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Through and Over

Tanzstück von Anna Konjetzky
Musik von Misagh Azimi

Op Sha!
Tanzstück von Kevin O'Day
Musik von The Lemon Bucket Orkestra

Aufführungsdauer: ca. 1 h 25' (eine Pause)

Premiere im Großen Haus am 8. Oktober 2022


Logo: Theater Hagen

Theater Hagen
(Homepage)
Zwei unterschiedliche Handschriften des modernen Tanzes

Von Thomas Molke / Fotos: Bettina Stöß

Die Ballettsparte in Hagen hat sich in dieser Spielzeit mit neun neuen Tänzerinnen und Tänzern fast komplett neu aufgestellt. Die Stelle der Leitung ist allerdings immer noch vakant, seit die Ballettdirektorin Marguerite Donlon zu Beginn der vergangenen Spielzeit an das Theater Osnabrück gewechselt ist. So arbeitet man immer noch mit Gastchoreograph*innen, was dem Publikum und dem Ensemble die Möglichkeit gibt, zahlreiche unterschiedliche Stile kennenzulernen. Für den ersten Ballettabend hat man Anna Konjetzky und Kevin O'Day engagiert, die in ihren beiden ca. halbstündigen Choreographien zwei recht unterschiedliche Ausrichtungen des modernen Tanzes präsentieren und dem Ensemble damit viel Gestaltungspotential bieten.

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Austesten der eigenen Grenzen: Ensemble in Through and Over

Den Anfang macht die Uraufführung des recht abstrakten Tanzstückes Through and Over in der Choreographie von Anna Konjetzky. Die in München geborene Choreographin kreiert seit ihrer Assistenz bei Wanda Golonka am Schauspiel Frankfurt im Jahr 2005 Tanzstücke und Tanzinstallationen, die sich mit der Gestaltung von Bewegungsabläufen beschäftigen. Dabei arbeitet sie nicht mit vorhandener Musik, sondern lässt für jedes ihrer Stücke eine originäre Soundwelt kreieren. Für Through and Over arbeitet sie nun mit dem Sound Designer und Komponisten Misagh Azimi zusammen, der seit 2019 Dozent für Musik und digitale Medien an der Folkwang Universität der Künste in Essen und an der Musikhochschule Münster ist. Azimi untermalt die Choreographie mit einer sehr abstrakten Klangsprache, die aus Sounds besteht, bei denen man nicht von zählbarer Musik im klassischen Sinn sprechen kann. Man fragt sich, wie die Tänzerinnen und Tänzer dabei Anhaltspunkte für die erarbeiteten und festgeschriebenen Bewegungsabläufe haben können.

Konjetzky lässt das Ensemble in der Choreographie den Körper und Bewegungen erkunden. Mal löst der Klang eine Reaktion der Hand, mal eine Drehung des Fußes und dann wieder ein Schwingen des Körpers aus. Die Tänzerinnen und Tänzer tauchen gewissermaßen in ihren Körper ein, was mit dem Through im Titel gemeint ist. Dann wachsen sie aber auch über ihren Körper hinaus und sprengen die Grenzen. Darauf bezieht sich das Over im Titel. Als Raum hat Konjetzky gemeinsam mit Sophia Lindemann eine Art Stadion mit vier Flutlichtsäulen geschaffen, in deren unterschiedlicher Ausleuchtung die Tänzerinnen und Tänzer die Grenzen ihres Körpers austesten. Mal bewegen sie sich dabei ganz individuell, dann gehen die Bewegungen plötzlich in einen homogenen Einklang über, bevor sie dann wieder in eine gewisse Individualität zerfallen. Das ist von der Umsetzung sicherlich sehr anspruchsvoll. 30 Minuten, in denen nichts anderes passiert, können dabei aber auch sehr lang werden, da Azimis Klangsprache auf die Dauer recht eintönig wird. Die elf Tänzerinnen und Tänzer sind jedenfalls die ganze Zeit im Dauereinsatz und haben keinerlei Verschnaufpause. Erst am Ende verlassen sie nach und nach den Lichtkreis, der ganz langsam verlischt.

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Lebensfreude pur: Ensemble in Op Sha!

Die zweite Choreographie des Abends von Kevin O'Day, Op Sha!, ist die deutsche Erstaufführung eines Stückes, das O'Day 2017 für die Company ProArteDanza in Toronto kreiert und nun gemeinsam mit Kelly Shaw, die in der Uraufführung getanzt hat, für Hagen erarbeitet hat. Die verwendete Musik stammt von The Lemon Bucket Orkestra und ist nach den relativ abstrakten Klängen des ersten Teils ein regelrechter Genuss für die Ohren. The Lemon Bucket Orkestra ist eine 2010 in Toronto gegründete Band, die ihren Stil selbst als "Guerilla-Folk Party-Punk" bezeichnet. Gründungsmitglied Mark Marczyk lernte nach seiner Rückkehr aus Kiew 2009 den Musiker Michael Louis Johnson und dessen Gypsy-Punk-Band Worldly Savages kennen, die Marczyk auf der Geige begleitete, bis die Idee für eine eigene Band entstand. Den Durchbruch hatte die Band dann 2012, als sie auf ihrem Weg zu einer Tour durch Rumänien bei einem verspäteten Air Canada Flug kurzerhand am Flughafen ein spontanes Konzert gaben. O'Day verwendet für sein Tanzstück Op Sha! Musik aus dem 2015 erschienenen Album Moorka, das der Band den Titel World Group of the Year bei den Canadian Folk Music Awards 2015 einbrachte.

Der Titel des Tanzstückes ist gleichzeitig der Titel einer Musiknummer aus dem Album. O'Day hat nun sechs Lieder ausgewählt, die er in fünf Bildern umsetzt, in denen sich Menschen in verschiedenen Situationen begegnen. Die Musik suggeriert mit den Balkan-Klängen, dass es sich dabei um Feste und Feiern der unterschiedlichsten Art handelt, bei denen Menschen zusammenkommen. Auch im Publikum hat man fast das Bedürfnis, aufzustehen und sich ebenfalls zur Musik zu bewegen. In einer rasanten Abfolge gibt es kleine Soli, Duette, Trios und große Gruppenformationen. Zu Beginn sieht man einen einzelnen Mann, der von zwei Scheinwerfern angestrahlt wird, die ihn wie zwei Augen zu verfolgen scheinen. Er versucht, vor diesen Augen wegzulaufen, wird aber bald von einem weiteren Tänzer und einer Tänzerin "eingefangen", die ihm seine Angst nehmen. Auch mit Geschlechterrollen wird im weiteren Verlauf der Musik gespielt. Während sich in einer Gruppenformation im zweiten Bild die Tänzerinnen kritisch beäugeln und man das Gefühl hat, jede möchte in Eleganz die anderen überbieten, gibt es im dritten Bild ein stereotypes Kräftemessen von mehreren Tänzern in jungenhafter Tollheit, die dann völlig aus den Fugen gerät, wenn eine Tänzerin in diese "Männer-Welt" einbricht. Da wird heftig geflirtet,  aber die Tänzerin behält mit einer gewissen Abgeklärtheit die Oberhand. Das alles ist sehr schön anzusehen und bietet Unterhaltung und gute Laune pur, so dass die zweite halbe Stunde des Abends wie im Flug vergeht.

FAZIT

Mit zwei recht unterschiedlichen Handschriften des modernen Ausdruckstanzes stellt die Compagnie Hagen erneut ihre Vielseitigkeit unter Beweis.

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Produktionsteam

Bühnenbildmitarbeit
Sophia Lindemann

Dramaturgie
Waltraud Körver

Through and Over

Konzept, Choreographie und Bühne
Anna Konjetzky

Kostüme
Lydia Sonderegger

Licht
Martin Gehrke

Tänzerinnen und Tänzer

Julie Endo
Yu-Hsuan (Mia) Hsu
Yu-Hung (Phoebe Huang
Evan Inguanez
Giovanni La Rocca
Hannah Law
Stefano Milione
Cheng-Yang Peng
Salvatore Piramide
Carolina Verra
Serena Zaggagnini

 

Op Sha!

Konzept, Choreographie und Ausstattung
Kevin O'Day

Licht
Ingo Jooss

Einstudierung
Kelly Shaw

Tänzerinnen und Tänzer

Riccardo Maria Detogni
Julie Endo
Yu-Hsuan (Mia) Hsu
Yu-Hung (Phoebe) Huang
Evan Inguanez
Giovanni La Rocca
Hannah Law
Stefano Milione
Cheng-Yang Peng
Salvatore Piramide
Carolina Verra
Serena Zaggagnini


Weitere Informationen
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Theater Hagen
(Homepage)




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