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La traviata

Oper in drei Akten
Libretto von Francesco Maria Piave nach dem Roman Die Kameliendame von Alexandre Dumas
Musik von Giuseppe Verdi

Aufführungsdauer: ca. 1h 55' (keine Pause)

in italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln

Online-Stream der konzertanten Aufführung aus der Historischen Stadthalle Wuppertal ab 4. Juli 2021


Wuppertaler Bühnen
(Homepage)
Feierlicher Abschluss mit Verdi


Von Thomas Molke / Fotos:  Bettina Stöß

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Julia Jones mit dem Sinfonieorchester Wuppertal und dem Opernchor der Wuppertaler Bühnen in der Historischen Stadthalle

Zum Ende der Spielzeit verlässt Generalmusikdirektorin Julia Jones die Wuppertaler Bühnen, an denen sie fünf Jahre lang die Oper und das Sinfonieorchester nachhaltig geprägt hat. Zum Abschied ist ihre Wahl auf Verdis wohl erfolgreichste Oper der Musikgeschichte gefallen, die mit Rigoletto und Il trovatore als "Trilogia popolare" bezeichnet wird, und 2010 vom Deutschen Fernsehen zur "beliebtesten Oper aller Zeiten" gekürt wurde: La traviata, die einzige Oper Verdis, die in der Gegenwart ihrer Uraufführung am 6. März 1853 spielt und vielleicht aufgrund der Nähe zum eigenen Leben des damaligen Publikums im Teatro La Fenice zunächst ein Reinfall wurde. Erst mit der zweiten Produktion im Teatro San Benedetto im Mai 1854 konnte das Werk den triumphalen Erfolg verbuchen, der bis heute anhält und die Partie der Kurtisane Violetta Valéry zur Paraderolle für zahlreiche Sopranistinnen von Rosa Ponselle über Maria Callas bis hin zu Anna Netrebko gemacht hat. Eigentlich war eine szenische Produktion in der Regie von Nigel Lowery als krönender Abschluss von Jones' Wirken in Wuppertal geplant. Die Corona-Pandemie ließ das aber nicht zu, so dass man sich entschied, die Oper zumindest konzertant herauszubringen, wobei die Hoffnung besteht, dass eine Inszenierung in einer der kommenden Spielzeiten nachgeholt werden kann. Leider hat man auch eine konzertante Aufführung nicht vor Publikum realisieren können, so dass die Produktion in der Historischen Stadthalle aufgezeichnet wurde und am 4. Juli 2021 als Online-Stream Premiere feiert.

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Violetta Valéry (Ralitsa Ralinova) (im Hintergrund: Demian Matushevskyi als Marchese d'Obigny)

Die Reihen im Parkett hat man dafür ausgebaut und das Sinfonieorchester Wuppertal großflächig im Saal verteilt. Der Opernchor der Wuppertaler Bühnen ist auf der Empore und im eigentlichen Zuschauersaal positioniert. Die Solistinnen und Solisten befinden sich auf der rechten und linken Seite des Orchesters. Mit der Kameraführung bietet der Stream interessante Einblicke, weil man es von den Konzerten in der Stadthalle und den Aufführungen aus dem Opernhaus nicht gewohnt ist, die Generalmusikdirektorin bei der Arbeit auch aus der Perspektive des Orchesters zu sehen. Die einmalige Akustik des Saals wird auch in der digitalen Aufführung sehr gut eingefangen. So wird bereits beim musikalischen Vorspiel zu Beginn der Oper deutlich, wie tief emotional Jones mit dem Sinfonieorchester in die Geschichte eintaucht. Die ersten Töne der geteilten hohen Violine klingen absolut fragil und nehmen das tragische Ende der Titelfigur bereits vorweg. Schwungvoll vollzieht sich dann der Wechsel zum rauschenden Fest und glitzernden Treiben im Pariser Salon der von den Männern umschwärmten Kurtisane Violetta Valéry. Ralitsa Ralinova punktet nicht nur optisch in der Titelpartie sondern glänzt auch mit perlendem Sopran, der die Lebensfreude der Violetta auf dem Fest unterstreicht. Mit großer Dramatik gestaltet sie ihre erste große Arie "È strano" im ersten Akt, in der sie sich über ihre Gefühle für Alfredo bewusst wird. Mit glasklaren Koloraturen und sauber ausgesungenen Höhen punktet sie in der folgenden Cabaletta "Sempre libera degg'io".

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Alfredo Germont (Sangmin Jeon)

Sangmin Jeon kann ebenfalls als Idealbesetzung für die Partie des Alfredo bezeichnet werden. Schon in seiner ersten großen Arie im ersten Akt, "Un di, felice, eterea", wenn er Violetta auf der Feier seine Liebe gesteht, versprüht er tenoralen Glanz mit exakt angesetzten Spitzentönen. Auch in der Mittellage verfügt er über eine weiche und geschmeidige Stimmführung. Das berühmte Trinklied "Libiamo" stimmt er dann mit strahlenden Höhen an, wobei der Wuppertaler Opernchor ihn kräftig auftrumpfend unterstützt. Der zweite Akt wird dann kammerspielartig angelegt. Jeon überzeugt mit sauberen Höhen in seiner Arie "De' miei bollenti spiriti", in der er sein Glück mit Violetta besingt. Dass es nur von kurzer Dauer sein wird, kann er zu dem Zeitpunkt noch nicht ahnen.

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Giorgio Germont (Simon Stricker)

Einen großartigen Auftritt hat anschließend Simon Stricker als Alfredos Vater Giorgio Germont. Mit profundem Bariton und einer gewissen Härte unterstreicht er den patriarchalischen Charakter der Figur und macht Violetta unmissverständlich klar, dass sie nicht für seinen Sohn bestimmt ist. Zwar erkennt er die aufrichtigen Gefühle der jungen Frau, überzeugt sie aber dennoch, auf Alfredo zu verzichten. Ralinova begeistert hierbei mit großartiger Leidensfähigkeit, die die Vorsätze des alten Germont durchaus ins Wanken bringt. In einem bewegenden Duett finden Strickers Bariton und Ralinovas weich angesetzter Sopran dabei zueinander. Mit großer Mühe versucht er anschließend, seinen Sohn davon zu überzeugen, dass eine Trennung von Violetta die einzige Lösung für ihn ist. Strickers Interpretation der großen Arie "Di provenza il mare, il suol" bildet dabei einen weiteren musikalischen Höhepunkt. Doch Alfredo zeigt sich uneinsichtig und folgt Violetta nach Paris.

In den kleineren Partien überzeugen Iris Marie Sojer als Violettas Freundin Flora Bervoix mit sattem Mezzosopran und Mark Bowman-Hester als Gastone mit leichtem Tenor. Auch Mitglieder des Opernstudios NRW sind bei dieser Aufführung beteiligt. Daegyun Jeong gestaltet den Barone Douphol mit dunkel gefärbtem Bass und Demian Matushevskyi punktet als Marhese d'Obigny mit kräftigem Bariton. Mercy Malieloa verfügt als Annina über eine farbige Mittellage. Intensiv gestaltet Ralinova im dritten Akt ihre letzte Arie "Addio, del passato", in der sie erkennt, dass jede Hilfe für sie nun zu spät kommt. Auch wenn auf eine szenische Umsetzung verzichtet wird, geht Ralinovas Interpretation der Sterbeszene unter die Haut. So möchte man die Solisten, das Orchester, den Chor und auch Julia Jones am Ende mit großem Applaus überschütten, der bei einem Online-Stream aber leider nicht vermittelt werden kann.

FAZIT

Julia Jones beendet ihre Zeit als Generalmusikdirektorin in Wuppertal mit einer großartigen Umsetzung von Verdis Oper. Gerne hätte man dieses Ereignis live erleben wollen. Der Stream ist auch noch einmal am 10. und 16. Juli 2021 um 19.30 Uhr abrufbar.


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Produktionsteam

Musikalische Leitung
Julia Jones

Chor
Markus Baisch

Dramaturgie
Marc von Reth

 

Sinfonieorchester Wuppertal

Opernchor der Wuppertaler Bühnen


Besetzung

Violetta Valéry
Ralitsa Ralinova

Flora Bervoix
Iris Marie Sojer

Annina
Mercy Malieloa

Alfredo Germont
Sangmin Jeon

Giorgio Germont
Simon Stricker

Gastone
Mark Bowman-Hester

Barone Douphol
Daegyun Jeong

Marchese d'Obigny
Demian Matushevskyi

Dottore Grenvil
Sebastian Campione

Giuseppe
Giorgi Davitadze

Diener / Kommissionär
Hak-Young Lee

 

 


Weitere Informationen
erhalten Sie von den
Wuppertaler Bühnen
(Homepage)



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