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Pulcinella

Educationprojekt mit Musik von Igor Strawinsky
Idee und Initiative von Gunda Gottschalk und dem Educationteam des Sinfonieorchesters

Aufführungsdauer: ca. 55' (keine Pause)

Ein Projekt der Wuppertaler Bühnen in Kooperation mit der Initiative Kultur am Vormittag und der Freien Szene Wuppertals

Premiere im Opernhaus Wuppertal am 7. März 2017


Wuppertaler Bühnen
(Homepage)
Wer ist Pulcinella?


Von Thomas Molke / Fotos: © Jens Großmann

Seit Berthold Schneider die Leitung der Wuppertaler Bühnen zu Beginn dieser Spielzeit übernommen hat, schlägt er nicht nur mit einem absolut vielseitigen Programm größtenteils abseits des Mainstreams neue Wege ein, sondern versucht auch, für das Theater neue Publikumsschichten zu gewinnen, indem er unter anderem mit der Freien Szene Wuppertals kooperiert und nun ein Projekt im Opernhaus vorstellt, bei dem mehr als 140 Schülerinnen und Schüler aus drei unterschiedlichen Grundschulen und von der Bernhard-Letterhaus-Schule gemeinsam mit dem Sinfonieorchester Wuppertal und Solisten des Ensembles auf der Bühne stehen. Mit Gunda Gottschalk (Musik), Wasiliki Noulesa (Video), Andrea Raak (Bildende Kunst), Jakob Fedler (Regie), Nadja Varga (Choreographie), so wie Julie Shanahan und Rainer Behr vom Tanztheater Wuppertal hat Kirsten Uttendorf unter der Verwendung der Musik von Igor Strawinsky ein Stück unter dem Titel Pulcinella einstudiert.

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Pulcinella (links) und Pimpinella (rechts)? (vorne: Schülerinnen und Schüler der Bernhard-Letterhaus-Schule)

Dabei handelt es sich eigentlich um ein Handlungsballett mit Gesang in einem Akt, das 1920 in der Choreographie von Léonide Massine in Paris seine umjubelte Uraufführung erlebte und häufig als Strawinskys Übergang zur neoklassischen Periode betrachtet wird. Pulcinella ist dabei eine Figur der Commedia dell' arte und wird direkt von drei Frauen begehrt: Prudenza, Rosetta und Pimpinella. Dabei gehört sein Herz aber nur letzterer, während die beiden anderen noch von Coviello und Florindo umworben werden. Die beiden sind auf Pulcinella rasend eifersüchtig und greifen ihn an, wobei Pulcinella sich tot stellt, um einerseits den beiden Rivalen zu entkommen und andererseits die eifersüchtige Pimpinella zu beschwichtigen. So tritt er selbst als Zauberer auf, um den vermeintlich toten Pulcinella wieder zum Leben zu erwecken und anschließend die drei Paare, Pulcinella und Pimpinella, Coviello und Prudenza, so wie Florindo und Rosetta miteinander zu vereinen.

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Mark Bowman-Hester (Mitte) mit Schülerinnen und Schülern der Grundschulen

Mit dieser Geschichte hat die Wuppertaler Aufführung mit Ausnahme der Musik allerdings gar nichts gemeinsam. Schon im wenig informativen Programmheft, das neben den Namen der beteiligten Schülerinnen und Schülern lediglich Wachsmal-Zeichnungen der drei Figuren beinhaltet, die man auf der Bühne in den Kostümen der drei Gesangssolisten wiedererkennt, wird darauf hingewiesen, dass es sich hierbei um ein "Educationprojekt mit Musik von Igor Strawinsky" handelt. Zwar hat man zu Beginn noch die Vermutung, dass mit der formulierten Frage "Wer ist Pulcinella?" der Handlung des Balletts doch noch nachgegangen wird. Aber alles, was man in diesem Zusammenhang erwarten darf, ist, dass sich irgendwann eine Schülerin eine schwarze Brille aufsetzt und verkündet, dass sie Pulcinella sei. Mit viel Phantasie erkennt man vielleicht auch ein gewisses Umwerben anderer Schülerinnen. Auch liegen irgendwann zwei Schüler wie Tote auf der Bühne, aber wenn man das Stück nicht kennt, dürften diese Sequenzen kaum zu einem tieferen Verständnis beitragen.

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Fee oder Biene? Catriona Morison mit Schülerinnen und Schülern der Grundschulen

Immerhin erklingt Strawinskys Musik vom Sinfonieorchester Wuppertal unter der Leitung von Markus Baisch frisch aus dem Graben und motiviert die Schülerinnen und Schüler zu unbefangenem Spiel auf der Bühne. Claus Stump hat im Hintergrund und auf den Seiten insgesamt vier treppenartige Podeste aufgebaut, die den Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit geben, zwischen Zuschauern und Akteuren hin- und herzuwechseln. Dabei sind die einzelnen Grundschulklassen farblich in bunten Kostümen aufeinander abgestimmt und erhalten die Möglichkeit zur freien Improvisation, die sich bei zahlreichen kleineren Jungen in Boxer-Posen äußert. Bei einzelnen Satzfetzen, die die Schülerinnen und Schüler auf der Bühne in ein Mikrophon äußern, fühlt man sich stark an Szenen aus den Stücken von Pina Bausch erinnert. Da haben dann wohl bei der Entwicklung Julie Shanahan und Rainer Behr als langjährige Ensemble-Mitglieder des Tanztheaters Anregungen gegeben. Auch musikalisch können sich die Schülerinnen und Schüler mit Schlagzeug und Xylophon auf der Bühne austoben.

Die drei Gesangssolisten werden in phantasievollen Kostümen als eine Art Clown (Tenor Mark Bowman-Hester), Biene (Mezzosopran Catriona Morison) und Hase (Bass Oliver Picker) in das Stück eingebunden, bleiben allerdings in gewisser Weise wie im eigentlichen Ballett auch ein Fremdkörper. Schade ist es, dass die auf Italienisch gesungenen Texte nicht wenigstens in Übertiteln übersetzt werden. So liefern auch die Musiknummern keinen Erkenntnisgewinn, und man hat am Ende des Stückes den Eindruck, dass die Frage, wer denn jetzt Pulcinella sei, immer noch nicht beantwortet ist. Das Publikum scheint dies allerdings nicht zu stören, und es überschüttet die spielfreudigen Akteure mit großem Applaus.

FAZIT

Es ist lobenswert, dass mit einem solchen Projekt, jungen Menschen die Möglichkeit gegeben wird, Theater aus einer anderen Perspektive kennen zu lernen. Der Sinn des ausgewählten Stückes ist allerdings zumindest aus Publikumssicht zu hinterfragen.


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Produktionsteam

Musikalische Leitung
Markus Baisch

Inszenierung
Kirsten Uttendorf

Bühnen- und Kostümbild
Claus Stump

Dramaturgie
Berthold Schneider

 

Sinfonieorchester Wuppertal


Solisten

Mezzosopran
Catriona Morison

Tenor
Mark Bowman-Hester

Bass
Oliver Picker

 


Weitere Informationen
erhalten Sie von den
Wuppertaler Bühnen
(Homepage)



Da capo al Fine

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