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Der fliegende Holländer

Romantische Oper in drei Aufzügen
Text und Musik von Richard Wagner


In deutscher Sprache mit Übertiteln


Aufführungsdauer: ca. 2h 15' (keine Pause)


Premiere am 22. Januar 2017 im Opernhaus Magdeburg
(rezensierte Aufführung: 29. Januar 2017)

 



Theater Magdeburg
(Homepage)

Im Holländer-Bunde der Dritte….

Von Roberto Becker / Fotos von Andreas Lander

Der neue Fliegenden Holländer, den Vera Nemirova und ihre Mutter Sonja an der Oper in Magdeburg inszeniert haben und der von GMD Kimbo Ishii geleitet wird, glänzt mit seinen vokalen und musikalischen Qualitäten. Im Zentrum: Vladimir Baykov, der als der sagenhafte Seefahrer in Uniform und mit Geldköfferchen und einer kernigen stimmlichen Wucht unterwegs ist und die junge Schwedin Liine Carlsson, die mit ihrer fokussierten Senta dramatischen Verve mit imponierenden Spitzentönen verbindet.

Vergrößerung in neuem Fenster Der Holländer ist an Land gegangen

Mit leichtem und edlem Tenorschmelz kämpft Timothy Richards einen wie immer vergeblichen Kampf um die auf den Fremden fixierte Senta. Schließlich läuft auch Johannes Stermann als Daland zu Hochform auf. Lucia Cervoni und Jonathan Winell komplettieren als Frau Mary und Steuermann ein insgesamt überzeugendes Ensemble. Und auch wenn nicht jeder Einsatz (zumindest in der zweiten Vorstellung) als Musterexemplar von Präzision gelang, so schafft Ishii doch jenen Sog, den Wagners erste von ihm selbst als gültig betrachtete Oper allemal zu verbreiten vermag. Beim Chor der Geistermannschaft des Holländers greifen die Regisseurinnen in ihre Trickkiste und steuern ihn aus dem Dunkel des Zuschauerraums bei, in dem die Choristen in mehreren Gruppen verteilt sind (Einstudierung der Chöre: Martin Wagner).

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Die Seeleute des Norwegers Daland an der Rampe

Das erinnerte zumindest an den überwältigenden Effekt, den Nemirova bei ihrer hochpolitischen Nabucco-Inszenierung im selben Haus mit dem Gefangenenchor erreichte, der durch die plötzlich auffliegenden Saaltüren eindrang. Davon abgesehen bleiben die Deutungsambitionen diesmal seltsam zurückhaltend, im Allgemeinen. Die alle Gruppen erkennbar uniformierenden Kostüme von Ausstatter Tom Musch zielen auf ungefähre Gegenwart. Dazu dominierende Projektionen: Mit nächtlicher Kamerafahrt auf diffus nebliger einsamer Straße. Einmal vorwärts ins Ungewisse und dann zurück zu sich selbst?

Vergrößerung in neuem Fenster Senta singt ihre Ballade

Aber auch mit nervig beschleunigten Wolkenquellbildern. Für die Näherinnen im dörflichen Haarkranz- und Strickjackenlook gibt es alte Singer-Maschinen. Senta hat ihr Objekt der Schwärmerei immer auf dem Tablet vor der Nase. Der Raum ist abstrakt, setzt also mehr auf die psychologische Komponente der Fixierung von zwei Außenseitern aufeinander. Dass das die Achse ist, um die sich das Ganze dreht, wird überdeutlich, wenn der jeweils andere als Projektion im Großaufnahme eingeblendet wird und aus dem Off singt (was seltsam übersteuert wirkt). Die Decke des Raumes wird am Anfang in einem Kraftakt von den Matrosen angehoben. Drei Ventilatoren in der Rückwand sollen wohl an Wind und Meer erinnern. Bevor sich am Ende, mit dem Schluss ohne die später hinzu komponierte Erlösungshoffnung, die Decke wieder absenkt, hat der bis dahin vor allem leidende Erik den Holländer kurzerhand erschossen.

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Der Holländer, Daland und Senta sind sich einig

Der Fliegende Holländer ist damit jetzt nach den Opernhäusern in Halle und Dessau auch in Magdeburg an Land gegangen. Drei Versionen von Wagners Oper fordern den Vergleich heraus und die Häuser unterstützen das mit einem Kombiticket, bei dem die jeweils zwei folgenden Vorstellungen mit Preisnachlass zu haben sind.


FAZIT

Im Ganzen bleibt die szenische Umsetzung eher uninspiriert und enttäuschend. Mit den beiden andere Holländer-Produktionen in Sachsen-Anhalt, in Halle (als Raumbühnen-Event) und in Dessau (als Psychothriller), kann sie nicht mithalten. Aktives Vergleichen lohnt sich aber allemal.



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Produktionsteam

Musikalische Leitung
Kimbo Ishii

Inszenierung
Vera Nemirova

Co-Regie
Sonja Nemirova

Bühne und Kostüme
Tom Musch

Video
Bahadir Hamdemir

Chor
Martin Wagner

Dramaturgie
Ulrike Schröder


Opernchor des Theaters Magdeburg

Magdeburger Singakademie

Mädchenchor des Opernkinderchores
des Konservatoriums
»Georg Philipp Telemann«

Die Magdeburgische Philharmonie


Solisten

Daland
Johannes Stermann

Senta
Liine Carlsson

Erik
Timothy Richards

Mary
Lucia Cervoni

Der Steuermann
Jonathan Winell

Der Holländer
Vladimir Baykov



Weitere
Informationen

erhalten Sie vom
Theater Magdeburg
(Homepage)



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