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Saul in Ein Dor

Opera concertante
Text aus dem 1. Buch Samuel (Kap. 28 Vers 3 - 28)
Musik von Josef Tal


Die Jugend Abrahams

Kammeroper in drei Szenen nach den Legenden aus der Aggada
Text Text aus dem 1. Buch Samuel (Kap. 28 Vers 3 - 28)
Musik von Michail Gnesin - Uraufführung -

in hebräischer Sprache mit deutschen Übertiteln

Aufführungsdauer: ca. 2h 15' (eine Pause)

Premiere (gleichzeitig Uraufführung von Die Jugend Abrahams) im Theater Gera am 10. November 2017


Logo: Theater Altenburg - Theater Gera

Theater Altenburg - Theater Gera
(Homepage)
Musikalische Stolpersteine

Von Stefan Schmöe / Fotos von Sabine Sabovik

Allein die Entscheidung, zwei vergessene hebräische Kammeropern auszugraben, ist ein Statement. Und ein Höhepunkt der 25. Thüringer Tage der jüdisch-israelischen Kultur, die noch bis zum 18. November dauern. Noch dazu, wenn es so sorgfältig umgesetzt wird, wie jetzt in Gera (in der kleinen Bühne des Theaters am Park) Josef Tals Saul in Ein Dor und Michail Gnesins Die Jugend Abrahams. Der Hindemith-Schüler Tal (1910-2008) floh 1934 vor dem Nazi-Terror nach Palästina. Für ihn ist auch die halbstündige Kammeroper über Sauls Besuch bei der Totenbeschwörerin Ein Dor ein Beitrag, so etwas wie eine eigene israelische klassische Musik zu etablieren. Sie wurde 1955 uraufgeführt.

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Samuel in Ein Dor

Ein Dor beschwört den Geist des toten Propheten Samuel herauf, der dem König Saul sein Ende vorhersagt. Daraufhin bricht der zusammen und wird von Ein Dor getröstet. Hilke Försters Bühne kommt mit einem Laufsteg und einem Turm für Ein Dor (außen steingrau, innen wärmend rot) aus. Regisseur Michael Dissmeier lässt seinen Saul (eindringlich: Tenor János Ocsavai) als einen Juden von heute mit zwei Koffern bei Ein Dor (Ayala Zimbler-Hertz) bei sich bzw. seinem Ende ankommen. Der tote Samuel (Alejandro Lárraga Schlekse) tritt als komplett verhülltes Gespenst auf. Der Sprecher Peter Prautsch führt als Erzähler mit Gottvater-Attitüde (in deutsch) durch diese hebräisch gesungene Begegnung. Die Musik, die GMD Laurent Wagner mit einem Kammerorchester in Dutzend-Stärke beisteuert, packt durch ihr klirrendes Vibrieren und die Eloquenz, die auf den Sound des Hebräischen setzt.


Vergrößerung in neuem Fenster Samuel in Ein Dor

Auch in der zweiten Oper über die Jugend Abrahams geht es um eine Selbstfindung. Von diesem Werk existiert nur der Klavierauszug von Michail Gnesin (1883-1957). Der in Weimar lehrende Jascha Nemtsov hat ihn ausgegraben. Seine Frau Sara hat kürzlich mit Sacrifice eine Oper über den Dschihad komponiert, die in Halle in der gerade mit dem Theaterpreis DER FAUST ausgezeichneten Raumbühne erfolgreich uraufgeführt wurde. So wie die Pianistin Yuka Beppu die Musik jetzt in Gera bei der ersten szenischen Aufführung des Werkes überhaupt, interpretiert, ahnt man, wie bombastisch die Orchesterversion möglicherweise geraten wäre. So bleibt es im Format eines dramatischen XL-Liederzyklus.

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Die Jugend Abrahams

Der junge Abraham überlebt einen königlich verordneten Kindermord nur, weil ihn sein Vater Terach in solcher Abgeschiedenheit versteckt, dass ihm die erste Begegnung mit der Sonne und ihrem Untergang existenzielle Angst macht. Erst der Sonnenaufgang gibt ihm sein Gottvertrauen wieder. Hier befreit sich Abraham (wieder Ocsavai) und schläft an einer Tafel ein. Wenn dann das Porträt Theodor Herzls über ihm schwebt, Mitglieder der jüdischen Gemeinde Thüringens als Statisten mit ihrer natürlichen Würde aufmarschieren, eine Abendmahls- (oder Präsidiums-)Szene imaginieren und dann auf ein quasi göttliches Fingerschnipsen hin zwei israelische Staatsflaggen das Porträt flankieren (so wie bei der Israelischen Unabhängigkeitserklärung am 14. Mai 1948), wird allerdings aus dem beabsichtigten historischen Brückenschlag ein allzu propagandistischer Kurzschluss.


Vergrößerung in neuem Fenster Die Jugend Abrahams

Zwischen dieses Selbstverständnis des modernen und des alttestamentarischen Israel passt nichts und niemand mehr. Ausgewogener Geschichtsunterricht ist freilich nicht die Aufgabe von Kurzopern. Da geht es um das Gefühl von Verlust, Geschichte und Hoffnung. Der letzte Satz des Abends "Wenn Ihr wollt, dann ist es kein Märchen" darf man so gesehen, im Land der Stolpersteine, als Aufforderung zum Nachdenken auffassen.


FAZIT

Das Theater Gera-Altenburg gräbt mit der hohen künstlerischen Sorgfalt, die an diesem Opernhaus herrscht, zwei hebräische Kurzopern aus, erwirbt sich damit musikhistorische Verdienste und setzt obendrein ein politisches Zeichen.


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Produktionsteam

Musikalische Leitung
Laurent Wagner

Inszenierung
Michael Dissmeier

Bühne und Kostüme
Hilke Förster

Beratung und Coaching
Jascha Nemtsov

Dramaturgie
Felix Eckerle



Philharmonisches Orchester Altenburg-Gera

Yuka Beppu, Klavier


Solisten

Sprecher
Peter Prautsch

Saul/ Abraham
János Ocsovai

Die Frau
Ayala Zimbler-Hertz

Samuel/ Terach, Abrahams Vater
Alejandro Lárraga Schleske






Weitere Informationen
erhalten Sie von den
Bühnen der Stadt Gera und Landestheater Altenburg
(Homepage)




Da capo al Fine

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