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Der Vogelhändler

Operette in drei Akten
Libretto von Moritz West und Ludwig Held
Musik von Carl Zeller



Halbszenische Aufführung in deutscher Sprache (keine Übertitel)

Aufführungsdauer: ca. 2h 30' (eine Pause)

Premiere im Staatenhaus Köln-Deutz (Saal 1) am 17. Dezember 2016


Logo: Oper Köln

Oper Köln
(Homepage)

Es geht gar nicht um die Wurst

Von Stefan Schmöe / Fotos von Paul Leclaire

Vorab: Die Wurst schmeckt gut. Das mag ein ungewöhnlicher Beginn einer Opernrezension sein, aber man wird zu dieser als "halbszenisch" angekündigten Produktion mit einer "Kurpfälzer Bratwurst" empfangen. Man werde ja gleich in der Inszenierung sehen , wird einem dabei augenzwinkernd zugeraunt. Nun ja, eine kleine Pointe am Rande, mehr wird nicht daraus. Deshalb kann die kulinarische Betrachtung des Abends an dieser Stelle auch schon wieder abgeschlossen werden. (Aber lecker ist sie schon, die Wurst.)

Szenenfoto

Ihr Liebesglück ist gefährdet: Die Christel von der Post (Elisabeth Breuer) und der Vogelhändler Adam (Carsten Süß)

Die Kölner Oper stellt trotz widriger Umstände im Ausweichquartier im Deutzer Staatenhaus einen durchaus beachtlichen Spielplan auf die Beine. Kulissen mal eben beiseite räumen, das geht halt nicht - und so werden diese drei Aufführungen von Carl Zellers Vogelhändler vor einer Rückwand aus unzähligen Luftballons im Bühnenbild von Bernsteins Candide gespielt. Xenia Lassak hat sehr ansehnliche Kostüme entworfen, durchaus heutig, aber mit der nötigen Operettenopulenz auch für den Chor. Da, wo man die Bühne erwartet, sitzt das Orchester. Eicke Ecker, Oberspielleiterin der Oper Köln und verantwortlich für die halbszenische Einrichtung, lässt das Stück in den Zuschauerraum hinüber schwappen. Das ist einerseits durch die Nähe zum Publikum recht lebendig (wobei man von vielen Szenen schlichtweg nichts sieht, wenn man nicht unmittelbar daneben sitzt), zieht andererseits alles sehr weit auseinander, den geteilten Chor (der in großem Abstand auf Tribünen rechts und links vom Orchester sitzt) eingeschlossen. Das ist nicht gerade eine räumliche Anordnung für die musikalischen Feinheiten, und die Sänger werden dezent elektronisch verstärkt. Dirigent Alexander Rumpf leitet die Aufführung trotz der nicht ganz einfachen Situation souverän, geht bei mancher Stelle zwar "auf Nummer sicher", hat mit dem insgesamt sehr guten Gürzenich-Orchester aber den nötigen Schwung und das passende Feingefühl. Ein paar wacklige Details deuten darauf hin, dass die Probenzeit wohl knapp war, aber vieles gelingt eben auch sehr schön.

Szenenfoto

Einen kurzen Moment lang tarnt sich die inkognito angereiste Kurfürstin Marie (Ivana Rusko) als Wurstverkäuferin.

Die Regie bemüht sich, flott und schnörkellos die Geschichte im konventionellen Operettenstil zu erzählen. Ein bisschen Kitsch darf sein, aber nicht zu viel, und man muss das wohl pragmatisch sehen: Hier geht es nicht darum, das Genre neu zu erfinden, sondern das Publikum zu unterhalten - und das gelingt einigermaßen gut. Eike Ecker hat den Text an ein paar Stellen an Kölner Gegebenheiten angepasst (so richtig zünden die Pointen nicht) und versucht, die satirische Seite hervorzuheben. Dazu allerdings hätte die Personenregie genauer sein müssen; so aber machen die spielfreudigen Darsteller weitgehend das, was sie halt so können. Miljenko Turk etwa als Graf Weps ist mit seinem schlanken, edlen Bariton wie gewohnt der Charmeur vom Dienst, elegant von Stimme und Auftreten. Martin Koch gibt seinen Neffen Stanislaus mit leichtem und hellen Tenor. Ivana Rusko ist eine Kurfürstin mit glasklar fokussierten Tönen, Ulrike Hetzel eine Luxusbesetzung für die hier sehr charmante Hofdame Adelaide. So recht versteht man da nicht, warum Stanislaus ihren Avancen nicht erliegt.

Szenenfoto

Charmeur mit notorischen Geldsorgen: Graf Weps (Miljenlko Turk)

Sehr niedlich ist Elisabeth Breuer als Christel von der Post mit leichtem, aber präsentem Sopran und viel Ausstrahlung. (Ein wenig bedauert man doch, dass die Regie allzu leicht darüber hinweg geht, dass diese Frau allerlei Kränkungen erfährt.) So ist in der sehr beachtlichen Solistenriege - dazu gehören noch Matthias Hoffmann, Alexander Fedin und Wolfgang Stefan Schwaiger in kleinen, aber gut gestalteten Rollen - Carsten Süß in der zentralen Partie des Vogelhändlers Adam der Schwachpunkt. Zwar tirolert er sich sehr unterhaltsam durch die Partie und hat manche schöne Phrase in der Mittellage, doch sein an sich substanzvoller Tenor wird in der Höhe nicht recht frei, bleibt eng und belegt. Tadellos singt der von Sierd Quarré einstudierte Chor.


FAZIT

Halbszenisch bekommt man mehr oder weniger geschickt arrangiert das geboten, was Operettenklischées versprechen; musikalisch kann sich das allemal gut hören lassen.


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Produktionsteam

Musikalische Leitung
Alexander Rumpf

Szenische Einrichtung
Eike Ecker

Dekoration
Petra Möhle

Kostüme
Xenia Lassak

Licht
Nicol Hungsberg

Choreinstudierung
Sierd Quarré


Statisterie und Chor
der Oper köln

Gürzenich-Orchester Köln


Solisten

Kurfürstin Marie
Ivana Rusko

Adelaide, Hofdame
Ulrike Hetzel

Baron Weps
Miljenko Turk

Graf Stanislaus
Martin Koch

Süffle
Alexander Fedin

Würmchen
Matthias Hoffmann

Adam, der Vogelhändler
Carsten Süß

Christel, Postbotin
Elisabeth Breuer

Schneck, Dorfschulze
Wolfgang Stefan Schwaiger



Weitere
Informationen

erhalten Sie von der
Oper Köln
(Homepage)



Da capo al Fine

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