Zur OMM-Homepage Zur OMM-Homepage Veranstaltungen & Kritiken
Musikfestspiele
Zur OMM-Homepage Zur Festspiel-Startseite E-Mail Impressum



Osterfestspiele Baden-Baden 2026
28.03.2026 - 06.04.2026

Johann Sebastian Bach
Matthäuspassion BWV 244

Text von Christian Friedrich Henrici, genannt Picander (1700-1764) nach dem Matthäusevangelium. untere Einbeziehung von Kirchenliedstrophen

Mit deutschen und englischen Untertiteln

Dauer: ca 3 1/2 Stunden - eine Pause

Aufführung im Festspielhaus Baden-Baden am 30. März 2026

 

(Homepage)

 

 

Musik des Mitempfindens

Von Christoph Wurzel / Fotos: © Michael Gregonowits

Dass Bachs Matthäuspassion mehr als 100 Jahre nach ihrer ersten Aufführung zum ersten Mal wieder erklang, haben wir bekanntlich Felix Mendelssohn Bartholdy zu verdanken. Er dirigierte 1829 allerdings eine stark bearbeitete Fassung mit einem großen Sinfonieorchester, wie es im 19. Jahrhundert üblich war und einem 150-köpfigen Chor. Zudem war seine Fassung um wesentliche Teile gekürzt. Dennoch gilt diese Aufführung in der Berliner Singakademie als Meilenstein der Aufführungsgeschichte dieses Werks, das heutzutage aus der Passionszeit nicht mehr wegzudenken ist. Zugleich markiert dieses Datum den Beginn von Aufführungen der Passion im Konzertsaal außerhalb ihres Charakters als Sakralmusik im Rahmen der Karfreitagsliturgie.

So begründete in Amsterdam bereits Ende des 19. Jahrhunderts Willem Mengelberg, kurz nachdem er Chefdirigent des Orchesters geworden war, die Tradition der jährlichen Aufführung der Matthäuspassion im Concertgebouw. Der designierte neue Chefdirigent (ab 2027) Klaus Mäkelä führt diese Tradition fort und brachte Bachs großes Passionswerk zur ersten Saison der Osterfestspiele mit nach Baden-Baden, bei denen nunmehr das Concertgebouw Orchester regelmäßig zu Gast sein wird.

Im Laufe der vergangenen 130 Jahre hat es auch in Amsterdam Aufführungen in verschiedensten Interpretationsstilen gegeben - mit großem sinfonischen Apparat bis hin zur historischen Aufführungspraxis mit kleinen Ensembles. Welche Lesart würde Klaus Mäkelä wählen, der obgleich ein sehr vielseitiger Dirigent, aber mit Aufführungen von Barockmusik bisher weniger hervorgetreten ist?

Bild zum VergrößernEr wählte einen ganz eigenen, individuellen Weg: nicht sinfonisch, auch nicht historisch. Die Aufführung war geprägt von einem Bachverständnis der tiefen Versenkung in die musikalische Struktur, einer hohen Differenzierung der Ausdrucksmittel und einer fein abgestimmten Balance zwischen epischem Erzählfluss, dramatischen Episoden und verinnerlichtem Gebet in den Chorälen - alles in allem eine sehr geglückte spannungsvolle Einheit dieser höchst komplexen Komposition.

Konsequent betonte Mälelä die Zweichörigkeit der Anlage, also die Gegenüberstellung zwei Chöre (jeweils 16 Sängerinnen und Sänger) und zweier Orchester (jeweils rund 20 Musikerinnen und Musiker) sowie Cembalo und Orgel als Continuo. Das Orchester spielte auf modernen Instrumenten. Wer Aufführungen auf Originalinstrumenten im Ohr hat, könnte deren besonderen Klang vermisst haben, etwa der Traversflöten. Aber die Musikerinnen gerade der modernen Flöten verliehen ihren Instrumenten eine so schlanke Tongebung und artikulierten so ausdrucksvoll, dass Bachs intendierte Klangrede vollauf zur Wirkung kam, wie auch die Klangfarben etwa in den obligaten Oboen (im Original Oboe da caccia). Die Violinsoli (z.B. zur Arie "Erbarme dich" des Altus) strahlten Wärme und Einfühlung in den Text aus.

Bild zum VergrößernDer Nederlands Kammerchor erwies sich als höchst flexibel für die unterschiedlichen Anforderungen der Chorstellen: höchst transparent in den doppelchörigen Anlagen des Einleitungs- und des Schlusschores, dramatisch intensiv in den Turbachören, gebetshaft kontemplativ in den Chorälen, die in sich auch variabel gestaltet wurden, wie das ergreifende Pianissimo der zweiten Strophe "Du edles Angesichte" oder der Ausdruck starker Glaubensfestigkeit für "Ich will hier bei dir stehen". Der Karlsruher Jugendchor Cantus Juvenum setzte von hinterer Position einen deutlichen Akzent mit dem Cantus firmus im Eingangschor.

Die Gesangssolisten erfüllten das Ausdrucksspektrum der Arien und rezitativischen Partien aufs Beste. Maximilian Schmitt war mit makellos geführtem Tenor ein idealer Evangelist, der neben dem objektiven Deklamationsstil des Berichterstatters an zentralen Stellen auch innere Beteiligung erkennen ließ ("weinete bitterlich"). Die Jesusworte wurden von Matthew Brook in makelloser Diktion gesungen, würdevoll und profund. Mäkelä ließ die begleitenden Akkorde der Streicher nur sehr dezent spielen, so dass sich keine übermäßig pathetische Gloriole über diese Worte legte.

Julia Lezhneva sang die Arien der gläubigen Seele mit heller Freundlichkeit und fast fröhlichem Ausdruck. Tim Meads Altus konnte in den Arien des Mitgefühls stark berühren. Laurence Kilsby sang die Tenorarien mit vehementer Anteilnahme am Schicksal Jesu und Krešimir Stražanac (Bass) jene der Zerknirschung und Reue mit Intensität.

FAZIT

Die Gestaltung der Passionsgeschichte, wie sie in dieser Aufführung gelang, gipfelte am Schluss mit dem Tod und der Grablegung Jesu in einem emotional stark berührenden musikalischen Erlebnis.

Zurück zur Übersicht

Ausführende

Musikalische Leitung
Klaus Mäkelä

Royal Concertgebouw Orchestra

Nederlands Kammerchor

Cantus Juvenum Karlsruhe

 

Solistinnen und Solisten

Evangelist, Tenor
Maximilian Schmitt

Christus, Bass
Matthew Brook

Sopran
Julia Lezhneva

Altus
Tim Mead

Tenor
Laurence Kilsby

Bass
Krešimir Stražanac

 


Weitere
Informationen

erhalten Sie unter
Festspielhaus Baden-Baden
(Homepage)



Da capo al Fine

Zur OMM-Homepage Zur Festspiel-Startseite E-Mail Impressum

© 2026 - Online Musik Magazin
http://www.omm.de

- Fine -