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Die Perlen der Cleopatra

Operette in drei Akten
Libretto von Julius Brammer und Alfred Grünwald
Musik von Oscar Straus

in deutscher Sprache mit Übertiteln

Aufführungsdauer: ca. 2h 30' (eine Pause)

Premiere des Theaters für Niedersachsen im Stadttheater Hildesheim am 15. Oktober 2022




Theater für Niedersachsen
(Homepage)
Antiker Schwank als rauschendes Kostümfest

Von Thomas Molke / Fotos: Jochen Quast

Im Operetten-Repertoire spielen die Werke von Oscar Straus im Gegensatz zu den Stücken seiner Kollegen Franz Lehár, Johann Strauss und Emmerich Kálmán auf den Musiktheaterbühnen heute eher eine untergeordnete Rolle. Das mag daran liegen, dass der Humor in seinen Stücken ziemlich auf die damalige Zeit zugeschnitten und somit auf die Gegenwart schwierig zu übertragen ist. Als er seine Operette Die Perlen der Cleopatra 1923 in Wien zur Uraufführung brachte, befand man sich durch die Entdeckung des Grabes von Pharao Tutanchamun im Jahr 1922 in Europa in einer regelrechten Ägyptomanie. Des Weiteren stellte die Titelpartie eine Paraderolle für den damaligen Operetten-Star Fritzi Massary dar, so dass der Erfolg des Stückes zum großen Teil sicherlich auch ihr gebührte. Die Premiere in Berlin ein Jahr später fiel dann mit der öffentlichen Ausstellung der Büste der Nofretete zusammen, so dass auch hier der Stoff um die berühmte Königin Ägyptens, die vor allem durch ihre Liebschaften zu Julius Caesar und Marcus Antonius im kulturellen Bewusstsein geblieben ist, auf fruchtbaren Boden fiel. Intendant Oliver Graf hat eine Neuinszenierung der Operette in Hildesheim nun zur Chefsache erklärt und will zeigen, dass dieses Stück auch heute noch gute und zeitgemäße Unterhaltung bieten kann.

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Cleopatra (Silke Dubilier mit dem Chor) langweilt sich.

Mit den Perlen im Titel der Operette wird wahrscheinlich auf eine Erzählung des antiken Schriftstellers Plinius des Älteren angespielt. Er beschrieb in seinem Buch zur Naturkunde, der Naturalis historia, ein Abendessen zwischen Cleopatra und Marcus Antonius, bei dem Cleopatra eine Perle in Essig auflöste und anschließend trank. Damit soll sie eine Wette für sich entschieden haben, in der es darum ging, wer die wertvolleren Speisen auftischen könne. Diese Geschichte spielt in Straus' Operette ebenso wenig eine Rolle wie Marcus Antonius, der lediglich am Ende als Eroberer Ägyptens auftaucht. Vielmehr nutzt Cleopatra die Perlen, um sie in Wein aufzulösen und sich ihre diversen Liebhaber gefügig zu machen. Da ist zum einen der selbstverliebte Prinz Beladonis, der mit Ägypten wegen eines "Meerbusens" ein Bündnis schließen will. Zum anderen spannt die Königin ihrer Hofdame Charmian deren Geliebten Victorian Silvius aus, einen römischen Offizier, weil er sie vor einer Verschwörung warnt. Doch beide Männer können die liebeshungrigen Königin auf Dauer nicht zufriedenstellen. Ob Marcus Antonius mehr Erfolg haben wird, lässt das Stück offen.

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Cleopatra (Silke Dubilier) flirtet mit Victorian Silvius (Felix Mischitz, dahinter), was Pampylos (Uwe Tobias Hieronimi, rechts) gar nicht gefällt.

Das Regie-Team um Oliver Graf vertraut dem Witz der Vorlage und siedelt die Geschichte in einem Ambiente an, das sowohl den Revue-Charakter der Vorlage unterstreicht, als auch die Vermarktung der Titelfigur durch große Hollywood-Streifen der 1960er Jahre einfängt. Sebastian Ellrich hat dafür ein variables Bühnenbild konzipiert, das aus den Buchstaben CLEOPATRA besteht und sich in andere Bühnenelemente verwandeln lässt. So wird das L zu einem Bett, auf dem Cleopatra gelangweilt strickend ihre politischen Geschäfte führt. Beim A bildet die Rückseite eine Art Showtreppe, auf der Beladonis die Herzen der Frauen höher schlagen lässt, und das O lässt sich liegend in ein Bällebad verwandeln, in dem Cleopatra mit einer Quietsche-Ente planscht, die die klassische schwarze Cleopatra-Perücke trägt. Vor dem blauen Glitzervorhang, der den Revue-Charakter des Stückes unterstreicht, befindet sich ein altmodisches Mikrophon, wie es die großen Chanson-Sänger*innen des vergangenen Jahrhunderts bei ihren Auftritten verwendeten. Cleopatra nutzt es für ihren ersten Auftritt und ein Couplet im zweiten Teil. Daneben steht eine golden glänzende Winke-Katze, die man eher mit Asia-Shops assoziiert. Die Kostüme für den Chor und die Solist*innen, für die ebenfalls Ellrich verantwortlich zeichnet, lehnen sich mit opulentem Ägypten-Kitsch dem Glamour der Entstehungszeit der Operette an.

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Cleopatra (Silke Dubilier) verhandelt mit Prinz Beladonis (Yohan Kim, links) (in der Mitte: Pampylos (Uwe Tobias Hieronimi)).

Was die Textvorlage betrifft, scheut sich Graf nicht, auch auf recht platte Zoten zu setzen, die bei vereinzelten Zuschauern einen hohen, sich lautstark äußernden Unterhaltungswert zu haben scheinen. Das betrifft zum einen den "Meerbusen", über den Beladonis mit Cleopatras Minister Pampylos verhandelt und bei dem es sich nach der Betonung eher um "mehr Busen" handelt, der dann auch noch Cleopatra sehr "am Herzen liegt" Zum anderen wird auch von der "Flöte" des Beladonis in den höchsten Tönen geschwärmt. Auch die beschwingten Musiknummern, die größtenteils sehr eingängig, dabei aber auch recht simpel gehalten sind, funktionieren textlich häufig nach dem Motto "Reimen um jeden Preis". Das Ensemble setzt dies alles aber pointiert um. Witzig sind die musikalischen Zitate aus anderen Werken, die vom Revolutionär Kophra, der stets mit einer riesigen Schlange auftritt, unterbunden werden. Da wird das Anschwellen des Nils nach einer Zeit der Wassernot mit den Takten aus Richard Wagners Rheingold untermalt. Prinz Beladonis zitiert Mozarts Tamino, wenn er sich im goldenen Spiegel betrachtet und schwärmt "Dies Bildnis ist bezaubernd schön" und stimmt auf der Showtreppe später auch noch Donizettis Lucia di Lammermoor an. Was sich dann zu Mozarts kleiner Nachtmusik zwischen Cleopatra und Beladonis hinter einem goldenen Vorhang abspielt, ist dann wiederum sehr zotig gehalten.

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Cleopatra (Silke Dubilier, links) lässt sich von Marcus Antonius (Uwe Tobias Hieronimi, auf der rechten Seite links vom Bett) erobern (auf dem Bett links: Kophra (Julian Rohde)).

Silke Dubilier legt die Titelfigur als abgeklärte, reife Frau an, die in ihrer Diktion mit einem recht bissigen Tonfall begeistert. So verfügt sie über einen trockenen Humor, der sich von den eher klamaukigen Passagen erfrischend abhebt. Besonders hervorzuheben ist auch ihre große Textverständlichkeit in den Liedern. Hierbei hätte es der Übertitel nicht bedurft, zumal sie teilweise auch einen leicht anderen Text anzeigen. Mit Grandezza tritt sie zu Beginn mit Lockenwicklern in den Haaren auf, bevor sie sich im weiteren Verlauf in wechselnden opulenten Kostümen in eine verführerische Königin verwandelt. Uwe Tobias Hieronimi überzeugt als Minister Pampylos nicht nur musikalisch durch einen profunden Bass, sondern punktet auch durch komödiantisches Spiel, wobei sein Dialekt an den rheinischen Karneval erinnert. Wenn er am Ende als Marcus Antonius auftritt, hat man den Eindruck, dass es sich nicht um den römischen Feldherrn sondern vielmehr um Pampylos in einer Verkleidung handelt, zumal er von Cleopatra immer noch als Pampylos angesprochen wird. Yohan Kim stattet den Prinzen Beladonis mit lyrisch kraftvollem Tenor aus und überzeugt darstellerisch durch selbstverliebtes Spiel. Leider ist er in den gesprochenen Passagen nicht immer ganz verständlich. Felix Mischitz legt den römischen Offizier Victorian Silvius als eine Art Karikatur an, der kaum aus seiner Pose zu bringen ist. Sonja Isabel Reuter hat als "charmante" Charmian mit ihm ihre liebe Not, zumal er sich Cleopatra gegenüber zunächst nicht uninteressiert zeigt und seine Geliebte scheinbar vergessen hat. Julian Rhode gibt den Revolutionär Kophra recht exaltiert und ein wenig übertrieben.

Der von Achim Falkenhausen einstudierte Chor beweist große Spielfreude und tollt mit aufwendigen Kostümen über die Bühne. Musikalisch überzeugt er durch große Textverständlichkeit und homogenen Klang. Florian Ziemen stimmt mit dem Orchester des TfN die schmissigen Melodien mitreißend an, so dass man im Saal am liebsten mitsummen oder mitwippen möchte. So gibt es für alle Beteiligten am Ende großen Jubel.

FAZIT

Graf präsentiert Straus' selten gespielte Operette in relativ konventionellem Stil, was beim Publikum sehr gut ankommt. Dieser Abend ist leichte Operetten-Unterhaltung pur.

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Produktionsteam

Musikalische Leitung
Florian Ziemen

Inszenierung 
Oliver Graf

Bühne und Kostüme
Sebastian Ellrich

Choreographie
Annika Dickel

Chor
Achim Falkenhausen

Dramaturgie
Jannike Schulte

 

Orchester des TfN

Chor des TfN

 

Solistinnen und Solisten

Cleopatra, Königin von Ägypten
Silke Dubilier

Pampylos, erster Minister / Marcus Antonius
Uwe Tobias Hieronimi

Victorian Silvius, ein römischer Offizier
Felix Mischitz

Prinz Beladonis
Yohan Kim

Charmian, Hofdame
Sonja Isabel Reuter

Kophra, Revolutionär
Julian Rohde

 


Weitere
Informationen

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Theater für Niedersachsen
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Da capo al Fine

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