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Das Labyrinth (The Monster in the Maze)

Community-Oper für und mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen
Libretto von Alasdair Middleton, deutsche Fassung von Arne Muus
Musik von Jonathan Dove

Aufführungsdauer: ca. 1h 10' (keine Pause)

in deutscher Sprache mit deutschen Übertiteln

Übernahme-Produktion vom Festival d'Aix-en-Provence

Premiere im Opernhaus Wuppertal am 5. Juli 2019
(rezensierte Aufführung: 08.07.2019)


Wuppertaler Bühnen
(Homepage)
Ein Labyrinth von Menschen


Von Thomas Molke / Fotos:  Claudia Scheer van Erp

Jonathan Dove gehört zu den zeitgenössischen Komponisten, die sich vor allem der sogenannten "Community-Oper" widmen. Dabei werden Laien in eine professionelle Opernaufführung einbezogen. Für das 2015 beim Festival d'Aix-en-Provence uraufgeführte Werk The Monster in the Maze, das eigentlich bereits in der vergangenen Spielzeit in Wuppertal herausgebracht werden sollte, aus organisatorischen Gründen allerdings auf das Ende der jetzigen Saison verschoben werden musste, kommen insgesamt neun lokale Chöre zum Einsatz, die gemeinsam mit den Solisten auf der Bühne stehen. Neben dem Kinder- und Jugendchor der Wuppertaler Bühnen, der Wuppertaler Kurrende, der Elberfelder Mädchenkurrende, mehreren Chören Wuppertaler Gymnasien und Kinder- und Jugendchören der Bergischen Musikschule und der Musik- und Kunstschule Remscheid ist für dieses Projekt auch ein eigener Chor gegründet worden, der alle Altersstufen umfasst, so dass bei dieser Produktion rund 270 Personen auf der Bühne stehen, was die Proben zu einer logistischen Herausforderung gemacht hat. Bei der Inszenierung handelt es sich um eine Übernahme der Uraufführungsproduktion, die seitdem bereits in Lille, Montpellier, Lissabon und Paris mit unterschiedlichen Chören einstudiert worden ist und von Wuppertal weiter nach Amsterdam gehen wird. Für die deutsche Fassung hat man den kürzeren Titel Das Labyrinth gewählt.

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Theseus (Martin Koch, Mitte) hat den Minotaurus besiegt.

Die Geschichte basiert auf dem griechischen Mythos um den jungen Theseus, der von den Athenern mit einer Gruppe Jugendlicher nach Kreta geschickt wird, um dem Minotaurus geopfert zu werden. Dieses Monster, das zur einen Hälfte Mensch und zur anderen Hälfte Stier ist, haust in einem von dem griechischen Erfinder Dädalus gebauten Labyrinth und soll durch das Opfer der jungen Menschen besänftigt werden. Theseus begibt sich mit den Jugendlichen ins Labyrinth und tötet den Minotaurus. Während er im Mythos dank eines Fadens, den er von der Königstochter Ariadne erhalten hat, den Weg aus dem Labyrinth findet, ist es in der Oper der Erfinder Dädalus, der mit dem Minotaurus im Labyrinth eingesperrt ist und Theseus und den geretteten Jugendlichen den Weg in die Freiheit weist. Unter großem Jubel kehren Theseus und die Jugendlichen in ihre Heimat Athen zurück. Die Oper führt als weitere Figuren noch Theseus' Mutter ein, die ihren Sohn an der Reise nach Kreta hindern will, und Minos, den König von Kreta, der die Vorgeschichte berichtet. Minos macht darin Athen für den Tod seines Sohnes Androgeos verantwortlich, der bei einem sportlichen Wettkampf in Athen alle Preise gewann und dann aus Rache angeblich im Auftrag von Theseus' Vater Aigeus getötet worden ist.

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Theseus' Mutter (Belinda Williams) sorgt sich um ihren Sohn.

Die Partie des Minos ist mit dem Schauspieler Gregor Henze besetzt. Auf einer Art erhöhtem Schiedsrichterstuhl berichtet er zunächst von seiner Wut auf die Athener. Die Bühne stellt zu Beginn ein Feld dar, auf dem Linien gezogen werden, um es für einen sportlichen Wettkampf vorzubereiten. Ein Junge betritt als Androgeos die Mitte dieses Feldes und wird anschließend von einer Menschenmasse eingekesselt. Wenn sich die Masse auflöst, liegt der Junge tot auf dem Boden. Ein Kameramann ist stellvertretend für die Presse anwesend, um Bilder des Jungen auf eine Leinwand schräg oberhalb der Bühne zu projizieren. Nun werden die Opfer für den Minotaurus ausgewählt. Die jungen Menschen tragen auf ihren schwarzen T-Shirts einen abstrakten Stierkopf. Während die jungen Menschen die Reise über das Meer antreten, kommt ein weiterer Junge nach vorne und bastelt mit den Zuschauern Papierschiffchen, die am Ende hochgehalten werden sollen, wenn Theseus nach seiner siegreichen Mission nach Athen zurückkehrt. So kann auch das Publikum bei dieser "Community-Oper" mitmachen.

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Das Labyrinth, geformt aus Menschen

Eindrucksvoll gelingt der Gang ins Labyrinth. Die diversen Chöre stellen sich auf der Bühne auf und formen das Labyrinth, das in einer schräg herabhängenden Projektion einen Blick von oben auf die diversen Irrwege bietet. Theseus trifft auf Dädalus und begibt sich mit ihm und den Jugendlichen ins Innere des Labyrinths. Durch Positionswechsel verändern sich auch die Wege in diesem Labyrinth. Den Minotaurus trifft man allerdings nicht auf der Bühne. Perkussionen und Nebel, der durch ein Gitter im Bühnenboden aufsteigt, deuten sein Herannahen an. Theseus steigt dann für den Kampf mit dem Monster in den Orchestergraben herab. Der Kampf wird als Videoprojektion zwischen einem schemenhaft angedeuteten Mann und einem aus Papier gefalteten Stier angedeutet, wobei die Schlaginstrumente den Kampf lautmalerisch umsetzen. Blutüberströmt steigt Theseus anschließend wieder aus dem Orchestergraben empor, um mit Dädalus und den geretteten Jugendlichen die Heimreise anzutreten. Diese erfolgt dann durch den Zuschauersaal inmitten der zahlreichen Papierschiffchen, die das Publikum hochhebt.

Doves Musik ist sehr tonal in einem Stil gehalten, der auch von Laien gut einstudiert werden kann. Die Übertitelung ist sinnvoll, da der Text stellenweise nicht ganz so gut zu verstehen ist, wenn mehrere Chöre in einen gemeinsamen Sprechgesang verfallen. Martin Koch verfügt als Theseus über einen hellen Tenor, der dem Helden gerecht wird. Sebastian Campione stattet die Partie des Dädalus mit profundem Bariton aus. Belinda Williams gestaltet Theseus' Mutter mit weichem Mezzosopran. Das Sinfonieorchester Wuppertal wird durch das Jugendsinfonieorchester der Bergischen Musikschule und Laienmusiker aus der Region unterstützt und überzeugt unter der Leitung von Markus Baisch als homogener Klangkörper. Das Publikum zeigt sich begeistert und spendet den zahlreichen Mitwirkenden großen Beifall.

FAZIT

Die Produktion ist kurzweilig und in der Aussage durchaus aktuell. Die zahlreichen Mitwirkenden finden in dieser "Community-Oper" gut zueinander.


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Produktionsteam

Musikalische Leitung
Markus Baisch

Regie
Marie-Eve Signeyrole

Bühne
Fabien Teigné

Lichtdesign
Philippe Bertholomé

Video
Mathieu Maurice

Szenische Einrichtung
Caroline Bibring
Maud Billen
Marc Salmon

 

Sinfonieorchester Wuppertal

Jugendsinfonieorchester der
Bergischen Musikschule
(Leitung: Martina Dietrich, Uwe Fischer-Rosier,
Bruno Ventocilla)

Laienmusiker aus der Region

Projektchor Labyrinth
(Leitung: Markus Baisch)

Kinderchor und Jugendchor
der Wuppertaler Bühnen
(Leitung: Markus Baisch)

Wuppertaler Kurrende
(Leitung: Markus Teutschbein)

Elberfelder Mädchenkurrende
(Leitung: Angelika Küpper)

Mittel- und Oberstufenchor
des Gymnasiums am Kothen
(Leitung: Joris Oliver)

Mittel- und Oberstufenchor des Gymnasiums Bayreuther Straße
(Leitung: Anke Tillmann)

Unterstufenchor des
Gymnasiums Bayreuther Straße
(Leitung: Christoph Alexander Löw)

Kinderchor und Jugendchor
"Young Voices" der
Bergischen Musikschule
(Leitung: Andrea Anders)

Jugendchor "Voices" der
Musik- und Kunstschule Remscheid
(Leitung: Astrid Ruckebier)


Solisten

Minos
Gregor Henze

Theseus
Martin Koch

Die Mutter
Belinda Williams

Dädalus
Sebastian Campione

 


Weitere Informationen
erhalten Sie von den
Wuppertaler Bühnen
(Homepage)



Da capo al Fine

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