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Die lustige Witwe

Operette in drei Akten
Text von Victor Léon und Leo Stein
nach der Komödie L'Attaché d'ambassade (1861) von Henri Meilhac
Musik von Franz Lehár


In deutscher Sprache mit deutschen und englischen Übertiteln

Aufführungsdauer: 2h 30' (eine Pause)

Premiere am 13. Mai 2018 in der Oper Frankfurt

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Oper Frankfurt
(Homepage)
Achtung: Aufnahme!

Von Roberto Becker / Fotos von Monika Rittershaus

Die Dirigentin Joana Mallwitz ist in nicht nur in Thüringen ein Begriff. Sie ist aber vor allem von dort aus zu einem gesuchten Namen der Branche geworden. Seit die jetzt 32jährige vor vier Jahren, von Heidelberg kommend, als jüngste GMD in Erfurt begann, den Takt für das Orchester vorzugeben, sorgt sie mit Eleganz und Konsequenz für Schwung im Graben. Zugleich aber auch für einen Schub in ihrer eigenen Karriere. Sie wird in dieser Funktion mit Beginn der nächsten Spielzeit ans Staatstheater Nürnberg wechseln. Der Erfurter Generalintendant Guy Montavon versteht sich und sein Haus ja ganz bewusst immer auch als Sprungbrett für junge Künstler. Es ist daher kein Drama für Erfurt, wenn Mallwitz geht - es war toll, dass sie da war.

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Dass Joana Mallwitz jetzt an der Oper in Frankfurt zur jüngsten Premiere der Lustigen Witwe am Pult steht, verwundert also nicht. Auch an der Oper Frankfurter hat man ein Gespür für junge Talente. Es gehört zum Markenzeichen dieses Hauses und seines Intendanten. Zudem hatte Joana Mallwitz in Erfurt Ende letzten Jahres die Lustige Witwe sozusagen schon mal in einer eigenen Produktion ausprobiert. In Frankfurt schwelgt sie jetzt mit dem dortigen Museums- und Opernorchester nicht nur mit großer Umsicht in den melancholischen Passagen des Vilja-Liedes und kostet sie aus, sondern macht zugleich dem großen Revueauftritt mit Esprit Beine. Mit Marlis Petersen als gar nicht so lustiger Witwe Hanna Glawari und dem smarten Ukrainer Iurij Samoilov hat sie zudem genau das Traumpaar zur Verfügung, das Regisseur Claus Guth aus einer besonderen Perspektive betrachtet.

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Claus Guth gehört zu der Handvoll von Regisseuren auf deren Qualitäten man sich immer verlassen kann. Diesmal kommt hinzu, dass er neben der handwerklichen Perfektion und gedanklichen Tiefe auch noch erstaunlich viel hintersinnigen Witz beweist. Und offensichtlich die Operette (auch diese ganz spezielle) mag. Dabei verfällt er nicht auf eine eher platt kalauernde Vergegenwärtigung der Story um die Staatspleite des Phantasiekleinstaates Pontevedro, den nur die Einheirat der geerbten Millionen des Landeskindes Hanna Glawari abwenden kann. Was in einem Operettenstaatswesen offenbar denkbar ist. Damit das geschieht, soll der Salon Diplomat Graf Danilo Danilowitsch die Dame heiraten. Der ist eigentlich auch genau der Richtige, weil sich die beiden eh' schon kennen, und eigentlich auch immer noch lieben. Aber das will vor allem er nicht zugeben. "Verlieb dich oft, aber heirate nie!", so die Devise des zum Stammgast im Pariser Vergnügungsetablissement schlechthin, dem Maxime avancierten Diplomaten. Mit allerlei kleinen Intrigen Umwegen funktioniert diese Art von europäischer Politik am Ende auch. Jedenfalls bei Lehár. Und natürlich auch in Frankfurt.

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Claus Guth und sein langjähriger Ausstatter Christian Schmidt entführen uns in ein großzügiges Filmstudio, wo in üppigen Kulissen und geschmackvoll opulenten Kostümen der Film zur Operette gedreht wird. Vorbild dafür sind Wiener Studios, die Guth bei diversen Proben für seine Inszenierungen im Theater an der Wien kennengelernt hat. Zwischen dieser gedämpften Opulenz einer Dreißigerjahre-Architektur und der entsprechenden Musikfilm-Eleganz der Kostümierung der gesamten Besetzung agiert ein Aufnahmeteam von heute mit allem technischen Drum und Dran, das man dafür benötigt. Und sorgt zugleich für den Zugang und eine gewisse Distanz zum Charme der Operettenintrige. Bis hin zum Pausenimbiss für Alle im "Hof" oder dem Wechsel zum "Arbeitslicht" und entsprechenden Anweisungen während der Drehs.

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Der Regisseur hat sich dabei selbst die Sprechrolle des Njegus gesichert. Was Schauspieler Klaus Haderer mit dem leicht vernuschelten Wiener Charme von Ufa-Star Hans Moser ganz fabelhaft macht. So führen sie allesamt diese Groß-Operette vor, aber sie denunzieren sie dabei nicht. Sondern sie versuchen in jeder Szene das gute alte Schmankerl und seine unverwüstliche Musik mit Sympathie ins rechte Filmlicht zu rücken. Hinzu kommt diesmal, dass sich eben nicht nur Hanna und Danilo eigentlich lieben, aber einen ziemlich Umweg zum Operettenhappyend zurücklegen. Hier liebt die Hanna-Sängerin auf der Bühne eigentlich den Danilo-Darsteller. Zwischen den beiden gibt es am Ende kein Happyend. Für uns muss das in der Operette reichen. Dass sich die beiden zwischendrin auch mal mit ihren bürgerlichen Vornamen also mit Marlis und Jurij anreden, gehört zu den doppelbödigen Verwirrspielen, die diese Inszenierung so hinreißend machen.


FAZIT

Joana Mallwitz und Claus Guth setzten Franz Lehárs Lustige Witwe an der Oper Frankfurt ins rechte Licht - ein hinreißende Kombination!


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Produktionsteam

Musikalische Leitung
Joana Mallwitz

Regie
Claus Guth

Bühne und Kostüme
Christian Schmidt

Licht
Olaf Winter

Choreographie
Ramses Sigl

Chor
Tilman Michael

Dramaturgie
Konrad Kuhn



Chor und Statisterie
der Oper Frankfurt Frankfurter Opern-
und Museumsorchester


Solisten

Graf Danilo Danilowitsch
Iurii Samoilov

Hanna Glawari
Marlis Petersen

Baron Mirko Zeta
Barnaby Rea

Valencienne
Elizabeth Reiter

Camille de Rosillon
Martin Mitterrutzner

Sylvaine
Julia Dawson

Vicomte de Cascada
Theo Lebow

Raoul de St. Brioche
Michael Porter

Bogdanowitsch
Gordon Bintner

Kromow
Dietrich Volle

Olga
Maria Pantiukhova

Pritschitsch
Franz Mayer

Praskowia
Margit Neubauer

Njegus
Klaus Haderer



Weitere Informationen
erhalten Sie von der
Oper Frankfurt
(Homepage)







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