|
Veranstaltungen & Kritiken Musikfestspiele |
|
|
|
Osterfestspiele Baden-Baden 2026 28.03.2026 - 06.04.2026
Royal Concertgebouw
Orchestra Werke von Max Bruch, Anton Bruckner und Gustav Mahler Aufführungen im Festspielhaus am 1. und 2. April 2026
|
(Homepage)
|
|
Starke Steigerung Von Christoph Wurzel / Fotos: © Michael Bode und Michael Gregonowits Nun war es also soweit. Nach einer tief berührenden Matthäuspassion trat Klaus Mäkelä mit dem Concertgebouw Orchester zum ersten Mal für zwei Sinfoniekonzerte bei den Osterfestspielen an. Im vergangenen Jahr hatte er sich bereits mit den Berliner Philharmonikern mit Richard Strauss' Alpensinfonie hier sehr erfolgreich vorgestellt. Die Berliner sind seit diesem Jahr zu Ostern nach Salzburg abgewandert. Mäkelä hat sich für mehrere Jahre mit dem Orchester, dessen Chef er ab der Spielzeit 2027/28 werden wird, an die Osterfestspiele in Baden-Baden gebunden. Für dieses Einstandsjahr hatten Dirigent und Orchester ein ganz besonders gewichtiges Programm mitgebracht, das quasi als Steigerung angelegt war. Max Bruchs populäres 1. Violinkonzert machte am ersten Abend den Anfang dieses spätromantisch symphonischen Reigens, gefolgt von Mahlers Fünfter, die hier erst vor drei Jahren von den Berlinern unter Daniel Harding gespielt worden war. Mindestens genauso viel Spannung lag da bei den Amsterdamern im Raum. Am folgenden Abend setzten sie noch eins drauf: Anton Bruckners Achte, ein Werk von über 80 Minuten höchster Konzentration und Intensität. Diese beiden Konzerte hatten zugleich Übertrumpfungs- und Überwältigungsqualität. Daniel Lozakowitch mit dem Royal Concertgebouw Orchestra unter der Leitung von Klaus Mäkelä Der schwedische Geiger Daniel Lozakowitch war Solist im Bruch-Konzert. 25 Jahre war er an diesem Tag geworden und spielte mit der Souveränität eines dem Alter nach viel erfahreneren Solisten. Sein Geigenton war warm, schmeichelnd und zugleich kraftvoll entschieden. Zart und sonor begann er die lyrische Einleitung, die ihn bald mit leichten Portamenti in strahlende Höhen führte, bis das Orchester schwer, fast tragisch den eigentlichen Hauptsatz einleitete. Darüber die singende Geige von herrlichen Bläserfarben begleitet - wenige Takte, die den Maßstab für die berückende Interpretation dieses Werks legten. Max Bruchs allzu verkannter Schlager erhielt hier Würde und Gewicht. Natürlich dann das Adagio in gebetshafter, aber an keiner Stelle sentimentaler Haltung, mit eleganter Dynamik in stufenlosen Steigerungen vom Orchester begleitet. Viel Kommunikation wie fast von selbst zwischen Solist, Dirigent und Orchester war zu spüren. Rasant ging es im Finale zu, ein Allegro energico bester Güte. Mäkelä stampfte mit dem Fuß, Lozakowitch strich mit Verve die Saiten und das Orchester gab den vollen Klang mit ganzem Temperament. Musizierlaune, die ansteckte. In der Zugabe mit Nathan Milsteins Paganiniana brillierte Lozakowitch danach noch einmal allein. Grund genug zu Orkan gleichem Jubel. Gustav Mahlers Fünfte Sinfonie wurde in Mäkeläs Interpretation ein Buch voller Erzählungen in Musik. Weniger Mahlers Modernität stand dabei im Vordergrund als die lebendige Ausformulierung der zahlreichen Episoden dieses kolossalen Werks mit bis dahin von Mahler nicht erreichter Breite an Spannungen und Entladungen. Es galt für Dirigent und Orchester hierfür die adäquate Sprache zu finden. Diese Probe haben Sie glänzend bestanden. "Streng wie ein Kondukt" - Mahlers nostalgische Replik auf das KuK-Militär seiner Heimatstadt Iglau: straffe Disziplin klang im Solo der Trompete durch, schwere Mühsal des Lebens im leidenschaftlich auffahrenden mittleren Teil des Satzes. Im 2. Satz, "stürmisch bewegt", verloren Orchester und Dirigent nie die Orientierung, trotz überschäumenden Eifers blieb dieser Satz transparent in Form und Klang. Das Scherzo glänzte voller Farben, vor allem im Holz, aber auch an den samtweichen Cellostellen. Ein Feuerwerk der verschiedenen Stimmungen. Die Instrumente schienen sich in menschlichen Emotionen ausdrücken zu wollen. Das Adagietto, Mahlers vielleicht populärster Sinfoniesatz, wurde zu einem Klangfarbenspiel wie ein zartes Aquarell. Mäkelä überging wohl keine der genauen Artikulationsvorgaben des Komponisten und das Orchester bewies seine technisch überragenden Fähigkeiten am Schluss mit einem Gleiten aus dem Fortissimo zum vierfachen Piano innerhalb von 4 Takten. Allegro giocoso steht über dem Rondo Finale. Das wurde es auch: frisch, fulminant und strahlend mit einem kleinen ironischen Schlenker der Holzbläser am Schluss. In Bruckners Achter: Klaus Mäkelä mit dem Concertgebouw Orchester Amsterdam Den Riesenapparat in Bruckners Achter zu bändigen: Klaus Mäkeläs Aufgabe, die er glänzend bestand. Lang anhaltende Konzentration und permanente Anspannung erforderte dieses Monumentalwerk des 63-jährigen Komponisten, mit dem er selbst nach Vollendung noch einige Mühe hatte. Aus den zwei von ihm selbst hergestellten Fassungen hat Robert Haas 1939 eine dritte hergestellt, die an diesem Abend zur Aufführung kam. Bruckner also nicht ganz im Original, sondern in einer (wohlmeinend) vielleicht leichter verdaulichen Fassung. Die Länge von rund 80 Minuten allerdings bleibt etwa die gleiche. Klangeruptionen ungekannten Ausmaßes ereignen sich in dieser Zeit und dann fällt der Klang wieder in sich zusammen, türmt sich neu auf und immer so weiter. Bruckners Klangarchitektur besteht aus Blöcken, diejenige Mahlers aus polyphon erzählten Episoden. Beide komponierten ihre Sätze nach strukturell selbst gestellten Gesetzen. Bei beiden sind innere Spannungen das Prinzip. Sowohl in Mahlers Fünfter als auch in Bruckners Achter, die beide in c-Moll stehen, sind es Hochspannungen. Das Adagio ist bei Bruckner Zentrum und Angelpunkt der symphonischen Gesamtanlage. Hier verdichtet sich der emotionale Gehalt der Musik; das braucht aber immerhin fast 30 Minuten der gesamten Aufführungsdauer. Komplexe Struktur und hohe Ausdrucksintensität prägen den Satz. "Hier singt Bruckner nicht nur von Liebe, sondern auch von Menschlichkeit", schrieb ein Interpret. Mäkelä vermochte es mit den Amsterdamern, diesen Anspruch empathisch zu erfüllen. Die Klangmonolithen des 4. Satzes stellte das Orchester machtvoll in den Raum, wobei es Bruckners fast manische Wiederholungszwänge elegant durch flexible Dynamik abmilderte. Dirigent und Orchester schienen bis zu den kolossalen Schlussakkorden nicht einmal verausgabt. Rund 10 Minuten standing ovation war der Lohn. FAZIT Überwältigungsmusik an zwei Abenden |
Programme1. April 2026 Max
Bruch
Gustav Mahler Solist: Daniel Lozakovitch 2. April 2026
Anton Bruckner Royal Concertgebouw Orchestra Leitung: Klaus Mäkelä
|
- Fine -