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Musiktheater
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Granada@Dortmund

Sommerliche Operngala zum Saisonabschluss
Musik von Georges Bizet, Gaetano Donizetti, Franz Lehár, Léo Delibes, Camille Saint-SaŽns, Giuseppe Verdi
und Agustín Lara

in französischer, italienischer und deutscher Sprache

Aufführungsdauer: ca. 2h 25' (eine Pause)

Aufführung im Opernhaus Dortmund am 30. Juni 2019



Theater Dortmund
(Homepage)
Französische und italienische Opernhöhepunkt zum Abschluss der Spielzeit

Von Thomas Molke / Fotos folgen

Nachdem der neue Intendant Heribert Germeshausen das neue Ensemble im Rahmen der Cityring Konzerte auf dem Friedensplatz zu Beginn der Spielzeit vorgestellt hat, bedankt er sich nun mit einer sommerlichen Operngala zum Abschluss der Saison im Opernhaus beim Publikum für das erste Jahr, in dem die Oper ein breites Spektrum von Gioachino Rossini, über Giuseppe Verdi, Giacomo Puccini bis hin zu Philip Glass präsentiert hat. Dafür hat Germeshausen zahlreiche Höhepunkte der Opernliteratur zu einem regelrechten "Feuerwerk der Musik" unter dem Titel Granada@Dortmund zusammengestellt. An solch einem Abend darf natürlich der berühmte Tenorhit "Granada" von Agustín Lara nicht fehlen, der zum Abschluss des Abends von Andrea Shin präsentiert wird. Shin, der als "Special Guest" neben den Ensemble-Mitgliedern angekündigt wird, hat als Gast in der zu Ende gehenden Spielzeit das Dortmunder Publikum in Puccinis Turandot als Calaf begeistert. Vom Ensemble treten allerdings nur drei Sängerinnen und ein Sänger auf. Der Bass Denis Velev musste den Abend leider kurzfristig absagen, so dass die berühmte Arie des Philipp aus Verdis Don Carlo, "Ella giammai m'amo" leider entfallen musste. Auch auf den Dortmunder Opernchor muss man leider verzichten, was sich vor allem bei der zweiten Zugabe, dem Trinklied aus Verdis La traviata, bemerkbar macht.

Souverän führt Germeshausen durch den Abend, den er grob in zwei Teile geteilt hat. Der erste Abschnitt bis zur Pause widmet sich überwiegend der französischen Oper mit dem Hauptaugenmerk auf Georges Bizet. Nach der Pause dominiert dann die italienische Oper Verdis. Dass die Arie der Norina aus Donizettis Don Pasquale und Lehárs "Meine Lippen, sie küssen so heiß" aus Giuditta im ersten Teil untergebracht sind, mag ein wenig verwundern, schmälert den musikalischen Genuss allerdings keineswegs. Am Pult der Dortmunder Philharmoniker sind mit Ausnahme des Generalmusikdirektors Gabriel Feltz alle übrigen aktuellen Kapellmeister und Kapellmeisterinnen zu erleben und zeigen, auf welch hohem Niveau sich die Dortmunder Philharmoniker bewegen. Schon das berühmte Vorspiel aus Carmen, mit dem die Dortmunder Philharmoniker unter der Leitung von Satomi Nishi den Abend eröffnen, wird mit großer Leidenschaft dargeboten und lässt die Zuschauer in ein imaginäres Spanien eintauchen. Mandla Mndebele gibt im Anschluss die große Auftrittsarie des Escamillo mit markantem Bariton. Andrea Shin beweist dann mit Josés berühmter Blumen-Arie, dass er dem Publikum nicht nur mit Calafs "Nessun dorma" durch seinen in den Höhen strahlenden Tenor eine Gänsehaut bescheren kann.

Anna Sohn ist an diesem Abend zwar leicht indisponiert, weswegen ihre Arie im zweiten Teil, "Gualtier Maldè! Caro nome" aus Verdis Rigoletto, entfallen muss, zeigt als Norina in Donizettis Don Pasquale und im anschließenden Blumen-Duett aus Delibes' Lakmé stimmlich aber keine Schwächen. Als kokette Norina, die den alten Don Pasquale gemeinsam mit ihrem Liebhaber Ernesto überlisten will, punktet sie mit strahlenden Koloraturen, die eine absolute Unschuld suggerieren, auch wenn diese junge Frau es faustdick hinter den Ohren hat. Sehr weiche Töne findet sie als Lakmé im Zusammenspiel mit Hyona Kim, die als ihre Vertraute Malika mit samtweichem Mezzo dagegenhält. Daneben nutzt Germeshausen die Einleitungen zu den jeweiligen Stücken auch, um ein bisschen Werbung für die kommende Spielzeit zu machen. So freut er sich, dem Publikum in der folgenden Saison mit Aubers La muette de Portici und Spontinis Fernand Cortez zwei absolute Raritäten in einer Themenreihe zu präsentieren, die sich unter dem Titel "Wagner-Kosmos" mit Vorgängern, Zeitgenossen und Nachfolgern von Richard Wagner beschäftigt. Wenn man Germeshausens Andeutungen richtig versteht, darf man in der übernächsten Spielzeit auf Saint-Saëns' Samson et Dalila hoffen. Hyona Kim präsentiert aus dieser Oper die berühmte Arie der Dalila, "Mon cœur s'ouvre à ta voix", die Kim mit verführerisch weichem Mezzo ansetzt, der nahezu vergessen lässt, dass Dalila es mit Samson nicht wirklich ernst meint. Hier hätten die Dortmunder Philharmoniker das nervöse Flirren der Streicher noch ein bisschen intensiver herausarbeiten können. Mit dem Freundschaftsduett aus Bizets Les pÍcheurs de perles entlassen Shin und Mndebele das Publikum mit einer eindringlichen Interpretation, die der Darbietung im Konzerthaus vor einem Monat im Rahmen des Klangvokal Musikfestivals absolut ebenbürtig ist, in die Pause.

Nach der Pause geht es dann mit Verdi weiter. Krankheitsbedingt musste das Programm allerdings umgestaltet werden. Statt der Arie der Gilda erklingt das Quartett "Bella figlia dell' amore", in der Rigoletto seiner Tochter Gilda vor Augen führt, dass der Herzog sie nur als eine von vielen Trophäen betrachtet und in der Schenke mit Maddalena bereits die nächste Frau erobern will. Obwohl diese Nummer relativ kurzfristig ins Programm aufgenommen worden ist, tragen Mandla Mndebele als Rigoletto, Anna Sohn als Gilda, Andrea Shin als Herzog und Hyona Kim als Maddalena das Quartett ohne Textbuch vor und gestalten das Stück sogar ein bisschen szenisch. Shin, der vorher bereits mit der berühmten Arie des Herzogs, "La donna è mobile", geglänzt hat, umwirbt Kim mit großer Leidenschaft, die diese kokett zurückweist. Sohn stellt die Enttäuschung der verliebten Gilda mit warmem Sopran bewegend dar, und Mndebele überzeugt als von Wunsch nach Rache beherrschter Rigoletto. Im Anschluss empfiehlt sich Irina Simmes als Violetta aus Verdis La traviata, nachdem sie im ersten Teil bereits Lehárs "Meine Lippen, sie küssen so heiß" aus Giuditta angestimmt hat. Mit großer Dramatik und sauber angesetzten Koloraturen begeistert sie in "Sempre libera" als vom Tod gezeichnete Kurtisane, die nicht sicher ist, ob sie sich auf Alfredos Werben wirklich einlassen soll. Shin unterstützt sie als Alfredo aus dem Off mit weichem Tenor.

Zum Abschluss des offiziellen Programms folgt dann der titelgebende Tenorhit "Granada", der von Shin eindringlich interpretiert wird. Natürlich wünscht das begeisterte Publikum noch Zugaben. Die Solisten lassen sich nicht lange bitten. Zunächst zeigt sich Shin bei "O sole mio" auch noch von seiner komischen Seite. Da er bei der zweiten Strophe des berühmten Lieds scheinbar nicht so textsicher ist, holt er kurzerhand sein Handy hervor und liest den Text ab. Nachdem das ganze Programm frei vorgetragen wurde, kann er sich das bei der Zugabe erlauben. Dann scheint er beim letzten Refrain von den Scheinwerfern geblendet zu werden, so dass er eine Sonnenbrille hervorholt und den Schluss absolut cool mit dunkler Sonnenbrille vorträgt. Beim anschließenden "Brindisi" aus Verdis La traviata hat Shin als Alfredo es gleich mit zwei Violettas zu tun, die von Anna Sohn und Irina Simmes mit strahlendem Sopran abwechselnd interpretiert werden. Kim und Mndebele versuchen, den fehlenden Chor zu ersetzen, was natürlich nicht ganz funktioniert, die Freude der Solisten bei der Darbietung allerdings keineswegs stören kann. Das Publikum bedankt sich mit stehenden Ovationen und kann schon gespannt auf die nächste Spielzeit blicken, in der die Solisten alle wieder zu erleben sein werden.

FAZIT

Auch wenn nur relativ wenige Ensemble-Mitglieder an dieser sommerlichen Operngala beteiligt sind, weckt der Abend bereits Vorfreude auf die kommende Spielzeit.

Programm

Georges Bizet: Carmen
Vorspiel (Musikalische Leitung: Satomi Nishi)
"Votre toast" (Mandla Mndebele, Musikalische Leitung: Satomi Nishi)
Blumenarie "La fleur que tu m'avais jetté" (Andrea Shin, Musikalische Leitung: Motonori Kobayashi)

Gaetano Donizetti: Don Pasquale
"Quel guardo il cavaliere" (Anna Sohn, Musikalische Leitung: Motonori Kobayashi)

Franz Lehár: Giuditta
"Meine Lippen, sie küssen so heiß" (Irina Simmes, Musikalische Leitung: Motonori Kobayashi)

Léo Delibes: Lakmé
"Duo des fleurs" (Anna Sohn, Hyona Kim, Musikalische Leitung: Philipp Armbruster)

Georges Bizet: Arlesienne-Suite Nr. 2
Menuett und Farandole (Musikalische Leitung: Sebastian Engel)

Camille Saint-Saëns: Samson et Dalila
"Mon cœur s'ouvre à ta voix" (Hyona Kim, Musikalische Leitung: Christoph JK Müller)

Georges Bizet: Les pÍcheurs de perles
"Au fond du temple saint" (Andrea Shin, Mandla Mndebele, Musikalische Leitung: Philipp Armbruster)

Giuseppe Verdi: Les vÍpres siciliennes
Ouvertüre (Musikalische Leitung: Motonori Kobayashi)

Rigoletto
"La donna è mobile" (Andrea Shin, Musikalische Leitung: Christoph JK Müller)
"Bella figlia dell' amore" (Andrea Shin, Anna Sohn, Mandla Mndebele, Hyona Kim, Musikalische Leitung: Christoph JK Müller)

La traviata
"È strano... Sempre libera" (Irina Simmes, Andrea Shin, Musikalische Leitung: Christoph JK Müller)

Agustín Lara
"Granada" (Andrea Shin, Musikalische Leitung: Christoph JK Müller)

 

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Produktionsteam

Musikalische Leitung
Philipp Armbruster
Sebastian Engel
Motonori Kobayashi
Christoph JK Müller
Satomi Nishi

Moderation
Heribert Germeshausen

 

Dortmunder Philharmoniker

 

Solisten

Hyona Kim
Mandla Mndebele
Andrea Shin
Irina Simmes
Anna Sohn

 


Weitere
Informationen

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Theater Dortmund
(Homepage)



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