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Tristan XS

Konzertante Szenen aus Tristan und Isolde
Konzeption: Hans-Georg Wimmer
Text und Musik von Richard Wagner (Fassung für Kammerorchester von Armin Terzer)

in deutscher Sprache mit Übertiteln

Aufführungsdauer: ca. 1h 45' (keine Pause)

Premiere im Aalto-Theater Essen am 2. Oktober 2020




Theater Essen
(Homepage)
Tristan in Kurzfassung

Von Thomas Molke / Fotos von Matthias Jung

Eigentlich wollte das Aalto-Theater in Essen diese Saison mit Richard Wagners Tannhäuser eröffnen. Dann hat die anhaltende Corona-Pandemie diesen Plänen einen Strich durch die Rechnung gemacht. Eine Oper mit großem Orchester und Chor ist zurzeit nicht realisierbar. Ganz wollte man in Essen aber dann doch nicht auf Wagner verzichten. So stand der Opernabend, mit dem die Spielzeit Anfang September eröffnet wurde, unter dem Titel O du, mein holder Abendstern, und nun hat man sich mit Wagners "Handlung in drei Aufzügen" Tristan und Isolde auseinandergesetzt. Dabei ist das Werk mit rund vier Stunden reiner Spielzeit auf einem Abend mit knapp 105 Minuten zusammengestrichen worden und heißt dementsprechend auch anders: Tristan XS. Böse Zungen mögen jetzt sagen, dass die "Handlung" der Oper noch nicht einmal dafür reicht. Denn das eigentliche Geschehen - die Unterwerfung Irlands durch König Markes Ziehsohn Tristan mit der Ermordung des Bräutigams der Isolde, Morold, und die Heilung des verwundeten Tristan durch Isolde - hat bereits stattgefunden, wenn sich der Vorhang hebt, und Tristan ist mit Isolde auf dem Weg zu König Marke, um diesem Isolde als Gattin zuzuführen. Danach erlebt man "nur noch" ein wort- und klanggewaltiges Drama über einen der traurigsten Ehebrüche der Operngeschichte.

Armin Terzer hat eine Fassung für Kammerorchester erstellt, die sich nur auf die beiden Hauptcharaktere Tristan und Isolde konzentriert und alle weiteren Figuren weglässt. Die ersten beiden Aufzüge der Oper gehen dabei fließend ineinander über, und nur vor dem dritten Aufzug gibt es einen kurzen musikalischen Einschnitt. Die Essener Philharmoniker unter der Leitung von Tomáš Netopil sind im Hintergrund auf der Bühne platziert. Auf der rechten Seite befindet sich ein Podest für Isolde, auf der linken eines für Tristan. Eine Interaktion zwischen den beiden gibt es in einer Videoprojektion von Bastian Müller. Da dürfen sie sich auch richtig nahekommen. Während des Vorspiels, das Netopil mit den Essener Philharmonikern leidenschaftlich umsetzt, wird auf die Rückwand das Gedicht "Stehe still!" von Mathilde Wesendonck projiziert, das von Wagner im Rahmen der Wesendonck-Lieder vertont wurde. Damit soll zum einen auf die Inspiration angespielt werden, die die Geliebte Wagners im Züricher Exil für die Komposition des Tristan gehabt hat. Zum anderen spricht der Text auch für die unbändige Suche nach der einen, wahren Liebe, die zwischen Tristan und Isolde ihre Vollkommenheit erreicht.

Bild zum Vergrößern

Tristan (Daniel Johansson) und Isolde (Daniela Köhler) vor den Essener Philharmonikern mit Tomáš Netopil am Pult

Nach dem Vorspiel folgt Isoldes Erzählung aus dem ersten Aufzug. Mit klarer Diktion und stellenweise etwas scharfen Höhen berichtet Daniela Köhler als Isolde von der Vorgeschichte, die sie jetzt auf das Schiff nach Cornwall gebracht hat. Da sie vor dem Orchester steht, kommt sie dem Publikum in dieser Erzählung emotional sehr nahe. Man hat beinahe das Gefühl, man selbst sei Brangäne, die Isoldes Worten lauscht. Nun tritt Daniel Johansson als Tristan auf. Mit subtiler Mimik spielt er das schlechte Gewissen aus, das er empfindet, wenn er Isolde nun dem König zuführen soll. Von daher lässt er sich wahrscheinlich nur zu gerne auf den gemeinsamen Genuss des Trankes ein, der als Gift gedacht ist und sich als Liebestrank entpuppt. In der Projektion sieht man ein gefülltes Weinglas, das in dem Moment zerspringt, in dem Tristan und Isolde trinken. Während Johansson und Köhler auf der Bühne trotz der in den Blicken nun aufkeimenden Liebe Abstand voneinander halten, werden ihre Projektionen im Hintergrund zusammengeführt und vereinen sich in einem Kuss.

Nach dem Genuss des Liebestrankes geht es sofort in das berühmte Duett "O sink hernieder, Nacht der Liebe" aus dem zweiten Aufzug über. Johansson und Köhler finden in dieser großen Liebesszene des zweiten Aufzugs stimmlich wunderbar zueinander. Köhlers dramatischer Sopran und Johanssons Tenor verschmelzen gewissermaßen stellvertretend für die beiden Figuren auf der Bühne. Obwohl hier eigentlich die vorherige Ankunft in Cornwall, Isoldes Vermählung mit König Marke und die anschließende Intrige Melots fehlen, hat man das Gefühl, dass sich die große Liebesszene inhaltlich direkt an den Genuss des Trankes anschließen kann. Umso abrupter erscheint dann das Ende. Die Entdeckung der beiden Liebenden wird zwar in der Musik deutlich. Auf der Bühne merkt man davon allerdings nichts.

Der dritte Aufzug startet nun mit dem melancholischen Spiel des Englischhorns, das Andreas Gosling mit viel Einfühlungsvermögen aus dem oberen Rang erklingen lässt. Währenddessen sieht man den Text eines weiteren Wesendonck-Liedes in der Projektion: "Der Engel". Damit ist wahrscheinlich Isolde gemeint, auf deren Ankunft der sterbende Tristan wartet. In der folgenden Projektion sind Tristan und Isolde nun einander nicht mehr zugewandt, sondern kehren sich den Rücken zu, um ihre Trennung zu unterstreichen. Wenn Tristan stirbt, verschwindet er aus der Projektion. Johansson verlässt den Saal durch den Zuschauerraum. Vorher gestaltet er das sehnsuchtsvolle Warten auf seine Geliebte mit kräftiger Stimme, die in einigen Höhen allerdings ein wenig an ihre Grenzen stößt Aber immerhin ringt Tristan mit dem Tod und kämpft nur noch darum, vorher noch einmal Isolde wiederzusehen. Isolde erscheint schließlich, wenn es zu spät ist, und so bleibt ihr nichts anderes mehr übrig, als mit "Mild und leise" ihren eigenen Liebestod folgen zu lassen. Köhler gestaltet auch den Schluss sehr eindringlich, so dass man durchaus die eine oder andere Träne der Rührung verdrücken mag. Dabei verschwindet auch ihr Bild aus der Projektion. Das Publikum bedankt sich für diesen kompakten und emotionalen Abend mit großem Beifall.

FAZIT

Diese Kurzfassung ist zwar kein Ersatz für die vollständige Oper, konzentriert sich allerdings auf die emotionalen Höhepunkte des Stückes und geht mit dem intensiven Spiel der beiden Solisten und der Essener Philharmoniker unter der Leitung von Tomáš Netopil unter die Haut.


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Produktionsteam

Musikalische Leitung
Tomáš Netopil

Szenische Einrichtung
Marijke Malitius

Video
Bastian Müller

 

Essener Philharmoniker

Englischhorn
Andreas Gosling

 

Solisten

Tristan
Daniel Johansson

Isolde
Daniela Köhler

 

 



Weitere Informationen
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Theater Essen
(Homepage)




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