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Paris im August

Chansons von Edith Piaf und Barbara

in deutscher und französischer Sprache

Aufführungsdauer: ca. 2 h 10' (eine Pause)

Premiere im Kleinen Haus im MiR am 28. Dezember 2018

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Musiktheater im Revier
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Hommage an zwei große Chansonsängerinnen

Von Thomas Molke / Foto: Judith Lorenz

Mit Chansons von Edith Piaf hat Christa Platzer, seit sie 2008 mit dem Intendantenwechsel als neues Ensemble-Mitglied nach Gelsenkirchen kam, immer wieder das Publikum begeistert. Nachdem sie zunächst mit einem eigens für sie eingerichteten Abend mit Texten von Dirk Schattner in zahlreichen Chansons das Leben des "kleinen Spatzen von Paris" hatte Revue passieren lassen und zwei ganze Spielzeiten für ausverkaufte Vorstellungen im Kleinen Haus gesorgt hatte, tourte sie ab 2010 mit einem neuen Programm unter dem Titel Non je ne regrette rien durch ganz Deutschland. Ein paar Jahre später untermalte sie ebenfalls mit Liedern der Piaf Gudrun Landgrebes Lesungen aus dem französischen Roman Bonjour Tristesse von Françoise Sagan. Für Texte der jüdischen Autorin Irène Némirovsky, die 1942 in Auschwitz-Birkenau ums Leben kam, widmete sie sich ab 2017 einer anderen Pariser Chanson-Sängerin, die zwar nicht die Berühmtheit der Piaf besitzt, in ihren Liedern allerdings eine der Piaf vergleichbare Melancholie einfängt: Barbara, mit bürgerlichem Namen Monique Serf. Nun kombiniert Platzer in einem neuen Abend Chansons dieser beiden Sängerinnen, die bei aller Verschiedenheit doch so viel in ihren Liedern verbindet.

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Christa Platzer als Edith Piaf

Der Titel des Abends, Paris im August, ist zum einen ein Chanson Barbaras, "Paris 15 août", das sie nach ihrem großen Erfolg in Deutschland 1964 in einer Übersetzung von Walter Brandin für die Schallplatte Barbara singt Barbara in deutscher Sprache aufgenommen hat. Zum anderen gibt das Lied inhaltlich einen Ausblick auf das Thema des Abends. Das Chanson handelt von der Geliebten eines verheirateten Mannes, die im August allein in der Metropole zurückgeblieben ist, während er mit seiner Familie wie zahlreiche Franzosen in den Urlaub gen Süden gereist ist. Im August bleiben in Paris nur die Träume und die Sehnsucht zurück, und diese manifestieren sich eben in den Liedern Barbaras und der Piaf. Verbunden werden die Lieder von kurzen Lesungen, in denen Platzer Biographisches über die beiden "Grandes Dames" der französischen Chansons vorträgt. Dazu nimmt sie an einem kleinen Tisch in der Mitte der Bühne Platz. Für die Chansons der Piaf hat Julieth Villada auf der rechten Bühnenseite ein kleines Podest eingerichtet mit einem alten Mikrophon, das den Charme der 50er und 60er Jahre des letzten Jahrhunderts versprüht. Für die Chansons von Barbara bewegt sich Platzer auf die linke Bühnenseite zu einer Chaiselongue. Das schwarze Kleid, das Platzer trägt, spielt darauf an, dass Barbara und Edith Piaf ebenfalls bei ihren Auftritten schwarz gekleidet waren. Als Barbara ergänzt Platzer das Kleid um eine schwarze Stola oder einen schwarzen Umhang.

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Christa Platzer als Barbara

Die neun Lieder, die Platzer von Barbara vorträgt, sind in deutscher Sprache und waren, wenn auch in anderer Reihenfolge, bereits in der musikalischen Lesung mit Gudrun Landgrebe, Parce que je t'aime, zu hören. Sie handeln bis zur Pause von Einsamkeit, die Platzer mit zarter, beinahe zerbrechlicher Stimme bewegend einfängt. Nach der Pause folgt dann das Chanson "Göttingen", das zu einer Art Hymne der deutsch-französischen Völkerverständigung geworden ist. Barbara hatte sich wegen ihrer Erfahrungen als verfolgte Jüdin lange geweigert, eine Einladung zu einem Konzert nach Göttingen anzunehmen und hätte das Konzert beinahe platzen lassen, weil im Theater kein schwarzer Flügel zur Verfügung stand. Doch der unbändige Einsatz von zehn jungen Studenten, die einen Flügel aus dem Privatbesitz einer älteren Dame bis ins Theater transportierten, ließ nicht nur eine tiefe Verbundenheit entstehen, sondern führte schließlich dazu, dass sich Barbara nach ihrem einwöchigen Aufenthalt in Göttingen mit diesem Chanson bei ihren Gastgebern bedankte und anschließend sogar ihre größten Chansons in deutscher Sprache aufnahm. Hervorzuheben sind auch die beiden Chansons "Nantes" und "Ich liebe dich, kann ich nicht sagen". In "Nantes" erfährt eine Frau zu spät vom Verbleib ihres Vaters und schafft es nicht mehr, vor seinem Tod zu seinem Sterbebett zu gelangen. Platzer lotet hier die Trauer der Frau bewegend aus. In "Ich liebe dich, kann ich nicht sagen" erklärt sie ihrem Freund, dass sie diese drei Worte nicht über die Lippen bringen kann und lieber das Klavier mit der Musik sprechen lässt. Immer wieder unternimmt Platzer den Versuch, die Gefühle der Frau zu offenbaren, doch immer wieder stockt sie, bis sie sich ganz dem wogenden Klang des Klaviers hingibt und am Ende doch noch die drei Worte aushaucht.

Mit den zehn Chansons, die Platzer von Edith Piaf präsentiert, zeichnet sie gekonnt die Lebensstationen des "kleinen Spatzen von Paris" nach. Bemerkenswert ist, wie Platzer hier stimmlich changiert und das Timbre der Piaf in allen Nuancen wunderbar einfängt. Auch mit den an die Hüften gedrückten Händen imitiert Platzer gekonnt die große Chansonsängerin. Häufig werden die einzelnen Lieder durch biographische Randnotizen eingeleitet, die deutlich machen, wie Piaf ihre Seele in ihre Chansons gelegt hat. Den Anfang macht "La vie en rose", zu dem Piaf nicht nur selbst den Text geschrieben hat, sondern das auch inhaltlich zu Beginn ihrer Karriere ihrer damaligen Lebenseinstellung entsprach. Doch das Leben blieb nicht "rosig" wie im Chanson, und es folgte der Krieg, zu dem sie in "La foule" kritisch Stellung bezog. Mit "L'accordéoniste" soll sie den Wunsch eines Soldaten erfüllt haben, der ihr dieses Lied einen Tag, bevor er zurück an die Front musste, übergeben habe. Nach dem Krieg und zahlreichen Affären traf sie dann mit dem Boxer Marcel Cerdan auf den Mann ihres Lebens, den sie allerdings durch einen tragischen Flugzeugabsturz bereits 1951 verlor. Mit "Mon dieu" brachte Piaf ihre tiefen Gefühle für ihn zum Ausdruck und versuchte, ihre eigenen Schuldgefühle zu unterdrücken, weil sie ihn dazu gedrängt hatte, für die Überfahrt nach Amerika nicht das Schiff sondern das Flugzeug zu nehmen. Platzers eindringliche Interpretation dieses einfühlsamen Liedes geht dabei unter die Haut.

Nach der Pause geht es dann mit den Drogenexzessen und zahlreichen Autounfällen weiter, mit denen Piaf ihre Gesundheit ruiniert. Den körperlichen Verfall macht Platzer szenisch deutlich, wenn sie zu "Le vieux piano" gebeugt die Bühne betritt und, vom Rheuma gezeichnet, die Hände nur noch zu kleinen Fäusten ballt. Die letzten beiden Lieder nehmen dann Bezug zu einer kurzen Begegnung zwischen Barbara und Edith Piaf, die Piaf allerdings gar nicht wahrgenommen haben dürfte. Im Mai 1963 sind die beiden Sängerinnen zur gleichen Zeit im Aufnahmestudio. Barbara beobachtet die letzte Einspielung der Piaf, "Non, je ne regrette rien", und sieht entsetzt, wie die Piaf als kleines Häufchen Elend nach der Aufnahme in sich zusammenfällt und von ihrem 20 Jahre jüngeren Ehemann Théo Sarapo aus dem Studio getragen werden muss. Barbara wird durch diese Begegnung klar, dass sie so nicht enden will. Als sie Anfang der 90er Jahre merkt, dass ihre Gesundheit schwächer wird, gibt sie 1994 ihr letztes Konzert und verabschiedet sich von ihrem Publikum, indem sie die Bühne durch den Zuschauersaal verlässt. Dieses Motto fängt Platzer überzeugend in dem Chanson "Wenn schon sterben, dann schon sterben" ein, bevor sie den Abend mit Piafs "Non, je ne regrette rien" enden lässt.

Als Band begleiten Platzer erneut Dirk Sobe am Klavier, Oliver Räumelt am Akkordeon, Ronald Güldenpfennig am Bass und Jürgen Schneider am Schlagzeug sehr eindringlich, so dass es für alle Beteiligten am Ende großen und verdienten Beifall gibt. Als Zugabe präsentiert Platzer anschließend noch "Mon manege à moi" von Piaf, bevor mit "Sous le ciel de Paris" ein Chanson folgt, das sowohl von Edith Piaf als auch von Barbara eingespielt worden ist.

FAZIT

Christa Platzer gelingt es, die beiden "Grandes Dames" des französischen Chansons wunderbar in einem Abend zusammenzuführen. Wer französische Chansons mag, sollte sich diese Vorstellung nicht entgehen lassen.


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Produktionsteam

Texteinrichtung
Stephan Steinmetz

Kostüme
Renée Listerdal

Bühneneinrichtung
Julieth Villada

Licht
Thomas Ratzinger

Ton
Jan Wittkowski

 

Band
Klavier
*Dirk Sobe /
Wolfgang Wilger

Akkordeon
Oliver Räumelt

Bass
Ronald Güldenpfennig

Schlagzeug
Jürgen Schneider

 

Solistin

Christa Platzer

Werke

Barbara
"Paris im August"

Edith Piaf
"La vie en rose"

"La foule"

"L'accordéoniste"

Barbara
"Sag, wann bist du bei mir"

"Eine winzige Kantate"

Edith Piaf
"Mon dieu"

Barbara
"Die Einsamkeit"

Edith Piaf
"Milord"

"Les flons-flons du bal"

Barbara
"Mein Kompliment"

"Göttingen"

Edith Piaf
"L'hymne à l'amour"

Barbara
"Nantes"

Edith Piaf
"Padam, Padam"

"Le vieux piano"

Barbara
"Ich liebe dich, kann ich nicht sagen"

"Wenn schon sterben, dann schon sterben"

Edith Piaf
"Non, je ne regrette rien"


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