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Veranstaltungen & Kritiken Musikfestspiele |
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Klangvokal Musikfestival Dortmund 16.05.2012 - 03.06.2012
Israel in Egypt - von der Sklaverei zur Freiheit in hebräischer, arabischer und englischer Sprache Aufführungsdauer: ca. 2 h 15' (keine Pause) Koproduktion von l'arte del mondo, den Händel-Festspielen Halle und Bayer Kultur Leverkusen in Verbindung mit dem Israel Festival Jerusalem Aufführung in der St. Reinoldikirche in Dortmund am 16. Mai 2012 |
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Begegnung der Kulturen Von Thomas Molke / Fotos von Fatna-El Yassamina Aboulwafi (© Aboulwafi) "Begegnungen" heißt das Leitthema, unter das Festspieldirektor Torsten Mosgraber das vierte Klangvokal Musikfestival in Dortmund gestellt hat. Mit einer Begegnung der drei großen monotheistischen Weltreligionen stellt der Festivalauftakt ein interreligiöses Projekt dar, das als Textgrundlage eine Stelle wählt, die in den fünf Büchern Moses des Alten Testamentes, der jüdischen Thora und auch im Koran eine Rolle spielt: der Auszug des Volkes Israel aus Ägypten. Diese Befreiung von einer Fremdherrschaft kann als Wunsch der Menschheit jenseits aller Religionen angesehen werden, da Unterdrückung, Vertreibung und Flucht bis in die Gegenwart in der Völkergemeinschaft präsent sind. Entwickelt haben dieses Projekt der Leiter des namhaften Barockorchesters l'arte del mondo, Werner Ehrhardt, der israelische Komponist und Oud-Spieler Yair Dalal, der schon seit Jahren mit seiner musikalischen Arbeit anstrebt, einen Dialog zwischen Juden und Arabern mittels der Musik zu ermöglichen, und der Intendant der Händelfestspiele Halle, Clemens Birnbaum, der die Uraufführung bei den Händelfestspielen Halle 2011 ermöglichte. Nachdem das Projekt im Anschluss auch beim Israel Festival Jerusalem im Juni 2011 große Erfolge feierte, ist das Projekt nun in der St. Reinoldikirche in Dortmund angekommen. L'arte del mondo mit dem musikalischen Leiter Werner Ehrhardt (Mitte), das Alol Ensemble und der Tölzer Knabenchor in der St. Reinoldikirche Basis ist Georg Friedrich Händels fünftes Oratorium Israel in Egypt, das er 1738 kurz nach seinem geistlichen Drama Saul zunächst in drei Teilen komponierte und das anders als seine vorhergehenden Oratorien nicht die großen dramatischen Arien, sondern den Chor in den Mittelpunkt stellte. In der ursprünglichen Fassung beschrieb der erste Teil den Tod Josephs, der zweite Teil den Auszug des israelischen Volkes aus Ägypten und der dritte Teil Reflexionen über die Ereignisse vor und während des Auszuges. Diese Fassung wurde jedoch zu Händels Lebzeiten eher selten aufgeführt. Erst Felix Mendelssohn-Bartholdy setzte sich im 19. Jahrhundert für die erneute Aufführung dieses Werkes ein, strich den kompletten ersten Teil und entwickelte so die heute übliche zweiteilige Fassung. Während die Chorpassagen aus diesem Oratorium für das neue Projekt nun größtenteils erhalten blieben, wurden die Solo-Rezitative, Arien und Duette gestrichen und entweder durch traditionelle jüdische Musik ersetzt, die auf Basis der Thora die gleiche Textgrundlage benutzt oder durch arabische Sufimusik ergänzt, die Kommentare aus dem Koran zu diesem Themenbereich präsentiert. Am Ende des Konzertprojektes ist es somit nicht wie in Händels Oratorium Myriam, die die geretteten Juden ermuntert, Gott zu preisen, sondern die Sängerin des Alol Ensembles, Lubna Salame, die die Musiker auffordert, zum Tanz für die gewonnene Freiheit für alle Völker aufzuspielen. An ihr traditionell jüdisches "Halleluja" schließt sich dann Händels "Hallelujah" - Chor aus seinem Messiah an und führt mit orientalischen Sufiklängen zur Nay, einem orientalischen Blasinstrument aus der Familie der Flöten, zu einem grandiosen Abschluss. Der Tölzer Knabenchor Beeindruckend gelingt es dem Barockorchester l'arte del mondo, dem israelischen Alol Ensemble und dem Tölzer Knabenchor, die verschiedenen Kulturen musikalisch verschmelzen zu lassen. So präsentieren die einzelnen Beteiligten nicht nur die Partien aus ihrem eigenen Kulturkreis, sondern werden auch Teil der anderen Kulturen. Bereits bei der instrumentalen Introduktion zeigt das Barockorchester l'arte del mondo unter der Leitung von Werner Ehrhardt, wie es nahezu nahtlos von Händels barocken Klängen zu einer traditionell jüdischen Komposition von Yair Dalal übergehen kann. Dalal selbst beweist in diesem Teil den vielseitigen Einsatz der Violine. Auch der Tölzer Knabenchor unter der Leitung von Gerhard Schmidt-Garden beweist beim Einsatz in der traditionellen jüdischen Musik auf den Text "Amrou Rabotenov" nach dem Pessach Haggada, wenn die Plagen aus Sicht der Ägypter geschildert werden, große Wandlungsfähigkeit im Zusammenspiel mit dem Alol Ensemble. Das Alol Ensemble findet mit seinen orientalischen Instrumenten ebenfalls einen natürlichen Zugang zu Händels Musiksprache. Einen Höhepunkt im ersten Teil stellt der Chorgesang "He spake the word" dar, der beschreibt, wie der Allmächtige die Heuschreckenplage heraufbeschwört. Dieses gesprochene Wort wird von den einzelnen orientalischen Instrumenten kommentiert, so dass man das Gefühl hat, dass jede Kultur ihrem Gott eine eigene Stimme gibt: der Chor und l'arte del mondo dem christlichen Gott mit Händels barocken Klängen, Yair Dalal dem jüdischen Jehova mit dem Oud aus der Lautenfamilie und schließlich Allah, der durch die Klänge der Sitar zu sprechen scheint. An dieser Stelle und im Wechselgesang des zweiten Teils kurz vor Händels "Hallelujah", wenn die Herrschaft des Allmächtigen bekräftigt wird, scheinen die einzelnen Weltreligionen musikalisch regelrecht zu verschmelzen und vermitteln die Utopie einer friedlichen Zukunft, in der es keine religiösen Konflikte mehr gibt. Werner Ehrhardt (Mitte, links) und Yair Dalal (Mitte, rechts) mit Mitgliedern von l'arte del mondo Andere Stellen im zweiten Teil machen aber auch deutlich, dass teilweise musikalische Welten zwischen den Kulturen klaffen. So wirken bei den Reflexionen des zweiten Teils die Übergänge von traditioneller jüdischer Musik zu den Klängen Händels nahezu wie ein Auftritt der Kreuzritter, da sich der fulminant auftrumpfende Chor regelrecht bombastisch von den filigranen Tönen des Alol Ensemble abhebt. Eine große Leistung vollbringt der Tölzer Knabenchor, dessen drei Solisten im Gegensatz zu den Solisten des Alol Ensemble auch ohne Mikrophon-Verstärkung in der Lage sind, die Kirche stimmlich auszufüllen. Die Akustik der St. Reinoldikirche tut ihr Übriges, dem Gesang des Chors eine sakrale Note zu verleihen. Das Barockorchester l'arte del mondo liefert nicht nur einen perfekten Händel-Klang, sondern zeigt sich auch in der traditionellen jüdischen Musik beweglich. Besonders die lautmalerischen Momente der einzelnen Plagen werden vom Orchester bildhaft herausgearbeitet, so dass man die Frösche und Heuschrecken regelrecht hüpfen hört und der harte Stakkato-Klang die Ermordung der Erstgeborenen kompromisslos vorführt. Das Alol Ensemble stellt mit den orientalischen Klängen ein herrliches Gegengewicht dar, wobei die Stimmen der Sänger, wenn sie nicht in ein Mikrophon singen, etwas blass wirken. Am Ende gibt es lang anhaltenden und verdienten Applaus für alle Beteiligten. FAZIT Ein beeindruckendes Beispiel, wie Musik zur Völkerverständigung beitragen kann. Jetzt muss sie nur gehört werden. Weitere Rezensionen zum Klangvokal Festival Dortmund 2012.
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ProduktionsteamMusikalische Leitung Chorleitung
The Alol Ensemble Tölzer Knabenchor
Solisten
Tölzer Knabenchor
The Alol Ensemble
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