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Märchen im Grand-Hotel

Lustspiel-Operette mit einem Vor- und Nachspiel
Libretto von Alfred Grünwald und Fritz Löhner-Beda nach Alfred Savoir
Musik von Paul Abraham


In deutscher Sprache, keine Übertitel

Aufführungsdauer: ca. 1h 30' (keine Pause)

Premiere an der Staatsoperette Dresden am 26. September 2020


Homepage

Staatsoperette Dresden
(Homepage)
Keine Reisewarnung für das Grand-Hotel

Von Joachim Lange / Fotos von Pawel Sosnowski

Die Staatsoperette Dresden versuchte sich zum Spielzeitauftakt als Reisebüro. Im Angebot war zwar nicht gleich ein ganzes Wochenende zum Wohlfühlen. Aber immerhin bietet sie einen Aufenthalt von anderthalb Stunden in einem Grand-Hotel an der Côte d'Azur in Cannes unter dem Titel: "Ein Märchen im Grand Hotel". Der Botschafter für die Musik des einst populären, von den Nazis vergraulten und dann vergessenen Komponisten Paul Abraham (1892-1960) ist hierzulande und heutzutage Barrie Kosky. Im Hauptberuf Regisseur und Chef der Komischen Oper in Berlin. Der hatte natürlich auch bei den Reisveranstaltern in Sachen Grand Hotel die Nase vorn. An seinem Haus gab es (konzertant) eine eigene gestraffte Fassung, auf die sich jetzt auch Peter Christian Feigel mit seinen auf der Bühne platzierten Musikern und Regisseurin Cornelia Poppe (Ausstattung: Ester Dandani) mit den Protagonisten und dem fabelhaft integrierten hauseigenen Ballett im Kulturkraftwerk stützen. Noch mal etwas angepasst und in pausenloser anticoronakompatibler Länge. Was die Dresdner jetzt als szenisches und musikalisches Feuerwerk steigen lassen, profitiert von Koskys Operetten-Leidenschaft, gibt ihr Recht und wohl auch neuen Schwung.

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Als Zimmerkellner und als Erzähler souverän: Andreas Sauerzapf

Nachdem Abrahams Ball im Savoy 1932 noch in Berlin über die Bühne ging, war die Uraufführung seiner launigen Hollywood-meets-Hochadel-Operette 1934 gerade noch in Wien möglich. Da hatte die Flucht des Juden Paul Abraham vor dem Rassenwahn der Nazis schon begonnen. Sie endeten da, wo schon das Vor- und das Nachspiel seiner Lustspieloperette Märchen im Grand-Hotel spielt: in Amerika. Vor diesem Schicksal schützten ihn und seine Musik weder die schlagertauglichen, sofort zündenden Hits, noch die pikante, doch nicht zu riskante (wie es im Stück mal heißt) Story.

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Locker vom (Bar-) Hocker

Genau so etwas sucht der Chef der kurz vor einer Pleite stehenden Filmgesellschaft Sam Macintosh (mal unterm Schreibtisch versteckt, mal abgehoben in luftiger Höhe schwebend: Bryan Rothfuss). Seine clevere Tochter Marylou (Laila Salome Fischers Bühnenpräsenz schließt eine mitreißende Steppnummer ein) hat genau die passende Idee und auch die Energie, sie umzusetzen. Sie will in einem Grand-Hotel in Cannes, in dem etliche Vertreter des abservierten europäischen Hochadels logieren, einen Film drehen, bei dem genau diese Herrschaften sich selbst spielen. Andreas Sauerzapf führt nicht nur pointensicher als Erzähler durch den Abend, sondern gibt dort auch selbst den Zimmerkellner Albert, der in die thron- und mittellose spanische Infantin Isabella (wunderbar in ihrem Blaues-Blut-Modus: Beate Korntner) verknallt ist. Natürlich ist der Zimmerkellneraufzug nur das Inkognito des Hotelerben, der sich - Happy End muss sein - in den Adel einkauft, während sie zur Hollywood-Diva auf- oder absteigt. Ganz wie man will. Auch der eigentlich für sie vorgesehene österreichische Prinz Andreas Stephan (fabelhaft: Gero Wendorff) wird wohl außerhalb seines Standes mit Marylou zusammenkommen. Für ein komödiantisches Schmankerl wechselt Marcus Günzel von der Rolle des Hotelbesitzers in die der Gräfin ins hackenschuhhohe Falsett.

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Reiche Erbin oder Künstlerin?

Das Libretto von Alfred Grünwald und Fritz Löhner-Beda ist so zeitlos perfekt gebaut, dass es immer noch funktioniert. In der Dresdner Fassung gibt es zwar auf dem gradlinig gestrafften Weg ein paar Abkürzungen, die zu etwas allzu jähen Wendungen führen, aber das nimmt man hin. Schon, weil gleich zu Beginn postuliert wird, dass ein Happy End unumgänglich ist.

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Der Hochadel auf dem Weg nach Hollywood

Hinterm Orchester prangt die Opulenz des Hotelfoyers, samt Revuetreppe mittendurch. Gespielt wird auf dem überbauten Orchestergraben. Dass Mandy Garbrecht coronabedingte Abstände in die perfekten Tanznummern hinein choreographiert hat, sorgt für die Dosis Ironie, mit der sich die Geschichte gut aushalten lässt. Vor allem aber hat der Abend durchweg Tempo und Esprit. Beim Publikum zündet das schon bei der ersten Gelegenheit. Zu Recht werden im Finale aus den Tänzern lauter vergoldete Oscars. Ein ironisches, aber berechtigtes Selbstlob.


FAZIT

Die Staatsoperette Dresden bietet zum Spielzeitauftakt einen Wohlfühlaufenthalt im Grand Hotel, der nichts zu wünschen übriglässt.


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Produktionsteam

Musikalische Leitung
Peter Christian Feigel

Inszenierung
Cornelia Poppe

Ausstattung
Esther Dandani

Choreographie
Mandy Garbrecht

Dramaturgie
Judith Wiemers



Ballet und Orchester der
Staatsoperette Dresden


Solisten

* Besetzung der Premiere

Erzähler / Zimmerkellner Albert
Andreas Sauerzapf

Infantin Isabella
Beate Korntner

Prinz Andreas Stephan
Gero Wendorff

Marylou / Mabel
* Laila Salome Fischer /
Olivia Delauré

Sam Makintosh
Bryan Rothfuss

Gräfin / Hausmeister / M. Chamoix
Marcus Günzel

Herrenquartett
Friedemann Condé
Michael Kuhn
Andreas Pester
Georg Güldner



Weitere Informationen
erhalten Sie von der
Staatsoperette (Homepage)



Da capo al Fine

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