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Musikfestspiele
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Osterfestspiele Baden-Baden 2026
28.03.2026 - 06.04.2026

Benjamin Britten
War Requiem
op. 66

Zu Worten aus der lateinischen Totenmesse
und aus Gedichten von Wilfred Owen (1893-1918)

In englischer und lateinischer Sprache mit englischen und deutschen Übertiteln

Dauer: 80 Minuten

Aufführung im Festspielhaus Baden-Baden am 3. April 2026

 

(Homepage)

 

 

"Das Elend, das der Krieg gebiert"

Von Christoph Wurzel / Fotos: © Michael Bode

Kriegsgedenken ist das Thema von Benjamin Brittens War Requiem. Anlässlich der Einweihung der neu errichteten Kathedrale von Coventry wurde es im Mai 1962 uraufgeführt. Das alte, gotische Gotteshaus war 1940 von deutschen Bombern zerstört worden. Britten, erklärter Pazifist und Botschafter für Völkerverständigung wollte mit seiner Komposition mitten im Kalten Krieg ein Fanal des Friedens setzen. Und ein Zeichen für Versöhnung. Denn als Solisten wählte er neben dem deutschen Bariton Dietrich Fischer-Dieskau eine russische Sopranistin (Galina Wischnewskaya, die allerdings von der Sowjetregierung keine Ausreisegenehmigung erhielt) und den englischen Tenor Peter Pears. In unseren Zeiten neuer, erschreckender Kriege stand das War Requiem nun am Karfreitag auf dem Programm der Osterfestspiele in Baden-Baden.

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Das geteilte Mahler Chamber Orchestra, die Solisten Bogdan Volkov (Tenor) und Matthias Goerne (Bariton), Irina Lungu (Sopran, im Hintergrund) und die Chöre aus Brünn und Salzburg

Obwohl es den Titel „Requiem“ trägt, ist das Werk ganz anders als die bei den Osterfestspielen wenige Tage zuvor aufgeführte Matthäuspassion kein Werk liturgischen Charakters. Wohl hat Britten darin den vollständigen Text der Missa pro defunctis verwendet, wie er seit der Gregorianik im Rahmen der Totenmesse gebräuchlich ist, aber der Komponist hat diesem religiösen Andachtsritual lyrische Texte von Wilfred Owen gegenübergestellt, die dieser angesichts des unmittelbaren Erlebens in den Schützengräben des Ersten Weltkriegs schrieb. Owens Lyrik ist kompromisslos in der Anklage eines zerstörerischen Heroismus und der Gräuel des Kriegs. Es sind Gedichte eines Fünfundzwanzigjährigen, der noch in den allerletzten Tagen des Kriegs einen sinnlosen Tod sterben musste. So stoßen sich liturgischer Text und individuelles Schicksal unerbittlich hart, und zwar nicht allein in den Worten, sondern in der gesamten musikalischen Faktur des Werks. Das War Requiem mündet nicht in ein hoffnungsvolles Erlösungsversprechen von ewiger himmlischer Ruhe. Nach einer fast tonlosen Klage zweier geschundener Krieger, die nicht einmal mehr die Kraft zur Feindschaft haben, endet das Werk mit dem denkbar leisesten Amen, das es in einem derartigen Werk wohl geben kann.

Britten hat für die Aufführung entsprechend der zwei antagonistischen Ebenen des Werks zwei Orchester und zwei Chöre vorgesehen. Dem geistlichen Text ist ein großer Chor, die Sopranistin und das große Sinfonieorchester zugeordnet. In den lyrischen Versen begleitet ein Kammerorchester die beiden Männerstimmen. Zusätzlich schweben über dem Klanggeschehen laut der Partitur die Stimmen eines Knabenchors. Hier waren es vom Balkon des ersten Rangs im Festspielhaus aus die Mädchenstimmen des Karlsruher Cantus Juvenum.

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Der Mädchenchor von Cantus Juvenum, Karlsruhe

Joana Mallwitz gelang es beeindruckend, die heterogenen Teile des Werks zu einem Ganzen zu vereinen. Mit hoher Sensibilität ließ sie das Orchester die reichen Klangfarben der Partitur entfalten, den schier apokalyptischen Furor im Dies irae, den matten, schweren Trauermarsch im Libera me oder das allmähliche Anwachsen des Klangs im Gloria, bis er sich wie eine erleuchtete Kuppel über den Raum wölbt. Gebannt war das Publikum, wo sich die begleitende Musik nur noch in kleinsten Partikeln zu äußern vermag, wenn sich die beiden zu Tode erschöpften gegnerischen Soldaten im selben Schicksal des Todes erkennen.

Der ukrainische Tenor Bogdan Volkov und Matthias Goerne (Bariton) sangen Owens expressionistische Verse mit starker Ausdruckskraft. Die aus Russland stammende Sopranistin Irina Lungu sang die solistischen Partien der lateinischen Texte mit hoher Intensität. Bestens disponiert für die klanglich teils heikeln Stellen waren die vereinigten Chöre aus Brünn und Wien. Alles in allem war die Aufführung durch eine beeindruckende Gesamtleistung geprägt - hochkonzentriert und voller Ernst und Würde dem Thema angemessen.

FAZIT

Nicht allein Coventry, auch Dresden oder Hiroshima mögen Benjamin Britten vor Augen gestanden haben, als er 16 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg dieses Auftragswerk konzipierte. Als Symbole für die Widerwärtigkeit des Krieges, für staatlich befohlenes Morden und gnadenlose Zerstörung müssten in jüngster Zeit aber auch Butscha oder Gaza in dieser Reihe stehen. „All a poet can do today is warn“ stellte Britten mit den Worten Wilfred Owens dem War Requiem als Motto voran. Angesichts beklemmender aktueller Bilder hat diese Warnung nichts an Bedeutung verloren.

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Ausführende

Musikalische Leitung
Joana Mallwitz

Mahler Chamber Orchestra

Tschechischer Philharmonischer Chor Brünn

Cantus Juvenum Karlsruhe

 

Solistinnen und Solisten

Sopran
Irina Lungu

Tenor
Bogdan Volkov

Bariton
Matthias Goerne

 


Weitere
Informationen

erhalten Sie unter
Festspielhaus Baden-Baden
(Homepage)



Da capo al Fine

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