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Dantons Tod

Text von Boris Blacher und Gottfried von Einem nach Georg Büchner
Musik von Gottfried von Einem



in deutscher Sprache mit verschiedensprachigen Untertiteln

Aufführungsdauer: ca. 1h 30' (keine Pause)

Premiere an der Wiener Staatsoper am 24. März 2018 (rezensierte Aufführung: 27. März 2018)


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Wiener Staatsoper
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Die Schatten der Revolution

Von Roberto Becker / Fotos © Wiener Staatsoper GmbH / Michael Pöhn

In Wien hätte man den Opernspielplan der Stadt im März 2018 auch als kleines Festival zum 100. Geburtstag von Gottfried von Einem verkaufen können. Wiens erstes und zweites Opernhaus brachten nämlich je eine Oper des Jubilars neu heraus. Im Theater an der Wien gab es den Besuch der alten Dame und in der Staatsoper am Ring Danton Tod. Zu diesem 1947 bei den Salzburger Festspielen uraufgeführten Werk haben der Komponist und sein Lehrer Boris Blacher aus Georg Büchners gleichnamiger Vorlage das Libretto geformt. Für die Nobel-Festspiele war das die erste Uraufführung in ihrer Geschichte überhaupt. Für den jungen Komponisten bedeutete das damals einen triumphalen Durchbruch. Von da ab war er ein Protagonist der Literaturoper. So folgten 1953 Der Prozess nach Franz Kafka, 1964 Der Zerrissene nach Johann Nestroy, 1974 Der Besuch der alten Dame nach Friedrich Dürrenmatt und 1976 Kabale und Liebe nach Friedrich Schiller.

Szenenfoto kommt später

Danton und Camille Desmoulins

Sympathie mit der Französischen Revolution weckt die Oper Dantons Tod nicht. Sie zeigt vor allem die menschlichen Schattenseiten dieser Umwälzung, deren Losung Liberté! Egalité! Fraternité! ebenso aus der Vergangenheit zu uns herüber leuchtet, wie andererseits das Blutbad entsetzt. Vor dem auch die prominentesten Anführer der Großen Revolution, Georges Danton und Maximilien Robespierre, nicht zurückschreckten. Letzterer rechtfertigte seinen Beinamen "Blutmessias" obendrein noch dadurch, dass er seinen Widersacher Danton hinrichten ließ. Um später selbst ein ebenso unrühmliches Ende zu nehmen. Die Revolution frisst ihre Kinder - hier wird dieses Wort zum Stück und zur Oper.

Die Inszenierung des Intendanten des Münchner Gärtnerplatztheaters Josef Ernst Köpplinger, die Bühne von Rainer Sinell und Alfred Mayerhofers Kostüme heben den Machtpoker nicht über seinen Zeitbezug heraus, sondern belassen ihn in einem atmosphärischen historischen Ambiente, dem Backstage-Bereich der revolutionären Mordmaschinerie. Der Einheits-Bühnenraum für alle sieben Bilder ist mit Brettern ausgeschlagen. Er erinnert an eine Scheune, in die das Licht fällt. Dahinter senkt sich aber auch immer mal ein schwarzer Prospekt hernieder und erinnert an die Guillotine. Fahnen flattern reichlich. In der Mitte liegt eine umgekippte Kutsche, die wohl für den gerade aus dem Sattel geworfenen Adel steht. Dazu ein Riesenbett, diverse Tische, Stühle, Gerümpel. Hier muss der Chor agieren, und das macht er mit erkennbarem Darstellereifer.

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Lucile

Erzählt wird die Geschichte des blutigen Machtkampfes zwischen dem eiskalten Ideologen Robespierre, der seine Gegner hinrichten lässt, und Danton, der ihm als einziger Einhalt gebieten könnte. Doch der zögert und verhöhnt nur Robespierres demonstrativ zur Schau getragene Tugendhaftigkeit. Robespierre folgt dem Rat von Saint-Just, Danton und seine Vertrauten Hérault de Séchelles und Camille Desmoulins aus dem Verkehr zu ziehen. Danton vermag die Lebensgefahr, in der er sich befindet, nicht zu erkennen. Mit seiner Verhaftung kippt die Handlung. Die Würfel sind gefallen. Es ist klar, dass die Köpfe der Gefangenen rollen werden.

Das eigentlich Beklemmende vollzieht sich außerhalb der Gefängnismauern. Die Massen, die Danton hinter sich hatte, wenden sich nach und nach von ihm ab. Die gefälschten Beweise, mit denen Saint-Just die Anklage rechtfertigt, reichen aus, die Massen im Sinne Robespierres zu manipulieren. Dantons Vertrauen in die Kraft des Wortes und der Wahrheit erweist sich als fataler Irrtum. Die Hinrichtungen werden vom Jubel der Massen begleitet.

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Robespierre

Dass Desmoulins am Ende irre gewordene Gattin Lucile sich mit ihrem "Es lebe der König" selbst um Kopf und Kragen bringt, ist ein Ausrufezeichen, bei dem einem ein kalter Schauer über den Rücken läuft. Zu dem aber, gleichsam als optischer Kontrapunkt, die Wände des Bühnenbildes entschweben und das Licht (einer vagen Zukunft?) herein flutet.

Olga Bezsmertna ist diese darstellerisch anrührende, stimmlich klare Lucile. Wolfgang Koch ist das typgerechte Zentrum der Inszenierung. Überzeugend im wütenden Aufbegehren dagegen, dass der Terror sich gegen ihn richtet, aber nicht mehr in der Lage, kühl etwas dagegen zu machen. Genau diese Ambivalenz trifft Koch fabelhaft. Für seinen Verbündeten Camille Desmoulins geht Herbert Lippert bis an seine stimmlichen Grenzen, manchmal auch etwas darüber hinaus. Thomas Ebenstein fasziniert mit der Eiseskälte Robespierres. Ayk Martirossian als Fanatiker St. Just steht ihm da nicht nach.

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Ensemble

In Wien wir das Stück in eineinhalb Stunden ohne Pause durchgespielt, so dass die Musik ihre Wirkung in dem Einheitsbühneraum ohne Unterbrechung entfallen kann. Der Chor, der stellenweise nur schwer zu verstehen ist, setzt dabei vor allem auf Stimmung und Atmosphäre. Die Solisten eher auf darstellerische Präsenz und klare Diktion. Das Orchester unter Leitung der finnischen Dirigentin Susanna Mälkki entfaltet vor allem in den Orchesterzwischenspielen einen suggestiven Sog.


FAZIT

In Wien hat die Staatsoper einen großformatigen Beitrag des Gedenkens an den 100. Geburtstag mit dessen frühem Wurf "Dantons Tod" geleistet. Wolfgang Koch überzeuge in der Titelpartie besonders.


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Produktionsteam

Musikalische Leitung
Susanna Mälkki

Inszenierung und Licht
Josef Ernst Köpplinger

Bühne
Rainer Sinell

Kostüme
Alfred Mayerhofer

Choreographische Mitarbeit
Ricarda Regina Ludigkeit

Chorleitung
Martin Schebesta



Chor der Wiener Staatsoper

Orchester der Wiener Staatsoper


Solisten

George Danton
Wolfgang Koch

Camille Desmoulins
Herbert Lippert

Hérault de Séchelles
Jörg Schneider

Robespierre
Thomas Ebenstein

Lucile
Olga Bezsmertna

Saint Just
Ayk Martirossian

Herman
Clemens Unterreiner

Simon
Wolfgang Bankl

ein junger Mensch
Wolfram Igor Derntl

1. Henker
Wolfram Igor Derntl

2. Henker
Marcus Pelz

Julie
Alexandra Yangel

eine Dame
Ildikó Raimondi

ein Weib
Lydia Rathkolb



Weitere
Informationen

erhalten Sie von der
Wiener Staatsoper
(Homepage)



Da capo al Fine

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