keine Pause)

Premiere im Operncafé am 21. März 2017


Opernhaus Halle

Kunst? Werk? der Zukunft?

Von Joachim Lange / Fotos: © Theater, Oper und Orchester GmbH Halle, Anna Kolata

Nach vier Folgen lassen sich gute Gründe finden, hinter den Titel der Reihe „Das Kunstwerk der Zukunft“ ein Fragezeichen zu setzten. Auch wenn man dem Experiment gegenüber, dem Entstehen einer Form, die sich weigert, eine zu werden, freundlich gesonnen ist. Natürlich hat Kunst oft auch Züge von Zumutung. Weil ihre Form den Zuschauer (manchmal auch bewusst über-)fordert. Durch schlichte Überlänge. Durch Provokation. Weil sie sich einer Dechiffrierung verweigert. Oder für Bruchstücke vom Bekanntem andere, irritierende Kontexte sucht. Sie anders beleuchtet. Im Wortsinn die Perspektive des Zuschauers durch puren Wechsel der Räume und Positionen ändert. Das kann alles zu neuen Einsichten führen und Spaß machen. Nur gehört halt nicht jede Zumutung von vornherein in die Rubrik Kunst, die (wie es im Kalauer so schön heisst) von Können kommt.


Vergrößerung

Zu lang waren die fünf bisher tatsächlich realisierten Folgen von Michael von zur Mühlens Projekt nicht. Im Februar, bei „Mime, Monstren, Marx und Mutationen“ wurde die Methode zum Raum, bekam jeder Gedanke respektive Collageschnipsel ein eigenes Zimmerchen (gibt ja genug im verbauten Operncafe). Lese- und Assoziationsübungen zum Mitmachen - ob man wollte oder nicht. Was blieb einem übrig, Kay Stromberg am Klavier mit Wagner-Barett und Ralph Ertel mit ein paar Mime- und Siegfried-Häppchen waren ja auch da.

Vergrößerung

In der Märzfolge „Der Herr der Nibelungen oder mein Schatz gehört dem Volk“ waren Vladislav Solodyagin mit ein paar Hunding- und Fafner-Tönen nebst Hagens Wacht am Rhein auf der sicheren Wagnerseite und Ivo Nitschke hinterm Schlagzeug mit von der Partie. Vor allem aber versuchte sich der immer wortflotte Autor Clemens Meyer als Ring-Erklärer. Wie ein Harald Schmidt für Halle. Mit einer Heißklebepistole hinter einem verkramten Basteltisch für Spielzeugpanzer und Worte. In einigen wenigen Passagen blitzte auf, was er drauf hat, wenn er ernsthaft nach Worten schürft, sich durch Assoziationsschichten arbeitet. Ein paar Seiten hatte er dabei, die waren richtig gut. Deuteten an, was tatsächlich in dem Versuch stecken könnte, die untergründigen Verbindungen zwischen Marxens Kapital und Wagners Ring freizubaggern. Und dabei unversehens in die Gegenwart zu stolpern. Neben diesen kurzen Lichtblitzen freilich glaubte man seinem Verweis auf die (einzige?) Probe am Vormittag aufs Wort, machte sich so seine Gedanken darüber, dass „nur“ Sekundärliteratur als Requisiten zu hand waren. Und staunte, wie die Falle der (Marxschen) Dialektik dann doch einmal zuschnappte. Der ehemalige Braunkohlebaggerfahrer Frank Hankel als wackerer Interviewpartner und die Analogie zwischen den Riesengeräten, die Dörfer weg und Braunkohle ans Licht brachten, um Licht zu machen, und einem mythischen Lindwurm ist das eine. Aber die Melancholie über untergehende alte Technologien und das Drum und Dran heraufzubeschwören und einfach so im Raum stehen zu lassen, etwas anderes. So ungefähr sagt's der Donald auch. Hankel rettet diesen Fehltritt instiktiv indem er auch auf die blühende Leipziger Neuseenland als sein Werk verweist. ….

Drei Folgen sind noch auf dem Programm. Das anfangs versprochene Suchtpotential blieb bisher (abgesehen von Johannes Kreidler) wohl eher auf der Seite der Macher. Und wir wissen jetzt, was Wagner und Marx so alles aushalten (müssen). Wirklich beschädigen kann sie das nicht. Bis man uns vom Gegenteil überzeugt, bleiben wir lieber bei der altmodischen Überzeugung, dass Kunst eine Form braucht, die von Können kommt.


FAZIT

Eine kleine Reihe mit dem großen Anspruch geht in ihre zweite Halbzeit und ist so streitbar wie umstritten.




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Produktionsteam

Künstlerische Projektleitung /
Dramaturgie
Michael von zur Mühlen

Raumkonzept
Christoph Ernst



Mitwirkende

Frank Hankel
Johannes Kirsten
Clemens Meyer
Enrico Meyer
Dietrich Enck
Ivo Nitschke
Vladislav Solodyagin


Weitere Informationen
erhalten Sie vom
Opernhaus Halle
(Homepage)






Da capo al Fine

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