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Das Rheingold

Vorabend zum Bühnenfestspiel Der Ring des Nibelungen
Text und Musik von Richrd Wagner
Fassung für Kinder ab acht Jahren von Brigitta Gillesen und Rainer Mühlbach
Arrangement von Stefan Behrisch


in deutscher Sprache mit deutschen Übertiteln

Aufführungsdauer: ca. 1h 10' (keine Pause)

Premiere im Staatenhaus Köln-Deutz (Saal 3) am 5. November 2017
(rezensierte Aufführung: 18. November 2017)


Logo: Oper Köln

Oper Köln
(Homepage)

Märchenspiel auf dem grünen Rasen

Von Stefan Schmöe / Fotos von Paul Leclair

Die Kölner Oper spielt den ganzen Ring des Nibelungen für Kinder (ab acht Jahren), und zwar so, wie es sich gehört, nämlich an vier Abenden (respektive altersentsprechend Vor- oder Nachmittagen). Allerdings werden die vier Teile sukzessive in vier Spielzeiten auf die Bühne gebracht - nicht ganz unproblematisch, denn parallel dazu wird ja auch das Publikum durchaus merklich altern, und ob ein Besucher 8 oder 10 Jahre ist, das macht einen größeren Unterschied als bei einem 50- oder 52-jährigen Erwachsenen. Der Fokus der Produktion muss also entsprechend groß sein. Das "Zeitlose und Märchenhafte" soll im Mittelpunkt stehen, so verspricht's die Ankündigung, ist das ist angesichts dieser Konstellation sicher nicht falsch. Regie führt Brigitta Gillesen, Leiterin der Kölner Kinderoper.

Szenenfoto

Rheintöchter und Alberich

Sie erzählt die Geschichte geradlinig und ohne Aktualisierung; dass das nicht ins Biedere oder allzu naiv Märchenhafte abgleitet, ist in erster Linie den Kostümen (Ausstattung: Christof Cremer) zu verdanken. Teils tatsächlich zeitlos (wie die kokonartigen Panzer der Riesen), teils mit Anklängen an das bürgerliche 19. Jahrhundert (Wotan und Fricka), teils verrätselt phantasievoll (Freia mit schulfbehangenem Kleid) - da deutet sich unaufdringlich die Vielschichtigkeit der Deutungsmöglichkeiten an. Walhall als Betonburg ist geradezu modern (und sicher jeder mittelalterlichen Burgromantik vorzuziehen), der Modellbahnrasen davor allerdings arg niedlich geraten, und die eindrucksvolle Weltesche dürfte für ein junges und (noch) nicht Wagner-versiertes Publikum wohl unverständlich bleiben, da sie keinerlei szenische Funktion hat. Für Niebelheim fährt eine Klappe hoch, da wird die Szene ein wenig verschenkt. Der Rhein als besserer Pool vor der eigentlichen Bühne ist auch eine eher kleine Lösung. Sicher sind die technischen Möglichkeiten im Ausweichquartier der Oper Deutzer Staatenhaus sehr eng begrenzt; gleichwohl hätte man sich visuell eindrucksvollere, ja: mutigere Lösungen vorstellen können.

Szenenfoto

Freia mit Risen, Loge und Wotan

Das betrifft auch die eher uninspirierte Personenregie, die zwar die Geschichte brav nacherzählt, dem Innenleben der Figuren aber ziemlich fern bleibt (und auch das wäre doch ganz entscheidend, um das junge Publikum für das Wagner-Theater zu gewinnen). Zudem geht das ziemlich internationale Ensemble reichlich schlampig mit der deutschen Sprache um. So lange gesungen wird, mag das noch angehen; problematisch wird es an den eingestreuten gesprochenen Passagen - das sind nicht allzu viele, und da dürfte man doch von einem jungen Sänger aus dem Opernstudio erwarten, dass ein paar Sätze mit Sprachcoach angemessen trainiert werden. Wobei ja grundsätzlich zu bedauern ist, dass eben nicht die Sänger aus der ersten oder zweiten Garde singen, sondern der Nachwuchs, der sich, sagen wir: mittelprächtig schlägt. Insik Choi (mit dieser Spielzeit ins "richtige" Opernensemble übernommen) ist ein arg braver Wotan, Dino Lüthy ein unauffälliger Mime, Hoeup Choi ein netter, leider viel zu junger Alberich mit Potenzial. Die stärksten Eindrücke hinterlassen Maria Isabel Segarra als glühende Freia und die souveräne Fricka von Judith Thielsen (die hat auch schon ein paar Jahre Bühnenerfahrung).

Szenenfoto

Loge, Wotan, Fricka und Freia

Allzu dünn in den Streichern ist das Kammerorchester besetzt (Arrangement: Stefan Behrisch), und die auf etwas mehr als eine Stunde reduzierte Fassung (Brigitta Gillesen und Rainer Mühlbach, der auch dirigiert) traut sich viel zu selten, die Musik für sich sprechen zu lassen. Sicher ist es schwierig, das Rheingold angemessen zu beschneiden, ohne Handlungsfäden aufzugeben (dabei sind Mime, Froh und Donner gestrichen, Erde singt unsichtbar). Es bleibt aber der Eindruck einer etwas atemlosen Aneinanderreihung von Szenen, ohne dass sich Höhepunkte herauskristallisieren könnten. Der Spannungsbogen immerhin hielt in der hier besprochenen Aufführung, und langweilig wird es nicht - das keineswegs nur kindliche Publikum blieb doch sehr konzentriert. Nachbessern allerdings sollte man bei der recht flachen Zuschauertribüne, die schlechte Sichtverhältnisse bietet. Da hatte die Kölner Oper bei anderen Produktionen im Saal 3 (wie dem Lied der Frauen vom Fluss) schon Lösungen gefunden, bei denen man deutlich besser sehen konnte.


FAZIT

Der Start in den Ring ist mit einer ganz soliden Inszenierung geglückt. Gleichwohl bleibt für die weiteren drei Teile noch viel Luft nach oben.


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Produktionsteam

Musikalische Leitung
Rainer Mühlbach

Inszenierung
Brigitta Gillesen

Bühne und Kostüme
Christof Cremer

Licht
Nicol Hungsberg

Dramaturgie
Tanja Fasching


Gürzenich-Orchester Köln


Solisten

* Besetzung der rezensierten Aufführung

Wotan
Insik Choi

Loge
Dino Lüthi

Alberich
Hoeup Choi

Fasolt
Lucas Singer /
* Yunus Schahinger

Fricka / Flosshilde
Judith Thielsen

Freia
Maria Isabel Segarra

Woglinde
Maria Kublashvili

Wellgunde
Sara Jo Benoot

Stimme der Erda
Jing Yang



Weitere
Informationen

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Da capo al Fine

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