Zur OMM-Homepage Zur OMM-Homepage Veranstaltungen & Kritiken
Musiktheater
Zur Homepage Zur Musiktheater-Startseite E-Mail Impressum



Maria

Oper in drei Akten
Libretto nach dem gleichnamigen Versepos von Antoni Malczewski
Musik und Text von Roman Statkowski


In polnischer Sprache mit deutschen Übertiteln

Dauer: ca 1 3/4  Stunden – keine Pause

Premiere am 17. März 2018
(rezensierte Aufführung: 22.04.2018)




Homepage
Opernthriller aus Polen

Von Christoph Wurzel / Fotos von Stephan Walzl

Kurz aber heftig treibt in dieser Oper die Handlung einem grausigen Ende entgegen. Roman Statkowskis Maria ist ein regelrechter Opernkrimi. Der Liebe von Maria und Wacław ist keine Zukunft beschieden, denn dem Vater des jungen Mannes, einem Wojwoden (dem Statthalter irgendeiner Provinz), ist die Geliebte seines Sohnes nicht standesgemäß. Um das bereits heimlich verheiratete Paar auseinander zu bringen, fädelt er eine perfide Intrige ein: Er schützt einen Angriff äußerer Feinde vor, um den Sohn gemeinsam mit dem Vater der jungen Frau in die Schlacht zu schicken. Nach dieser Bewährungsprobe werde er der Verbindung zustimmen, versichert er. Doch tatsächlich lässt er in deren Abwesenheit Maria von Häschern aus dem Weg räumen. Als Wacław zurückkommt und Maria ermordet findet, plant er zuerst Rache am Vater zu nehmen, tötet sich aber dann selbst, um mit seiner Geliebten im Tode vereint zu sein.

Ein klassisch romantischer Opernstoff also, den der polnische Komponist Roman Statkowski äußerst wirkungsvoll vertont hat. Dennoch hat sich das Werk auf den Spielplänen nie durchgesetzt, auch nicht in Polen selbst, obwohl die Handlung auf einem der polnischen Nationalepen beruht. Beim Wexford Festival Opera 2011 wurde es wieder aus der Versenkung geholt (siehe auch unsere Rezension) und das Oldenburgischen Staatstheater hat Maria nun als deutsche Erstaufführung in den Spielplan genommen.

Eindrucksvoll ergänzt die Inszenierung von Andrea Schwalbach dieses Drama eines perfiden Vertrauensbruchs um eine politische Komponente. Sie lässt die Handlung in einer  Gesellschaft spielen mit deutlich autoritären Zügen, vielleicht spät- oder postsozialistisch, in welcher jedenfalls ein solcher Machthaber wie dieser Wojwode alle noch unangefochten im festen Griff seines Zwangsregimes hat. Es ist den Gesichtern der Leute anzusehen, wie sie im ersten Akt zur bestellten Huldigungsfeier freudlose Fröhlichkeit demonstrieren und entsprechend gefühlsarm ihre Jubelchöre heruntersingen, dies obendrein nur unter reichlichem Alkoholeinfluss. Vielsagend und sehr detailliert hat die Regie den großen Chor auf der Bühne geführt, in dessen Gesichtern sich deutlich nur Verachtung und bittere Resignation zeigt.

Bild zum Vergrößern

Die Seherin allen Unglücks: Britta Glaser (hinten als Pacholę) und Arminia Friebe (vorn: als Maria)

Nur die junge Pacholę sticht aus der Masse schon durch ihre Kleidung hervor. Entgegen dem ärmlich und billig wirkenden Look der übrigen Leute, betont sie  modisch im samtenen Hosenanzug und mit einer Nuance erotischer Ausstrahlung  Selbstbewusstsein und Widerständigkeit. Von der Regie aufgewertet wird sie im Verlauf der Handlung immer wieder als Einzige das feste Gefüge des vom Wojwoden gesponnenen Netzes zu durchbrechen versuchen. Aber auch als tröstender, guter Geist stellt sie sich später als eine Art Schutzengel der leidenden Maria zur Seite. Musikalisch eigentlich eine Randfigur, aber symbolisch von hoher Bedeutung weist sie quasi als Seherin auf das zwangsläufig eintretende böse Ende voraus. Mit warmem Alt singt Britta Glaser die wenigen Zeilen: Überall lauert der Tod.

Mit herrischem Auftreten spielt Tomasz Wija den Wojwoden beklemmend deutlich als aggressiv brutalen Charakter. Kaltschnäuzig mit machtvollem, unerbittlich forderndem Bass stachelt er den Patriotismus des Volkes angesichts des vorgeblichen Überfalls der Feinde an. Als zynischen Beobachter lässt die Regie ihn die Szene  zu Beginn des zweiten Aktes von außen miterleben, wenn  Miecznik, Marias Vater (Kihun Yoon mit fülligem warmem Bass), seine Zweifel, die Tochter dagegen die Unerschütterlichkeit ihrer Liebe zu Wacław bekunden.  Auf einer Bühne auf der Bühne zeigt Andrea Schwalbach diese Familienszene als eine falsche Idylle in den folkloristischen Kostümen des polnisch-ukrainischen Originalschauplatzes der Oper. Als ob er ihr helfen solle, wendet sich Maria mit ihrer schwärmerischen Arie unbewusst an den am Rand lauernden Wojwoden. Doch tatsächlich wird er ihr Henker sein. Als darauf sein Brief bei Marias Vater eintrifft, der diesen mit dem geheuchelten Versprechen, danach die Verbindung der beiden Liebenden zu legitimieren, zum Kriegszug auffordert,  beobachtet der Wojwode dieses Resultat seiner Heimtücke mit unverhohlener Freude.

Bild zum Vergrößern

Eine traurige Braut: Arminia Friebe als Maria

Gegen all solche Niedertracht bleibt die Beziehung der beiden jungen Leute zwangsläufig chancenlos. Erschüttert erlebt man, wie emphatisch sie sich gegenseitig ihrer Liebe versichern. Mit zwei blendenden Sängern sind diese Rollen besetzt: Arminia Friebe gibt mit ihrem strahlend aufblühenden Sopran den lyrischen Linien ihrer Liebes-Arie jugendlichen Charme. Im Gleichklang mit Jason Kim wird ihr Liebesduett zum einzig gemeinsamen Moment von Leidenschaft und Glück, der ihnen in der Oper vergönnt ist. Mit kraftvollem Tenor gibt Jason Kim den Wacław im ersten Akt als schwärmerisch jungen Mann, der nicht bereit ist, sich den Vorschriften seines Vaters zu beugen.

Im dritten und zugleich kürzesten Akt wird die Oper zum Thriller. Im Trubel eines grotesk gespenstischen Karnevalstreibens wird Maria von einem maskierten Mob überwältigt und in einer Plastiktüte erstickt, während die Musik zu ungeheurer Dramatik auffährt. Der zurückgekehrte Wacław schlitzt sich die Pulsadern auf, Pacholę reicht dem Wojwoden das Messer zum Selbstmord. Da er selbst aber zur Tat zu feige ist, gibt sie ihm den finalen Todesstoß.

Bild zum Vergrößern

Finale Tragödie: Maria ermordet, Wacław mit geöffneten Pulsadern und der Wojwode bald von Pacholę gerichtet (v.l.: Arminia Friebe, Jason Kim, Tomasz Wija und Britta Glaser)

So kurz diese Oper mit ihren ineinander übergehenden Akten auch ist, so bietet sie doch eine Fülle von zündender Musik. Statkowski, von Grund auf  Vertreter der slawischen Schule, verwebt in seinem Werk auch westliche Einflüsse von Wagner bis hin zum Impressionismus. Dramatisch zeichnet er Situationen und die seelische Lage der Figuren. Dem raschen Wechsel der Atmosphäre folgt seine Musik mit expressiver Intensität und reichen instrumentalen Farben. Einige starke Chorszenen prägen das Geschehen, darunter ein Gebet im altslawischen a-capella-Stil. Als in unterschiedlichen Stimmungen variiertes Wiedererkennungsmotiv durchzieht die Oper eine Liebesmelodie von der Ouvertüre bis zum tragischen Schluss. Der Oldenburger GMD Hendrik Vestmann führt das klanglich schön spielende Orchester mit fester Hand zu spannenden Höhepunkten dieser bemerkenswert ausdrucksstarken Musik.

FAZIT

In jeder Spielzeit neu macht sich das Oldenburgische Staatstheater für eine lohnenswerte Rarität stark, was umso verdienstvoller ist, da solch unbekannte Werke an diesem kleinsten Staatstheater in Deutschland gängigen Repertoirerennern den Platz wegnehmen. Allerdings belohnte an diesem Abend das Oldenburger Publikum sein Theater für diesen Mut mit warmherzigem Beifall. Und dies zurecht für eine musikalisch und szenisch rundum gelungene Produktion.


Ihre Meinung
Schreiben Sie uns einen Leserbrief
(Veröffentlichung vorbehalten)

Produktionsteam

Musikalische Leitung
Hendrik Vestmann*
Vito Cristofaro

Inszenierung
Andrea Schwalbach

Bühne
Anne Neuser

Kostüme
David Gonter

Choreografie
Yoko El Edrisi

Licht
Ernst Engel

Dramaturgie
Annabelle Köhler

 

Oldenburgisches Staatsorchester

Opern- und Extrachor
des Oldenburgischen Staatstheaters

 

Solisten

*rezensierte Aufführung

Maria
Arminia Friebe

Wacław
Jason Kim

Miecznik
Kihun Yoon

Wojewoda
Tomasz Wija

Zmora
Henry Kiichli

Pacholę
Britta Glaser

Szlachcic
*Sandro Monti /
Volker Röhnert

Zwei Gesandte
Ihor Salo
Toshihiko Matsui

 



Weitere Informationen
erhalten Sie vom
Oldenburgischen Staatstheater
(Homepage)




Da capo al Fine

Zur OMM-Homepage Musiktheater-Startseite E-Mail Impressum
© 2018 - Online Musik Magazin
http://www.omm.de
E-Mail: oper@omm.de

- Fine -