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Musiktheater
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Welttheater Mozart

Singspiel in einem Akt (Uraufführung)
Konzept, Szenario und Dialoge von Karine Van Hercke und François De Carpentries
Musik von Wolfgang Amadeus Mozart (Arrangement von Avishay Shalom)

in deutscher und italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln

Aufführungsdauer: ca. 1h 40' (keine Pause)

Premiere im Theater Krefeld am 11. November 2021

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Theater Krefeld-Mönchengladbach
(Homepage)
Musik als Medizin

Von Thomas Molke / Fotos:  Matthias Stutte

Seit der Spielzeit 2012/2013 gibt es am Theater Krefeld-Mönchengladbach das Opernstudio Niederrhein, das jungen Künstlerinnen und Künstlern die Möglichkeit bietet, erste Bühnenerfahrungen zu sammeln. Neben Partien in sogenannten "großen" Opernproduktionen, gibt es auch Projekte, die nur von Teilnehmerinnen und Teilnehmern des Opernstudios bestritten werden. Da die Auswirkungen von Corona junge Talente, die gerade am Beginn einer Karriere stehen, mit zahlreichen Einschränkungen im Spielbetrieb besonders hart treffen, hat man sich überlegt, die Pandemie zum Thema eines Opernabends zu machen. Damit es dabei musikalisch nicht so deprimierend wird wie die momentane Situation, ist die Wahl auf den Komponisten Wolfgang Amadeus Mozart gefallen, der neben seinen bekannten Opern auch zahlreiche Arien komponiert hat, die entweder aus Werken stammen, die heute selten auf den Bühnen zu erleben sind, oder für Sängerinnen und Sänger komponiert worden sind, um sie in Opern anderer Komponisten als sogenannte "Kofferarien" einzufügen. Entstanden ist ein Singspiel unter dem Titel Welttheater Mozart.

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Fortuna (Boshana Milkov, links), Spirito (Guillem Batllori) und Bellezza (Maya Blaustein, rechts) landen auf der Erde, um die Menschheit zu retten.

Was die Handlung betrifft, greifen François De Carpentries und Karine Van Hercke, die das Stück konzipiert und die Dialoge geschrieben haben, auf die Anfänge der Oper zurück. In den Frühwerken der Gattung traten, meistens in einem Prolog, Göttinnen und Götter auf, die in die jeweilige Geschichte einführten. Hier sind es vier Gottheiten, die sich aus einer fernen Galaxie auf den Weg zur Erde gemacht haben, um die Welt von einer Pandemie zu befreien: Bellezza, die Göttin der Schönheit, der Verführung und des Vergnügens, Fortuna, die Göttin des Glücks, des Schicksals und des Wohlstands, Spirito, der Gott des Windes, der Moral und der Wissenschaft, und schließlich Amor, der Gott der Liebe und des Verlangens. Auf der Suche nach den Menschen, die sie zunächst nirgends finden können, geraten sie untereinander in Streit und in zahlreiche Konflikte, bis sie schließlich das Publikum im Saal entdecken, das ihr Treiben die ganze Zeit aufmerksam beobachtet hat. Nun wenden sie sich an die Menschen im Saal und verkünden ihnen, dass sie aus ihrer Galaxie ein wirksames Mittel mitgebracht haben, um die Depressionen und die Melancholie, in die die Pandemie die Menschen gestürzt hat, zu überwinden. Es ist die Musik von Wolfgang Amadeus Mozart, der als Liebling der Götter mit seinen Kompositionen für gute Laune und "ein Licht am Ende des Tunnels" sorgen soll. Das ist zwar als Handlung etwas dünn, aber zahlreiche Singspiele der damaligen Zeit waren auch nicht viel origineller.

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Amor (Robin Grunwald, links) und Spirito (Gullem Batllori, rechts) streiten um Bellezza (Maya Blaustein).

Van Hercke orientiert sich im Bühnenbild an zahlreichen Barockelementen, die der Aufführung bei aller Einfachheit eine gewisse Opulenz verleihen. Dabei werden barocke Bilder mit einem Augenzwinkern mit modernen Elementen verknüpft. So befindet sich beispielsweise auf der rechten Seite neben einem Klavier eine Bushaltestelle, an der eine Wolke aus dem Schnürboden landet. Man hat den Eindruck, dass die Götter an dieser Haltestelle der Wolke entsteigen und auch von dort mit ihrer Wolke wieder in den Himmel fliegen wollen. Zur Ankunft der Götter erklingt eines der bekannteren Stücke Mozarts aus dem ersten Akt der Oper Così fan tutte: das Terzett "Soave sia il vento", in dem in der Oper Fiordiligi und Dorabella ihren Liebhabern eine gute Überfahrt wünschen, während Don Alfonso sich über die beiden Schwestern lustig macht. In Krefeld sind es Bellezza und Fortuna, die man mit Spirito aus dem Off hört, während die Wolke sich langsam über die Bushaltestelle senkt und die drei über eine Treppe aus der Wolke herabsteigen. Die Kostüme, für die ebenfalls Van Hercke verantwortlich zeichnet, sind opulent im barocken Stil gehalten und spielen mit charakteristischen Eigenschaften der Figuren. So wirkt Spirito mit dem Buch auf dem Kopf und vor dem Bauch sehr belesen. Fortuna trägt den üppigen Reichtum in einem fülligen roten Kostüm vor sich her, und Bellezza gibt sich mit den zahlreichen Blumen, die sie schmücken, äußerst extravagant. Nur Amor nimmt eine Sonderstellung ein, da er sich in unterschiedliche Gestalten verwandelt. So präsentiert er sich zunächst als ein dem Affen ähnlicher Urmenschen, der sich von den drei anderen zum Homo sapiens erziehen lässt. Witzig gelingt dabei der "Alphabet"-Kanon, dessen Komposition Mozart zugeschrieben wird.

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Zickenkrieg: Fortuna (Boshana Milkov, vorne) und Bellezza (Maya Blaustein, hinten)

Neben den zahlreichen unbekannten Musiknummern klingt manches dennoch sehr vertraut. So hat Bellezza eine große Arie, die stark an Elettras große Rachearie "D'Oreste, d'Aiace" aus Idomeneo erinnert. Maya Blaustein meistert als Bellezza die halsbrecherischen Koloraturen beachtlich und singt die Höhen sauber aus. Auch bei der großen Konzertarie kurz vor Ende des Abends punktet sie mit beweglicher Stimmführung. Darstellerisch spielt sie die Launenhaftigkeit der Göttin der Schönheit wunderbar aus. Boshana Milkov ist als Fortuna an diesem Abend leicht indisponiert, was man vor allem bei den Dialogen hört. In den Arien verbirgt sie die Erkältung hinter einer guten Technik, setzt die Töne lediglich etwas vorsichtiger an. Guillem Batllori legt den etwas steifen Spirito mit wunderbarer Komik an. Er gibt zunächst den vernunftbetonten Langweiler, bevor sich bei ihm im Trink-Kanon die Zunge im wahrsten Sinne des Wortes löst und er sich zum witzigen Buffo entwickelt. Der Zech-Kanon ist eine Parodie auf den bayrischen Tenor Johann Nepomuk Peyerl, über den sich Mozart in dieser Komposition lustig machte. Da das für ein heutiges Publikum nicht mehr nachvollziehbar gewesen wäre, wurde der Text abgeändert.

Robin Grunwald kommt die Rolle des leichtfertigen Amor zu, der die anderen Götter manipuliert und seinen Spaß mit ihnen treibt. Grunwald überzeugt dabei mit komödiantischem Spiel und leichtem Spieltenor. Neben den vier Solist*innen, die Mitglieder des Opernstudios sind, liegt auch die musikalische Leitung der Niederrheinischen Symphoniker in der Hand eines Opernstudio-Mitglieds: Avishay Shalom geleitet nicht nur das Orchester mit leichter Hand durch Mozarts Musik, sondern hat auch den Abend mit den einzelnen Musiknummern arrangiert. Eingerahmt wird das Singspiel von zwei Auszügen aus dem einaktigen Singspiel Der Schauspieldirektor, das anlässlich des Besuchs eines niederländischen Gouverneurs beim Kaiser Joseph II. im Schloss Schönbrunn uraufgeführt wurde und heute bisweilen gemeinsam mit Mozarts erstem Singspiel Bastien und Bastienne auf dem Spielplan steht. Dabei steht am Anfang des Abends ganz klassisch die Ouvertüre aus dem Schauspieldirektor, und am Ende erläutern die Götter: "Jeder Künstler strebt nach Ehre", in heutiger Zeit möchte man fast eher sagen "nach der Möglichkeit aufzutreten und seine Kunst zu zeigen". Das Publikum bedankt sich für den kurzweiligen Abend mit großem Applaus.

FAZIT

Musikalisch ist das zusammengesetzte Singspiel sehr schön anzuhören, auch wenn es inhaltlich kein großer Wurf ist.

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Produktionsteam

Musikalische Leitung
Avishay Shalom

Konzeption, Stück. Licht und Inszenierung
François De Carpentries

Konzeption, Stück und Ausstattung
Karine Van Hercke

Dramaturgie
Ulrike Astleitner

 

Niederrheinische Sinfoniker

 

Solisten

Bellezza
Maya Blaustein

Fortuna
Boshana Milkov

Spirito
Guillem Batllori

Tier / Mensch /Amor
Robin Grunwald

 


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Informationen

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Theater Krefeld-
Mönchengladbach

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