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Moving Colours

Ballettabend von Armen Hakobyan und Denis Untila
Musik von Dirk Haubrich (Auftragskomposition für das Aalto Ballett Essen)

Aufführungsdauer: ca. 1h 45' (eine Pause)

Premiere im Aalto-Theater Essen am 28. April 2018




Theater Essen
(Homepage)
Bewegende Lichtspiele

Von Thomas Molke / Fotos von Bettina Stöß

Die Förderung des choreographischen Nachwuchses aus der eigenen Compagnie ist Ballettdirektor Ben Van Cauwenbergh schon seit vielen Jahren ein besonderes Anliegen. So gibt es bereits seit 2009 im Grillo-Theater die Reihe PTAH - Junge Choreographen, in der Tänzerinnen und Tänzer eigene Choreographien auf der Bühne präsentieren. 2013 stellten außerdem zwei Mitglieder der Compagnie, Michelle Yamamoto und Denis Untila, mit Othello ihre erste abendfüllende Choreographie im Aalto-Theater vor (siehe auch unsere Rezension). Damals tanzte Armen Hakobyan die Titelpartie. Nun hat er mit Untila die Tradition fortzgesetzt und einen weiteren Ballettabend für das Aalto-Theater entwickelt. Während bei Othello allerdings nur das Bewegungsvokabular abstrakt war, ansonsten allerdings eine konkrete Geschichte erzählt wurde, wählen Untila und Hakobyan mit der Konzentration auf Farben und Farbspiele nun auch ein abstraktes Thema. Aus der ersten Idee unter dem Titel Moved by Colours ist in gemeinsamer Arbeit schließlich die Entscheidung gefallen, mit der Bezeichnung Moving Colours den Einfluss der Farben noch zu verstärken. Die Musik für diesen Abend hat Dirk Haubrich komponiert, der seit gut 20 Jahren zahlreiche Kompositionen mit elektronischer Musik für Ballett und zeitgenössischen Tanz entwickelt hat.

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Auf der Suche nach den Farben: Mariya Tyurina und Yehor Hordiyenko

Der Abend ist zweigeteilt und geht im ersten Teil der Frage nach, wie wir Menschen eigentlich Farben wahrnehmen. Hakobyan und Untila nennen ihn "Wir sehen das, was wir sehen wollen". In einer Videosequenz vor dem Vorhang sieht man in fahles Licht getauchte Tänzerinnen und Tänzer, die einen Tänzer in ihrer Mitte als bunten Farbklecks wahrnehmen. Diesen berühren sie, um von ihm die einzelnen Farben aufzunehmen. Wenn sich der Vorhang hebt sind die bunten Farben wieder verschwunden. Die Tänzerinnen und Tänzer scheinen auf der Suche zu sein. In großen weißen Lichtkegeln bewegen sie sich zu elektronischer Musik in modern-abstrakten Bewegungen und werden dabei von Schwarz und Weiß dominiert. Zwischendurch blitzen in den Kostümen Rotschattierungen auf. Man hat das Gefühl, dass das eigene Auge regelrecht auf der Suche nach weiteren Farben ist, die aber durch das Lichtdesign und das visuelle Konzept von Yoko Seyama nur sehr spärlich eingesetzt werden. Ein Tänzer tritt in einem roten Kostüm auf, das sich als langes Tuch entpuppt, aus dem ihn eine Tänzerin auswickelt. Weitere Tänzerinnen und Tänzer werden auf roten Tüchern auf die Bühne gezogen, nehmen die Farbe jedoch nicht an. Haubrichs Musik besteht größtenteils aus elektronischen Klangeffekten, die mit dem Geschehen auf der Bühne eine abstrakte Einheit bilden. Zwischendurch blitzen Elemente der Minimal Music auf, in denen die Compagnie durch große Präzision überzeugt. Dennoch versteht man bei diesem Teil noch nicht so ganz, wo Hakobyan und Untila mit ihrer Choreographie eigentlich hinwollen, da die Bewegungen nach einer Weile sehr repetitiv werden.

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Beeindruckendes Schattenspiel: Carla Colonna und Liam Blair

Das ändert sich im zweiten Teil, den die beiden Choreographen mit "Finde deine Farbe" überschrieben haben. Der Teil beginnt mit einem Schattenspiel. Carla Colonna und Liam Blair stehen jeweils vor einem auf dem Bühnenboden platzierten Scheinwerfer und werfen große Schatten auf die Rückwand. Diese Schatten treten durch entsprechende Bewegungen der beiden in Interaktion, berühren sich, verschmelzen miteinander und werden schließlich durch Tänzerinnen und Tänzer, die hinter der Leinwand stehen, vervielfacht. So beginnen die Schatten, ein Eigenleben zu führen. Die Rückwand wird in den Schnürboden emporgezogen und gibt den Blick auf die Compagnie frei, die hier mit verschiedenen Lichtquellen experimentiert. Dann werden zwei große Spiegelflächen leicht schrägt aus dem Schnürboden herabgelassen, die die Tänzerinnen und Tänzer in interessanten Perspektiven duplizieren. Das hat zwar alles noch nicht allzu viel mit Farben zu tun, bewegend ist es jedoch allemal. Die elektronische Musik Haubrichs hat nun auch eine ganz andere Ausprägung als im ersten Akt. Gesprochene Passagen werden in die elektronischen Klänge eingefügt. Insgesamt wirkt sie wärmer und eingängiger.

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Dupliziert durch die Spiegel: Yuki Kishimoto und Davit Jeranyan

Dann beginnen die "Farbspiele". Die Tänzerinnen schieben rechteckige Scheiben auf die Bühne, die in Gelb, Blau, Grün und Rot eingefärbt sind und gemeinsam mit den Spiegeln und einer ausgeklügelten Lichtregie beeindruckende Farbeffekte erzeugen. In diesen entstehenden Farbfeldern bewegen sich die Tänzerinnen und Tänzer und nehmen die Farben regelrecht in sich auf. Eine Tänzerin stellt sich zwischen zwei Scheiben und wird dort zusätzlich reflektiert. Nachdem jeder für sich seine Farbe gefunden hat, werden Paare gebildet. Die Tänzer erscheinen hinter den Scheiben auf der Bühne, und die Tänzerinnen wählen jeweils eine Farbe aus, zu der sie sich hingezogen fühlen. Dabei werden die Scheiben innerhalb des Rahmens gedreht, so dass die Paare zusammenfinden können. Durch die waagerecht gedrehten Scheiben entstehen erneut in den Spiegeln wunderbare Lichtspiele. Bevor sich die Tänzerinnen und Tänzer von der Bühne zurückziehen, werden lange rechteckige Tücher aus dem Schnürboden auf der rechten Seite herabgelassen. In der Einführung vor der Vorstellung wird erklärt, dass es sich hierbei um die Spitze eines Pinsels handeln soll. Um dieses Bild darin zu sehen, benötigt man jedoch sehr viel Fantasie, da die Tücher am Ende nicht zusammengeführt werden und in einen Stab übergehen. Eine Tänzerin dreht die einzelnen Tücher zusammen. Ein anderer Tänzer sucht vielleicht in diesen Tüchern nach Farbe. Aber er bleibt blass und farblos.

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Spiel mit farbigen Scheiben: Ensemble

Am Ende kehrt das Paar vom Anfang zurück. Blair trägt nun einen langen grünen Rock. Er hat also seine Farbe gefunden, legt diese Farbe im Pas de deux mit Colonna aber wieder ab. Gemeinsam begeben sie sich an die Bühnenrampe auf ein weißes Tuch, das über den Boden gespannt ist, und versinken durch Herablassen des darunter liegenden Orchestergrabens bis zum Bauch wie in einem See. Dort tauchen sie ein und an anderer Stelle wieder auf. Mal verlieren sie sich, dann finden sie wieder zueinander. Am Ende ist dann Colonna plötzlich verschwunden. Blair bleibt allein zurück. Der Orchestergraben wird wieder hochgefahren, und Blair hält ein langes farbiges Tuch in der Hand, welches er dann langsam nach hinten über die ganze Bühne zieht. Ist ihm von der Frau nur eine farbige Erinnerung geblieben? Die Compagnie tritt zu dem einsamen Tänzer, und der Vorhang wird langsam herabgelassen. Die Compagnie und die beiden Choreographen werden mit Jubel gefeiert, und von Van Cauwenbergh gibt es Blumen für das Regie-Team.

FAZIT

Das Aalto Ballett zeigt, dass es auch den abstrakten Tanz beherrscht. Bewegen können an diesem Abend aber vor allem die Lichtspiele und weniger die Farben.


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Produktionsteam

Choreographie
Armen Hakobyan
Denis Untila

Bühne, Lichtdesign und Visuelles Konzept
Yoko Seyama

Kostüme
Rosa Ana Chanzá Hernández

Licht
Valeria Lampadova

Dramaturgie
Christian Schröder


Tänzerinnen und Tänzer

Carla Colonna - Liam Blair

Mariya Tyurina - Yehor Hordiyenko

Yuki Kishimoto - Davit Jeranyan

Yusleimy Herrera León
Ekaterina Mamrenko
Yurie Matsuura
Ana Carolina Reis
Yanelis Rodriguez
Julia Schalitz
Yulia Tikka
Marie Van Cauwenbergh
Mika Yoneyama

Ige Cornelis
Nwarin Gad
Moises León Noriega
Take Okuda
Tomaš Ottych
Artem Sorachan




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